Donnerstag, 30. Juni 2016

#142: Blair Athol 2010 C&S Dram Collection





Von Blair Athol gibt es nur eine 12-jährige Standardabfüllung, jedoch viele unabhängige Abfüllungen. Eine mit 5 Jahren sehr junge Variante von Andrea Caminnecis C&S Dram Collection steht heute zur Verkostung an. Der Charakter von Blair Athol ist aus meiner Sicht sehr intensiv und süß - so jugendlich hatte ich noch keinen Blair Athol im Glas.
Vielen Dank an Caminneci Wine & Spirit Partner für die Probe und das Foto.


Farbe
Zuerst richtig viel Alkohol, erinnert ein wenig an Nagellackentferner mit Mandelaroma. Natürlich ohne Aceton - hehe! Dahinter spürt man, wie die schönen Aromen aus dem Sherry Butt hervorkommen wollen: Roter Apfel, Rosinen, viel Karamell. Der Alkohol hält sie zurück, also gebe ich etwas Wasser hinzu. Der Alkohol tritt zurück und gibt Mandelöl, Apfel, Nektarine und eine feine Süße frei. Nichts desto trotz kommt er auch jetzt noch alkoholisch, jung und ungestüm daher.

Geschmack
Unerwartet sehr süß, cremig und butterweich auf der Zunge. Honig, Malzbonbons und viele helle Früchte. Mirabellen, Äpfel, Trauben. Unmittelbar beim Herunterschlucken kommt dann die mit einem metallischen Eindruck am Gaumen und herben Kräuternoten auf der Zunge die Jugend nun doch zurück.

Finish
Auf der einen Seite weiterhin cremig, süß und sehr angenehm mit Karamell, Honig und zarten Fruchtnoten, bestreut mit etwas Kaffeepulver. Die Bitterkeit und Jugend bleiben noch ein Weilchen da und ziehen sich zum Ende des mittellangen Finish zurück.

Fazit
Hmm... Etwas schwierig. Auf der einen Seite hochinteressant, vom Brennereicharakter getrieben und im Geschmack überraschend ausgereift. Auf der anderen Seite für mich dann zu viel Jugend und zu aggressiver Eindruck von Rohrbrand. Dieser Whisky vermittelt einen tollen Eindruck, wie sich der Rohbrand mit zunehmender Reifung verändert und bietet die seltene Möglichkeit, einen so jungen Malt in voller Stärke zu erfahren, den Charakter und den Einfluss der Fassreifung in frühem Stadium zu erkunden.

Dienstag, 28. Juni 2016

#141: Caol Ila 2005 Gordon & MacPhail Exclusive for Germany





Den Abschluss meiner Trilogie zu den neuen Abfüllungen von G&M für Deutschland bildet ein fassstarker Caol Ila, der nach 11 Jahren in einem First Fill Bourbon Barrel ordentlich Rauch und starke Frucht- und Süße bieten sollte. Ich bin sehr gespannt!
Vielen Dank an Kirsch Whisky Import für Probe und Foto.


Farbe
Blasses Gold

Nase
Kräftiger, warmer und süßlicher Rauch. Verbrannter Speck, glühende Holzkohle, altes Leder. Der Rauch ist mehr aschig, als phenolisch oder holzig. Hinter dem Rauch erstarken von Minute zu Minute reife Früchte und süßes Malz. Reife Äpfel, Bananen und auch einige Zitrusfrüchte, die eine angenehme Frische einbringen. Der Alkohol ist gut eingebunden, hält man die Nase nicht allzu forsch ins Glas, ist er hinter Rauch und Früchten kaum auszumachen.

Geschmack
Der Rauch hält sich zunächst sehr zurück und offenbart süße Malzigkeit und helle Fruchtnoten. Wieder dominieren die Zitrusfrüchte mit einer erfrischenden Säure. Dazu rauchiges Karamell und etwas Schokolade. Erst beim Herunterschlucken ist man plötzlich wieder auf Islay, der Rauch schlägt wieder voll zu. Würziger, erdiger Rauch und pfeffrige Schärfe vor Beginn des Abgangs.

Finish
Lang und intensiv rauchig mit Holzkohle, Asche und verbranntem Holz. Die Früchte machen dem Rauch Platz, nur mehr das süße Malz und eine immer wieder aufglimmende Zitrusnote erinnern an die Süße im Aroma und im Geschmack. Mit Pfeffer, Bitterschokolade und etwas Leder wird er immer trockener und bleibt noch richtig lang im Mund.

Fazit
Ein geradliniger, schöner Caol Ila am Anfang seiner besten Jahre. Der Rauch ist, vor allem im Abgang, noch richtig intensiv und kraftvoll – jedoch setzen sich die süßen, fruchtigen Noten aus dem 1st Fill Ex-Bourbon Fass schön durch und erzeugen eine schöne Gesamtkomposition. Gefällt mir gut und ist definitiv eine Alternative z.B. zum Ardbeg Ten, da hier mehr „Wumms“ aufgrund höheren Alkoholgehalts geboten wird.

Sonntag, 26. Juni 2016

#140: Hotel Essener Hof Nr. 9 Irish Single Malt Whiskey, 14 Jahre Port Pipe



Irischer Whiskey erlebt seit Monaten einen nicht enden wollenden Höhenflug. Weit über 10 neue Brennereien befinden sich dort im Bau bzw. in der Gründung, viele neue Abfüllungen kommen auf den Markt. So auch die für das Hotel Essener Hof abgefüllten Single Malt Whiskeys aus dem Lager von Jack Teeling. Die Nummer 9 von 10 wandert heute in mein Glas und reifte 14 Jahre in einem Ex Portwein Pipe. 
Vielen Dank an das Brühler Whiskyhaus für die Probe und das Foto.


Farbe
Rotbraun

Nase
Direkt nach dem Einschenken tut sich nicht viel. Kräftiger Alkohol, Nussigkeit und Eichenwürze. Der Whiskey gibt sich etwas zickig. Nach etwa einer halben Stunde an der Luft öffnet er sich. Eine intensive, trockene Portweinnote führt an, gefolgt von gemahlenen Haselnüssen und Mandeln, dunkler Schokolade. In diese Schokolade werden dunke Früchte getaucht. Da sind Brombeeren, Himbeeren und dunkler Pfirsich. Eine intensive Eichenfracht verheißt mit frisch gesägtem Holz ein intensives Mundgefühl. Mit Wasser kommt auch etwas Vanille und Karamell auf. Die auch nach längerer Zeit an der Luft immer noch vorhandene Kraft des Alkohols lässt sich damit auch zähmen, ohne die Aromen groß zu verändern.

Geschmack
Der ganze Mund wird mit intensiven Weinnoten ausgekleidet. Eichenholz, florale Kräuternoten und richtig viel Kraft auf der Zunge. Der Portweineinfluss legt sich wie eine Schicht um den ganzen Mund und gibt dann nach und nach verschiedene Schokofrüchte frei. Intensive, dunkle, hochwertige Bitterschokolade umhüllt die süßen Beeren.

Finish
Mittellang und trocken klingt der Whiskey ab. Die schon vom ersten Augenblick an vorhandene Dominanz des Port-Pipes wird jetzt klar. Schwarzer Pfeffer, starker Kaffee, Kräuterbonbons und intensive Holzigkeit am Gaumen. Auch die Weinnoten, die diesen Malt tragen, sind immer wieder da. Das Finish verleitet zum Nachschenken.

Fazit
Irischer Whiskey ist weich, sanft und "easy"? Hier nicht! Das ist ein gänzlich neues Erlebnis, wenn man bisher nur Bushmills und Co aus Irland im Glas hatte. Intensiv, dominiert vom Fass, starker Alkohol und starke Aromen. Mit Wasser lässt er sich wunderbar auf die jeweilige Tagesform modulieren, bleibt dabei aber immer klar fasslastig und süffig.



Donnerstag, 23. Juni 2016

#139: Aultmore 2005 - 2016 Refill Bourbon Barrel - Gordon & MacPhail Exklusive for Germany

  • Brennerei: Aultmore
  • Fasstyp: Refill Bourbon Barrel
  • Jahrgang: 2005 (Abgefüllt in 2016 mit 10 Jahren Alter)
  • Abfüller: Gordon & MacPhail, exklusiv für Deutschland
  • Alkoholstärke: 58,5% ABV
  • Whiskybase: https://www.whiskybase.com/whisky/83651/2005-gm




Aultmore produziert als nahezu ausschließlich für die Blend Industrie und findet sich im Dewar's und im Old Perth Blended Malt. Standardabfüllungen gibt es so gut wie keine und die Brennerei hat auch kein Visitor Center und ist nicht für Besucher geöffnet. Hier geht es also eher industriell zu, was der Qualität des Malts aber ja keinen Abbruch tun muss.
Dieser Aultmore stammt aus einem Refill Bourbon Fass und wurde von Gordon & MacPhail speziell für den deutschen Markt abgefüllt.
Ich danke Kirsch Whisky Import für die Probe und das Foto.


Farbe
Blasses Gold

Nase

Der erste Eindruck ist zurückhaltend. Außer Vanille, etwas Pfeffer und gemischten Kräuterbonbons kommt erstmal nicht viel. Ganz langsam kommt nach und nach die Fruchtigkeit auf. Unreife Banane, getrocknete Aprikose. Der Alkohol weht mit viel Minze recht kräftig aus dem Glas.
Mit etwas Wasser werden die Früchte stärker und das Fass wird mit gerösteten Nüssen spürbarer. 


Geschmack
Sehr kräftig und überraschenderweise getragen von intensiver Eichenwürze und mehr als nur ein wenig Bitterkeit aus dem Fass. Gleichzeitig ist er süß mit sanften Äpfeln, Bananen und einem Hauch entfernter Schokolade. Auch die Kräuter sind wieder mit von der Partie. Der Alkohol gibt ordentlich Kraft, brennt aber zu keiner Zeit.


Finish

Ab dem Übergang vom Geschmack zum warmen, mittellangen Finish gibt das Fass so richtig Gas. Es herrschen jetzt klar grasige Kräuternoten vor, die von einer recht starken Bitterkeit umgegeben sind. Walnussschalen kommen in den Sinn… Etwas Minze kommt hervor, von den Früchten ist leider nicht mehr viel geblieben.

Fazit

Dieser Aultmore weiß mich nicht zu begeistern. In der Nase zu zurückhaltend, im Geschmack etwas eindimensional und im Finish zu stark auf der bitteren Seite. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier ein etwas müdes Fass zur Abfüllung gekommen ist. Von den kräftigen, intensiven Frucht-, Vanille- und Karamellnoten der ersten Befüllungen ist nur mehr ein Schatten geblieben und es herrschen die Tannine vor. Für Fans von intensiven Kräutern und bitterem Kaffee aber ggfs. ein Tipp.  

Dienstag, 21. Juni 2016

138: Glenrothes 2000 - 2016 1st Fill Bourbon, Gordon & MacPhail Exklusive for Germany

  • Brennerei: Glenrothes
  • Fasstyp: 1st Fill Bourbon Barrel
  • Jahrgang: 2000 (Abgefüllt in 2016 mit 15 Jahren Alter)
  • Abfüller: Gordon & MacPhail, exklusiv für Deutschland
  • Alkoholstärke: 40% ABV
  • Whiskybase: https://www.whiskybase.com/whisky/83630/2000-gm





Im Juni bringt Gordon & MacPhail wieder drei Abfüllungen speziell für den deutschen Markt. Die Einzelfassabfüllungen kommen ungefiltert und ohne Farbstoff daher. Heute ist ein Glenrothes aus dem 1st Fill Bourbon Barrel mein erster Kandidat. Ein Aultmore und ein Caol Ila folgen in den nächsten Tagen.
Ich danke Kirsch Whisky Import für die Probe und das Foto.


Farbe
Fahles Gold


Nase
Sofort springen einen die sommerlichen Früchte an. Zuerst etwas säuerlich mit grünem Apfel, Ananas und Zitrone. Wenig später roter Apfel und Pfirsich. Sehr süß und gefällig. Zuckerwatte, Mandeln und Sirup umrahmen die Früchte. Insgesamt frisch, fruchtig, spritzig – sehr sommerlich! Der Alkohol ist nicht spürbar, was aber auch den niedrig angesetzten 40 Volumenprozenten liegen dürfte.

Geschmack

Leicht und mit zarter Süße tritt der Glenrothes auf die Zunge. Mandelsirup, Marzipan, Pfirsichcreme. Die Früchte sind jetzt nicht mehr so definiert wie im Aroma. Vielmehr ein leichter Fruchtsalat mit Fokus auf hellen, süßen Südfrüchten. Auch das Fass spürt man jetzt mit ganz entfernter Würzigkeit und einem minimalen Hauch von Bitterkeit an den Wangen. 

Finish

Mittellang und langsam trockener werdend. Die Früchte sind jetzt komplett getrocknet. Man stelle sich eine Tüte mit gemischten Trockenfrüchten vor: Pfirsiche, Aprikosen, Ananas, …
Wenn die Frucht verklungen ist, bleibt milder weißer Pfeffer und dunkles Kakaopulver auf der Zunge zurück.


Fazit

Ein sehr fruchtiger und süßer Whisky für einen lauen Sommerabend auf der Terrasse oder dem Balkon. Während die Nase noch spritzig und frisch erscheint, bauen sich über den Geschmack bis zum Finish immer mehr oxidierte Fruchtnoten auf und bilden so einen guten Spannungsbogen. Das Mundgefühl ist mit den nur 40% Alkohol zu schwach geraten, ich würde mir mehr Druck wünschen. So aber vielleicht auch für Neueinsteiger interessant, die statt einem Cocktail am Abend mal einen guten Whisky trinken möchten.

Sonntag, 19. Juni 2016

#137: Bruichladdich 1991 "Laggan Point" - Château Latour Finish







Heute greife ich tief in mein Archiv an Tasting Notes. Ein Spitzenmalt, der vom unabhängigen Abfüller Murray McDavid, damals noch in Hand von Jim McEwan und Co, für die Vinothek Massen in Luxemburg ausgesucht wurde. Immer noch sehr gefragt, aber leider kaum mehr zu bekommen, bewegt er nach wie vor die Bruichladdich Freunde. Warum poste ich das gerade jetzt? Die letzten Reste meiner Flasche begleiteten mich auf meine Hochzeitsreise Anfang Mai und so wurde mir wieder bewusst, wie genial dieser Whisky tatsächlich ist. Genießt ihn noch einmal mit mir!


Farbe
Mahagoni

Nase
Süße Vollmilch Pralinen, Erdbeeren, Trauben - dahinter steigt Würze vom europäischen Eichenfass auf, in dem der Chateau Latour lag. Je länger der Malt atmet, desto mehr weichen die Schokofrüchte dem Einfluss des Weins. Es bleibt süß, aber wird fruchtiger. Mit Wasser: Noch süßer. Geht das überhaupt? Honig. Aufgeschnittene Erdbeeren mit Puderzucker, roter Früchtetee. Dahinter ein winziger Hauch kühlende Minze. Nach einiger Zeit kommt eine erdige Note durch, wie ich sie von Weinfinishes kenne. Reminiszenzen an einen muffigen Fasskeller mit Lehmboden. Schön. 

Geschmack

Kräftig, stürmisch, es prickelt kurz auf der Zunge. Erdbeeren und Trauben sind wieder da, begleitet von etwas Marzipan. Eine holzige Note begleitet die Süße. Erinnert mich an Zedernholz. Vom Brennereicharakter spüre ich nur mit viel Phantasie etwas - es muss sich hier um ein aktives Spitzen-Weinfass gehandelt haben. Die langsame und sorgfältige Destillation von Bruichladdich zeigt auch hier: Mit seinen 51,7% Alkohol ist auch dieser Malt angenehm unverdünnt zu genießen.
Mit Wasser: Zugänglich. Die Schärfe weicht, alle Eingangs beschriebenen Noten erstarken. Das Wasser bringt hier meiner Meinung nach keine neuen Aromen, macht den Malt aber runder und er öffnet sich leichter.


Finish
Wärmend zieht der Malt den Rachen hinab, es bleibt eine deutliche Bitterkeit zurück. Das Weinfass aus europäischer Eiche hat hier deutliche Spuren hinterlassen. Wie lange wohl das Finish war? Die Eiche ist noch nicht überbordend stark. Zwischenzeitlich tauchen immer wieder die roten Früchte und Marzipan auf und relativeren den zunächst bitteren Eindruck ins Positive. Insgesamt ist das Finish sehr lang und angenehm, nach einigen Minuten ist nur noch Süße übrig, die aber partout nicht gehen will....

Fazit
Rotwein-Finishes überzeugen mich oftmals nicht - die Eiche und Würze sind mir hier bisweilen einfach zu stark. Hier stimmt aber die Balance! Sehr süß und gefällig und doch mit der richtigen Portion "Wumms" - ein Inselwhisky bleibt er doch, auch ohne Rauch.

Donnerstag, 16. Juni 2016

#136: Teerenpeli Kaski - Single Malt from Finland


Heute bin ich beim letzten der drei Teerenpeli aus Finnland angekommen. Anders als die anderen beiden reifte der "Kaski" ausschließlich in Sherryfässern. Die Farbe ist hier schon richtig vielversprechend. Während die Karhi und Rasi schon sehr gut, aber insgesamt etwas zu leicht ausfallen, verspreche ich mir hier durch das intensive Sherryfass auf jeden Fall mehr!

Vielen Dank an Kirsch Whisky Import für die Probe und das Foto.


Farbe
Dunkles Goldbraun

Nase
Viel Sherryeinfluss, aber auch irgendwie anders. Zuerst sind da Geröstete Nüsse, dunkle Beeren, Kirschen, Zedernholz und dunkle Schokolade. Dahinter finde ich Bananen, Malzbier und leider auch eine jugendliche Anmutung des Alkohols. Der Whisky kaschiert seine Jugend gut mit dem Sherryfass, sie vermag sich aber nicht zu verstecken.

Geschmack
Leicht und angenehm, fast ein wenig wässrig auf der Zunge. Dunkles Karamell, Haselnusscreme, Milchkaffee und viel Sherry und Süße auf der Zunge. Pflaumenmus und dunkle Schokolade runden den Geschmack ab. Dahinter Räucherwurst und Sägespäne. Der Alkohol erscheint auch hier etwas jugendlich, aber nicht übermäßig störend.

Finish
Mittellang und getragen vom Sherryfass. Geröstete Nüsse und Karamell verklingeln schnell und machen Platz für trockene Holznoten, etwas Holzrauch, milde Lakritze und ein angenehm wärmendes Gefühl.

Fazit

Sehr gelungen. Noch passt die Balance aus sanftem Mundgefühl und dennoch vorhandener alkohlischer Jugend nicht ganz, die guten Sherryfässer gleichen dies aber ein Stück weit aus. Wenn hier eine noch längere Reifung erfolgt und das Gleichgewicht kommt, können wir hier mit einem Spitzenmalt auf dem Niveau eines Glen Els aus Deutschland, zudem ich einige Parallelen schmecke, erwarten. Schon jetzt ein guter Dram.

Dienstag, 14. Juni 2016

#135: Teerenpeli Karhi - Single Malt from Finland







Heute wandert der zweite von drei Finnen in mein Glas! Diesmal der "Karhi" (Finnisch für "Egge", ein Ackergerät), der in einer für mich sehr vielversprechenden Fasskombination gereift wurde. Nach der ersten Reifung in amerikanischen Ex-Bourbon Fässern erfolgte ein Finish in Madeira-Süßweinfässern. Diese bringen meist wundervolle Frucht- und Kuchennoten, weshalb diese Reifungen zu meinen liebsten zählen. Mal schauen wie sich der Finne so mit diesen Fässern verträgt.
Ich bedanke mich bei Kirsch Whisky Import für die Probe und das Foto!


Farbe
Maisgelb

Nase
Sehr leicht und angenehm in der Nase. Das Madeirafinish ist sofort klar zu erkennen. Ich entdecke die typischen Noten von Fruchtkuchen und Parfum. Aprikosen, Pfirsiche, Saft von weißen Trauben. Dazu ordentlich Vanille, dunkles Karamell, helle Schokolade und eine sehr zurückhaltende Würzigkeit.

Geschmack
Sehr weich und seidig auf der Zunge, perfekt eingebundener Alkohol trifft auf getrocknete Feigen, Aprikosen und Apfelringe. Auch die Schokolade findet sich wieder, jetzt ist sie ein wenig kräftiger und zeigt zusammen mit kurz aufflackerender Holzigkeit und etwas Pfeffer und gemischten Nüssen den Fasseinfluss.  

Finish
Karamell und Früchte bleiben nur kurz, eine zartherbe Schokolade und etwas Kaffee bleiben mittellang. 

Fazit
Gefällt mir gut! Der Madeiraeinfluss ist sehr deutlich, ich liebe im Allgemeinen die tollen Fruchtnoten, die diese Süßweinfässer in den Whisky eintragen. Wie auch die anderen Teerenpeli Malts etwas zurückhaltend und sehr elegant. Preislich mit ca. 70€ für das Gebotene für mich etwas zu teuer, aber ein guter Malt!

Sonntag, 12. Juni 2016

#134: Port Charlotte Cask Exploration Valinch #08: Buain-Mhona








Wie habe ich mich auf diesen Whisky gefreut...! Ein 11 Jahre alter Port Charlotte, der seine gesamte Reifung in einem Rioja Rotweinfass verbrachte. Ein Rioja war auch mein Hochzeitswein. Dazu ziert mit Duncan McGillivray beim Torfstechen ein absolutes Laddie-Urgestein das Label.  


Farbe
Rostbraun mit rotem Einschlag

Nase
Süßer, sauberer, kräftiger - aber unaufdringlicher - Rauch. Wie man es an Port Charlotte kennt und schätzt. Kräftige Getreidenoten, geröstete Nüsse. Frisches Bauernbrot, wie es mein Großvater noch selbst im Holzofen gebacken hat. Die Kruste ist etwas angebrannt. Das Aroma hat darüber hinaus zwei Stadien: Zu Beginn findet sich der klassische "Port Charlotte Bauernhof" mit Stallgeruch, alten Kalksteinwänden, der Nadelwald neben dem Bauernhaus duftet ... Später dann tauchen auch süße, dunkle Fruchtnoten aus dem Weinfass auf. Da sind vollreife Äpfel, Brombeeren und Honig.

Geschmack
Ungeheuer kraftvoll und gleichzeitg samtig, warm und angenehm. Knapp unter 60% Alkoholgehalt sind hier so perfekt eingebunden, die Menschen bei Bruichladdich sind Meister ihres Handwerks! Dunkle Schokolade ohne Bitterkeit, eingeweichte Haferflocken, gemahlene Mandeln und Walnüsse. Es finden sich kaum bis garkeine Fruchtnoten. Der wundervolle warm-würzige Geschmack kommt dafür ohne auch nur einen Anflug jeglicher Fehlnoten daher. Perfektion.

Finish
Ein sehr trockenes Mundgefühl stellt sich ein, der Mund scheint wie von aromatischem Zedernholzstaub ausgekleidet. Geröstete Nüsse und Holzrauch mischen sich darunter. In weiter Ferne finden sich gegrillte, rote Früchte und ganz wenig Karamell. Es dominiert die Kraft des Eichenfasses, das in 10 Jahren milden Pfeffer, Espresso und viel Holzigkeit eingetragen hat, ohne jedoch Bitterkeit zu bringen. Der perfekt eingebundene doch sehr präsente Rauch sorgt für einen schier endlosen Abgang

Fazit
Ein Erlebnis! Der süße, typische Port Charlotte Rauch ist so perfekt verwoben, dass man gar nicht das Gefühl hat, hier einen stark rauchigen Whisky im Glas zu haben. Das Weinfass ist ein Stück weit atypisch, es fehlen Säure und die typische Bitterkeit aus den europäischen Weinfässern, was diesem Malt aber sehr zum Vorteil gereicht. Ein Gedicht, so angenehme Holznoten findet man nur selten. Wie als säße man im Winter in einer gut beheizten Bauernstube...

Donnerstag, 9. Juni 2016

#133: Teerenpeli Rasi - Single Malt from Finland


Immer mal wieder habe ich die Gelegenheit, Whisky von außerhalb Schottlands zu probieren. Zum Beispiel aus Deutschland, Taiwan oder der Schweiz kommen inzwischen feste Größen. Doch Teerenpeli aus Finnland? Das mal was ganzt neues! Die Brennerei wurde 2002 eröffnet und befindet sich in privater Hand. Es wird finnisches Gerstenmalz verwendet. Heute beginne ich mit dem "Rasi", der in Muskateller-Weinfässern gefinisht wurde. Zwei weitere Abfüllungen, Kaski und Karhi, folgen in den nächsten Tagen.
Danke an Kirsch Whisky Import für die Probe und das Foto!


Farbe
Mais

Nase
Etwas zurückhaltend und dezent präsentiert sich das Aroma im Glas. Ich finde rote Äpfel, etwas Erdbeere und Walnüsse. Süße Vanillecreme umspielt eine zarte Erdigkeit. Eine etwas saure Note, wie ein feiner Essig, ist vorhanden, integriert sich aber mit zunehmender Zeit im Glas ins Gesamtbild.

Geschmack
Weich und angenehm im Mund. Wieder rote Äpfel, diesmal warm und mit Vanillesauce. Rosinen, helle Milchschokolade.Die Eiche hat einen Hauch Würze eingetragen, die an Walnüsse erinnert.

Finish
Für die sehr dezente Nase fällt das Finish sehr lang aus. Jetzt übernehmen trockene Holztöne die Führung. Starke Eichenwürze mit mehr als nur einer Tendenz zur Bitterkeit. Wie ein mit Karamell aromatisierter Espresso. Nespresso Caramelito.

Fazit
Nicht überaus komplex, aber doch durchaus erfreulich. Ein schöner Spannungsbogen von dezentem Aroma bis zur kräftigen Trockenheit im Abgang. Ich hätte mir von einem Finish in Moscatel-Weinfässern mehr Frucht und Weinigkeit gewünscht.

Dienstag, 7. Juni 2016

#132: Fettercairn 2006 - 2016 // Best Dram






Heute probiere ich meinen ersten Fettercairn. Über die Brennerei musste ich die Google befragen... Interessant ist, dass sie nach Glenlivet die zweite lizensierte Brennerei in Schottland ist. Fettercairn wird in den Blends von Whyte and Mackay verwendet. 
Ich danke dem Brühler Whiskyhaus für die Probe und das Foto!

Farbe
Mais

Nase
Viel Vanille und Marzipan, dicht gefolgt von einer vollen Breitseite süßer, heller Früchte. Während man zunächst an Aprikosen und Pfirsiche denkt, wird schnell klar, hier sind nicht die klassischen Früchte vertreten, die man sonst in 1st Fill Bourbon gereiften Malts findet, hier wird es richtig tropisch. Wassermelone, Ananas, parfümartige Guave und karamellisierter Zucker mit einem Löffel Honig garniert. Später lässt sich eine dezente Fruchtsäure vernehmen, ich denke dabei an Litschis.

Geschmack
Der erste Antritt ist sehr süß mit Hagelzucker, Karamell und den aus der Nase bekannten tropischen Fruchtnoten. Nach einigen Momenten wird er trockener und bringt einige grasige Noten mit. Der Akohol verleiht Kraft, es prickelt mit etwas Pfeffer und Tanninen auf der Zungenspitze.  

Finish
Im mittellangen Abgang übernimmt zum ersten Mal die würzige Facette die Führung. Während im Hintergrund Vanillecreme und zarte Fruchtnoten tanzen, spielt im Vordergrund die amerikanische Weißeiche mit Holznoten, Pfeffer und Zimt ihre Stärken aus. Insgesamt bleibt der Abgang aber auf der weichen, angenehmen Seite.

Fazit
Ein Kandidat für den Sommerwhisky 2016! Eine solch tropisch-fruchtige Nase findet man nicht oft! Neben intensiven Vanille, Karamell und Zitrusaromen, wie man sie von 1st Fill Bourbon Casks kennt, ist das eine echte Freude. Im Geschmack nicht mehr ganz so tropisch, dafür gerade recht eingängig für einen lauen Sommerabend, an dem man nicht auf einen guten Malt verzichten mag. Preis/Leistung stimmt hier zudem aus meiner Sicht absolut.

Sonntag, 5. Juni 2016

#131: Bruichladdich Crew Valinch #20 for Duncan 'The Budgie' MacFadyen (1989 - Guigal Condrieu Finish)

  • Brennerei: Bruichladdich
  • Fasstyp: Bourbon & Guigal Condrieu Cask Matured
  • Jahrgang: 1989 (Abgefüllt in 2016 mit 26 Jahren Alter)
  • Abfüllung: Distillery Only, Crew Valinch #20 for Duncan 'The Budgie' MacFadyen (Senior Stillman)
  • Alkoholstärke: 50,6% ABV
  • Whiskybase: https://www.whiskybase.com/whisky/81429/bruichladdich-1989





Und wieder habe ich das Glück, einen Crew Valinch von Bruichladdich probieren zu dürfen. Diesmal die Nummer 20, gewidmet dem langjährigen Senior Stillman Duncan MadFadyen - besser bekannt als "The Budgie". Mit 26 Jahren einer der ältesten Crew Valinches überhaupt. Die Nummer 21 ist zum Beispiel inzwischen aus dem Jahre 2003.
Ich danke meine Freund Folkert Eilts für das Foto.



Farbe
Rostbraun

Nase
Sehr schwere Noten von Weinbrand dominieren die Nase. Mit dieser Spirituose habe ich nur wenig Erfahrungen, daher fällt es schwer, diesen spezifischer zuzuordnen. Später Sandelholz, Lavendel, etwas blumiges Parfum. Wenn die Nase zu dicht ans Glas gehalten wird, beißt der Alkohol erstaunlich kräftig zu, ungewohnt für einen Bruichladdich - und erst recht für einen so alten. Mit Zeit, Wärme und ein paar Tropfen Wasser lassen sich doch noch etwas Vanille und zurückhaltende Fruchnoten entlocken. Ich finde Bratapfel mit Zimt und Erdbeermarmelade, eingekocht mit einem ordentlichen Schuss Cognac.

Geschmack
Sehr süß, buttrig und mild, den Alkohol spürt man jetzt im Gegensatz zur Nase kaum. Weingummi, Zimtzucker und eine Weinnote, die sich nicht recht zuordnen lassen mag. Jetzt kein Weinbrand mehr, eher wie ein halbtrockener, etwas wässriger kalifornischer Rotwein. Bevor der Abgang einsetzt etwas Pfeffer und etwas Mineralität.

Finish
Kurz und zart fruchtig mit Karamellsüße und etwas Eichenwürze, wie ganz leichter Kaffee. Eine Idee von Bitterkeit glimmt zusammen mit einer neuerlichen Assoziation an Weinbrand hinten am Rachen auf, kurz bevor der Malt ganz verschwindet. Das ging aber schnell...
Mit der Zugabe von Wasser gewinnt das Finish deutlich an Länge und Intensität. Rote Früchte in Karamellsauce verweilen dann doch relativ lang im Mund - das rettet so einiges!

Fazit
Für Fans von Weinbrand sicher ein wahres Fest, bisher hat mich noch kein Whisky, selbst wenn er tatsächlich aus Eau-de-Vie-Fässern kam, so an Weinbrand erinnert. Insgesamt leider für einen so alten Malt etwas undefiniert, wenngleich süß, schmackhaft und angenehm. Ich tue mich damit etwas schwer, bei 26 Jahren und einem Guigal-Condrieu Finish ist man bei Laddie anderes gewohnt. Insgesamt habe ich ein Gefühl, das ich auch oft bei Rotweinen aus Kalifornien habe: Irgendetwas fehlt. Eine angenehme Nase, guter aber etwas undefinierter Geschmack - und nach 1-2 Schlucken habe ich genug.

Donnerstag, 2. Juni 2016

#130: Kavalan Solist Peaty Cask - Cask R070514069




Heute habe ich eine spannende Neuerscheinung im Glas! Die Kavalan Brennerei aus Taiwan hat diesen Whisky in Fässern gereift, in denen zuvor rauchiger Single Malt von der Insel Islay reifte. Es ist nicht das erste Mal, dass ein solches Experiment gemacht wird, daher weiß ich: Der Raucheinfluss hält sich hier in Grenzen, aber es findet doch ein interessanter Übertrag in das Destillat statt. 
Ich danke der King Car Germany GmbH für die Probe und dem Brühler Whiskyhaus für das Foto!


Farbe
Bernstein

Nase
Wundervoll tropisch, süß und komplex. Vollreife Kiwi, Mangocreme, Honigmelone mit geräuchertem Schinken und ein etwas wachsiger Eindruck. Später erinnert er an meine geliebten Kinder-Hustenbonbons... mit schwarzer Johannisbeere und Wildkirsche. Vom Räucherschinken abgesehen kein Rauch, vielmehr eine Würzigkeit. Der Alkohol ist spürbar, wenn man die Nase zu forsch ins Glas hält

Geschmack
Kraftvoll, intensiv und stark auf der Zunge. Chiliöl, Pfeffer, und jetzt kommt auch die Rauchigkeit auf der Zunge zum Vorschein. Mineralische Rauchigkeit mit wachsiger Fruchtigkeit. Mango, Honigmelone und etwas Karamell. Mit Wasser weniger intensiv und fruchtiger. 
 
Finish 
Lang und süß, getragen von der Assoziation an mineralischen Rauch. Süße Vanille, Toffee und zartbittere Eichentöne am Gaumen. Die süßen Mangos, Honigmelonen bleiben, erscheinen aber weiterhin mit Wachs überzogen.

Fazit
Wow, das ist echt ein Erlebnis. Die tropische Frische von Kavalan und die Mineralität und das Meer von Islay. Ich tippe auf ein 2nd Fill Bourbonfass, in dem zuvor ein Bowmore lagerte. So finde ich Parallelen zum 12-jährigen von Bowmore, aber mit viel mehr Kraft, Komplexität und Intensität. Kein Malt für jeden Tag, aber den Kauf mehr als wert. Die Kavalan Solist unterscheiden sich von Fass zu Fass extrem, ich hoffe dass hier mehr vermutlich ehemalige Bowmorefässer gekauft wurden und die anderen Fässer genauso ausfallen!