Dienstag, 31. Mai 2016

#129: BenRiach Cask Strength - Batch 1



BenRiach und GlenDronach haben haben viele Gemeinsamkeiten. So gehören beide zur BenRiach Distilling Company Ltd, zu der auch Glenglassaugh gehört. Der Master Distiller Billy Walker ist für alle drei Brennereien verantwortlich. Während bei GlenDronach schon seit Jahren eine "Cask Strength" Edition ohne Alterangabe zum Kernportfolio gehört, wurde eine solche Abfüllung bei BenRiach erst im ersten Quartal 2016 eingeführt. Die erste Inkarnation teste ich heute.


Farbe
Golden

Nase
Süß und sehr fruchtig. Pfirsich, Birne, Honigmelone und eine Menge Vanillecreme. Malzige Getreidenoten steigen auf und verbinden sich mit der Süße, was mich ein wenig an Kinder Country erinnert. Jaja, das mit den Cerealien... Der Alkohol ist schon deutlich spürbar und weht mit ordentlicher Frische von Menthol in die Nase, wenn man sich zu schnell nähert. Mit etwas Wasser wird er floral, frisch gemähtes Gras und Kräuter steigen auf. Etwas Hefe umrahmt das Ganze.

Geschmack
Süßer, dickflüssiger Honig, Birnenkompott, Pfirsichmarmelade und bittere Orangenzesten. Malzbonbons und Vanillepudding. Wenige Sekunden später kommt eine gewaltige Würze auf. Verschiedene Bitternoten erstarken: Kräuter, Walnussschale, Kaffee, schwarzer Tee. Dagegen haben die süßen und angenehmen Noten leider nur wenig Chancen. Erinnert mich ein wenig an den 25yo Authenticus, der hat ähnliche bittere Kräuternoten, diese sind nach der langen Reifung aber besser integriert und gefälliger.

Finish
Sehr lang für einen nichtrauchigen Whisky. Während zu Beginn die Bitterkeit und Holzigkeit überwiegt, macht diese nach und nach wieder Platz für die gefälligen Aromen. Apfelmus mit Honig, Vanillekipferl, vielleicht sogar ein Hauch Kokosnuss.

Fazit
Eine super Nase mit viel Dynamik, sofort mit der typischen BenRiach Kräuternote zu erkennen und große Komplexität mit Wasser. Leider verhagelt zu für mich zu extrem geratene Bitterkeit im Geschmack und Abgang ein wenig den Gesamteindruck. Ein paar Jahre mehr hätten halt doch gut getan. 

Sonntag, 29. Mai 2016

#128: Bruichladdich 2002 - Malts Of Scotland Warehouse Diamond



Endlich mal wieder ein Bruichladdich im Blog! Und nicht irgendeiner, sondern ein teilweise schon als legendär beschriebener, sehr seltener Tropfen. Abgefüllt vom deutschen unabhängigen Abfüller Malts Of Scotland aus Paderborn ziert ein Diamant das Label. Die "Warehouse Diamond" Range behält man sich bei MoS für ganz besondere Fässer vor. Zuletzt z.B. ein Port Ellen.
Dieser Whisky wurde mir von meinem Freund Christian wärmstens empfohlen und es hat lange gedauert, bis ich eine Flasche davon in Händen hielt. Wir öffneten sie dann anlässlich der Geburt seiner Tochter, ein würdiger Anlass. :)


Farbe
Tiefes Kupfer

Nase
Unheimlich süß und intensiv. Gezuckerte Dampfnudel mit Vanillesauce, Sahnekaramell, Honig, Butterkekse und bunt gemischte Gummibärchen. Mehr kommt erstmal nicht. Mit der Zeit erhebt sich eine fruchtige Frische über die extreme Süße und bringt Aprikosen, Papaya und auch Pfefferminze ins Spiel. Eine hintergründige aber würzige Eiche lässt erahnen, dass sie auf der Zunge sehr deutlich zu finden sein wird. Die Zugabe von Wasser verändert die Eindrücke quasi überhaupt nicht, nur die frische Minze scheint zuzunehmen.

Geschmack
Ölig, scharf und süß zugleich! Einerseits typisch Bruichladdich mit süßem Gebäck, Zitrusfrüchten und dem seidigen Mundgefühl. Andererseits kommt jetzt die Eichenwürze mit voller Breitseite und bringt Ingwer, Chilischärfe und viel krautige und bittere Holztöne. Die dunkler Honig, Karamell und Vanille sind immer noch stark, das Holz gewinnt aber nach und nach die Oberhand.  

Finish
Mittellang. Die Süße und die Früchte verschwinden und es dominiert die Eiche. Kaffee, Bitterschokolade, Ingwer und Kräuter. Am Gaumen entsteht eine etwas pelzige Schicht, die an hochwertigen und sehr intensiven Kakao erinnert. 

Fazit
Hier regieren die Gegensätze. Die Nase ist ein Fest für jeden, der auf Süßigkeiten und richtig viel Karamell steht. Der Süsswein vom weltberühmten Château D'Yquem ist allgegenwärtig. Im Mund und Finish zeigt sich dann, welch intensive Aromen aktives Eichenholz in 11 Jahren eintragen kann. Eine längere Reifezeit wäre hier definitiv abträglich gewesen. So ist es ein guter Malt, der Gegensätze in sich vereint und zu faszinieren weiß. Nichts für jeden Tag, aber wenns passt ein Genuss. 

Donnerstag, 26. Mai 2016

#127: Kilchoman Sanaig - 2016




Kilchoman macht vieles richtig, richtig gut. Zum Beispiel hat man dort durch gutes Fassmanagement schon zahlreiche sehr junge, aber enorm gute Abfüllungen auf den Markt gebracht. Ein Beispiel dafür ist der Kilchoman 2011 Madeira Cask.
Der Sanaig gehört zur Core Range der Brennerei und trägt den Namen einer Felsformation im Nordwesten der Brennerei auf der Insel Islay.

Vielen Dank an das Brühler Whiskyhaus für die Probe und das Foto.


Farbe
Dunkler Mais

Nase
Starker Rauch, auf seine eigene Art typisch für Kilchoman. Einerseits erdig, phenolisch mit Verbandskasten und Krankenhaus, andererseits aber mit viel eingeweichtem Getreide und Malz. Als würde man mitten auf dem Malzboden stehen, wenn das Getreide gerade mit frischem Torfrauch gedarrt wird, aber noch seinen feuchten Geruch verströmt. Oregano. Dahinter finden sich helle, zitruslastige Früchte. Ananas, Grapefruit und später auch einige wenige dunkle Beeren und Schokolade aus den Sherryfässern. 

Geschmack
Intensive Rauchigkeit und ein angenehmes Mundgefühl. Neben dem Rauch finden sich Grapefruit, Zitronenbonbons und geräucherter Fisch. Eine pfeffrige Schärfe kitzelt am Gaumen, der Alkohol ist gut eingebunden und erst spät spürbar.

Finish
Lang und getragen vom Rauch. Zigarrentabak, Asche und Espressobohnen in Bitterschokolade. Doch auch hier zeigt sich der ausgewogene Charakter von Kilchoman, es kommt noch süßes Karamell und Malzzucker zum Vorschein.

Fazit
Mal wieder ein für sein junges Alter (Es werden dem Vernehmen nach hauptsächlich 4 bis 5-jährige Whiskys verwendet) beeindruckend reifer Malt von Kilchoman. Der intensive Rauch gefällt und deckt aber die anderen Facetten nicht zu. Die beigemischten Sherryfässer könnten sich im Aroma intensiver einbringen, im Mund und im Finish sind sie aber absolut präsent.

Dienstag, 24. Mai 2016

#126: Highland Park 1999 - Bourbon Barrel - Signatory Vintage Cask Strength Edition




Heute bin ich wieder bei einer meiner absoluten Lieblingsbrennereien: Highland Park von den Orkney Inseln. In den letzten Monaten war die Brennerei aufgrund ihrer Preis- und Marketingpolitik in aller Munde. Glücklicherweise findet man immer noch relativ leicht unabhängig abgefüllte Highland Park. Insbesondere mit Bourbon-Casks harmoniert der Brennereicharakter aus meiner Sicht ganz hervorragend.
Ich danke dem deutschen Importeur für Signatory Vintage, Kirsch Import, für die Probe und das Foto!



Farbe
Helles Stroh

Nase
Frische Minze, Limettensaft, gesalzenes Karamell und Vanille. Darüber schweben Heidekraut, verbrannte Kräuter und dezenter Rauch. Highland Park aus Bourbon-Fässern hat einfach einen ganz bestimmten Charakter, und der wird auch hier voll getroffen.
Mit etwas Wasser erstarken gleichzeitig die Früchte, es bleibt im Bereich der tropischen Zitrusfrüchte mit Ananas und Kiwi. Andererseits wird er mit Kalkstein und etwas Salz auch maritimer.


Geschmack
Intensiv mit scharfem Pfeffer, Ingwer und sofort kräftiger Eichenwürze. Dazu Honig und getrocknete Aprikosen, Mangos und Bananen. Der Rauch ist auch hier präsent, aber zurückhaltend und verbindet sich mit bitteren Kräuternoten zu einer Hommage an die Orkney Inseln.

Finish
Mittellang und getragen von langsam verblassendem Rauch. Etwas Asche und weiterhin mit Heidekraut und anderen zartbitteren Kräutern. Dabei bleibt er immer cremig und angenehm, auch das Karamell und die Vanille flackern immer wieder auf. Ein entfernter Anflug von Trockenfrüchten bleibt zurück, die Fruchtigkeit hätte ruhig länger bleiben können.

Fazit
Wenn man Highland Park aus einem Ex-Bourbon-Fass kauft, weiß man, was man hat. Dieser verlässliche fruchtig-herbale Stil mit dem Rauch, der immer das "gewisse Etwas" hat, ist für mich einfach klasse. Für ein Spitzenfass dürften die Früchte noch intensiver sein, hier überwiegt die Würze aus dem Fass.

Sonntag, 22. Mai 2016

#125: Glenmorangie Quarter Century - 25 Jahre



Heute geht es weiter mit meiner Miniserie zu 25-jährigen Whiskys. Ich freue mich ganz besonders auf den Glenmorangie Quarter Century. Die Brennerei polarisiert bei mir relativ stark: Mal sind echte Granaten dabei wie z.B. Companta und Milsean aus der Private Edition. Andererseits überzeugen mich die neueren NAS Abfüllungen für den Travel Retail weniger.
Umso lobenswerter dass auch bei der modernen Politik ein 25 Jahre alter Malt erhältlich ist! Auch die verwendete Fasskombination ist sehr spannend... Dr. Bill hat schon so oft ein gutes Händchen mit Fässern bewiesen. Mal sehen was mich hier erwartet.


Farbe
Tiefes Kupfer

Nase
Buttrig und sehr süß mit viel Honig. Die Fruchtigkeit verändert sich im Minutentakt im Glas, sehr komplex! Zuerst Erdbeere, Mango und Vanillemilchshake. Dann Trockenfrüchte, allen voran Aprikose. Darauf folgen frische, saure Früchte. Kiwi, Ananas, Stachelbeere. Über allem thront eine feine Nussigkeit. Hier kann man stundenlang Neues entdecken.

Geschmack
Weich und sämig, der Alkohol ist keineswegs zu spüren. Der Geschmack ist jetzt getrieben von getrockneten Aprikosen, Ananas, Datteln und leicht säuerlichen Weinnoten. Eine feine Holznote kommt auf und eine zurückhaltende, zartbittere Würze, wie ein starker Kaffee, der mit Milch gebändigt wurde.

Finish
Lang und angenehm, mit schmelzendem Karamell, Haselnüssen in Schokolade und wieder allerhand getrockneter Früchte. Die für 25 Jahre sehr dezente Würze aus den Fässern bringt immer wieder etwas Kaffee und sehr dezente Bitterkeit, bleibt aber immer elegant.

Fazit
Komplex, elegant, gefällig und wunderbar fruchtig. Besonders die dynamische Nase die von frischen säuerlichen Früchten bis hin zu voll oxidierten Trockenfrüchten alles bietet, weiß zu begeistern. Der wahrlich beste Glenmorangie, den ich bisher probieren durfte. Wenn diesem Whisky etwas fehlt, dann sind es Ecken und Kanten. Muss die aber jeder Malt haben? Ich finde: Nein.

Donnerstag, 19. Mai 2016

#124: Michel Couvreur - Candid




Der Wein- und Spirituosenhändler Michel Couvrer aus dem Burgund ist mehr als "nur" ein unabhängiger Abfüller. Man kauft schottisches Destillat verschiedener, nicht näher genannter, Brennereien und reift sie in besonders hochwertigen und alten Sherryfässern. Dies passiert in einem alten Weinkeller im Burgund. Dies hat zur Folge, dass sich der Whisky nicht mehr Scotch nennen darf. Super spannend!
Mehr erfahrt ihr auf der Seite des Brühler Whiskyhauses - dort kann man auch die meisten Abfüllungen kaufen: http://www.whiskyhaus.de/michel-couvreur-whisky


Ich danke Marco Bonn vom Brühler Whiskyhaus für die Probe und das Foto!


Farbe
Helle Kastanie

Nase
Schwer und stark mit etwas Schwefel im ersten Antritt, der erst mit viel Zeit im Glas gänzlich verschwindet. Überreifer Apfel, Rosinen, mit Kirschwasser getränkte Schwarzwälder Kirschtorte. Später erstarkt Orange. Intensive Gewürze, einmal quer durch das Gewürzregal. Es fällt schwer, einzelne Gewürze zu identifizieren. Mit dabei sind auf jeden Fall Zimt, Pfeffer, Muskatnuss und auch einige Kräuter. 

Geschmack
Ölig, süß und wieder schwer auf der Zunge. Nachdem das Aroma stellenweise etwas ruppig ausfällt, überrascht er mit einer sehr angenehmen Sanftheit, lässt aber keinen Zweifel an der Kraft der 49% und der Eichenfässer. Orangenmarmelade, Espresso, dunkle Beeren und jede Menge Eichenwürze. Auf der Zungenspitze prickelt mit pfeffriger Schärfe der Alkohol. Das Fass ist so stark und würzig, dass ich eine starke Assoziation an Rauch habe. Wer weiß, welcher Malt hier gereift wurde, vielleicht ist ja ein rauchiger Anteil dabei? Oder die europäische Eiche hat hier nur extrem gearbeitet.

Finish
Im langen Abgang verabschiedet sich die Süße und macht Platz für eine große und angenehme Trockenheit. Walnüsse, schwarzer Tee, bunter Pfeffer und verbranntes Karamell. Aus den Orangen ist jetzt englische Marmelade gekocht worden, die die typische Bitternote aufweist. Auch hier flackert immer wieder die Assoziation an mineralischen Rauch auf. 

Fazit
Ich wüsste ja zugerne, welche Brennerei hier für den Whisky verantwortlich ist. Ich persönlich bin der Meinung, dass ein Rauchanteil vorhanden ist, wenngleich er in der Nase nicht spürbar ist. Ein schwerer, vom Sherryfass getragener Malt, der klar auf der würzigen und trockenen Seite steht, dabei aber die Süße nicht ganz vernachlässigt. Gefällt mir gut, insgesamt kommt er aber für meinen Geschmack mit etwas zu wenig Eleganz und zu ruppig daher.

Dienstag, 17. Mai 2016

#123: Mortlach 1997 - Hogsheads 7174 + 7175 - Signatory Vintage, The Unchillfiltered Collection

  • Brennerei: Mortlach
  • Fasstyp: Hogsheads 7174 + 7175
  • Abfüller: Signatory Vintage, The Unchillfiltered Collection
  • Jahrgang: 1997 (Abgefüllt in 2015 mit 17 Jahren Alter)
  • Alkoholstärke: 46,0% ABV
  • Whiskybase: https://www.whiskybase.com/whisky/67811/1997-sv


Die Unchillfiltered Collection des unabhängigen Abfüllers Signatory Vintage steht für meist richtig gute Whiskys zum wirklich attraktiven Preis. Auch das Fehlen der Kühlfiltrierung und die damit einher gehende Trinkstärke von 46,0% ist sehr schön! Heute fließt ein Mortlach, der in zwei Hogsheads 17 Jahre gereift wurde, in mein Glas. Insbesondere ob der aktuellen Preispolitik bei den eigenen Abfüllungen der Brennerei macht die Unabhängigen hier interessant.
Vielen Dank an Kirsch Import für die Probe und das Foto (Fasstnummern auf dem Foto weichen ab)!


Farbe
Helles Stroh

Nase
Gezuckerte Limetten, Zitronenschale, etwas milder Fruchtessig, Kalk und Mineralität. Soweit, so Mortlach. Alles irgendwie dreckig, aber auf eine angenehme Weise. Später erscheinen subtile tropische Früchte wie Ananas und Papaya. Ein wenig Vanillecreme ist auch dabei. Der dreckige und säuerliche Charakter ist stark, die Fruchtnoten werden davon dominiert. 

Geschmack
Honigkuchen, Getreide, Malzbonbons und sehr angenehm auf der Zunge. So dreckig der Mortlach sich in der Nase gab, so versöhnlich ist er im Geschmack. Apfelmost, Zitronenschale und milde Nussigkeit. Ganz hinten am Gaumen grüßt das Fass mit feiner Würze. 

Finish
Kurz und cremig mit typischen Bourbon-Hogshead Eigenschaften. Vanille, ein Anflug von Karamell und helle Früchte. Die kalkige Mineralität taucht wieder auf und setzt den Kontrapunkt zur Süsse.  

Fazit
Wer wissen will, was Mortlach besonders macht, das ist der Whisky dafür! Unverfälscht, ohne Nachreifung und aus einem klassischen Hogshead dominiert hier der wahre Charakter der Brennerei. Der Geschmack weiß nach einem etwas unzugänglichen Charakter in der Nase sehr zu überraschen. Ein solcher Whisky wird immer seltener. Ehrlich, geradlinig, ohne Experimente, mit Altersangabe und zu vernünftigen Preis. Solange es sowas noch gibt, müssen wir Genießer uns glücklich schätzen.

Sonntag, 15. Mai 2016

#122: Bruichladdich Crew Valinch 19 - Arlene MacFadyen (24 Jahre, Bourbon & Sauternes Cask Matured)




Bruichladdich Valinch + Sauternes + 24 Jahre... Eine Kombination die bei mir schon im Vorfeld wahre Begeisterung auslöst. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich die Flasche tatsächlich in Händen hielt, aber das Warten hat sich gelohnt. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sich hinter dem auf der Flasche genannten "Sauternes Cask" ein Fass des legendären Chateau D'Yquem verbirgt.


Farbe
Altes Gold

Nase
Süß und frisch mit malzigen Getreidenoten und frischem Vanillegebäck. Soweit typisch Bruichladdich. Besonders finde ich, dass sowohl die initiale Reifung im Ex-Bourbon Fass, als auch die Nachreifung im Sauternesfass sehr differenziert wahrnehmbar ist. Vom Bourbonfass kommen Vanille, Honigsüße, Karamell, Ananas und Mango. Später kommt cremig wirkende und sehr süße Weinnote dazu, der Sauternes ist da. Grüner Apfel, Honigmelone und karamellisierter Zucker. Dahinter liegt, gut kaschiert aber unübersehbar eine überraschend kräftige Würze von Pfeffer und spürbarem Alkoholeinfluss. Mit etwas Wasser wird er noch süßer, milder und die Würze geht zurück. Die Aromen werden ergänzt durch Apfelringe (Haribo!) und Toffifee. 

Geschmack
Weich und zunächst zurückhaltend dominieren zunächst Karamell, helle Fruchtnoten und etwas Vanillegebäck. Die bei Bruichladdich oft sehr ausgeprägte "Öligkeit" im Mund will sich nicht so recht einstellen. Nach einigen Momenten auf der Zunge wird es pfeffrig scharf und sehr intensiv. Wow, das kommt unerwartet und erinnert fast ein wenig an Talisker. Mit Wasser geht die Schärfe zurück und er wird cremiger und weicher, auch die vermisste Öligkeit im Mund ist dann ein Stück weit vorhanden

Finish
Wenn der scharfe Antritt auf der Zunge verfliegt, beginnt der mittellange Abgang. Zunächst mit sanften Kaffeenoten und feiner Bitterkeit, die nach einigen Jahren in einem Weinfass zum guten Ton gehört. Dann tauchen wieder die Früchte auf: Honigmelone, Apfelmus, getrocknete Aprikosen und Mangos. Zum Ende des Abgangs wird er wieder trockener.

Fazit
Ein sehr gelungenes Single Cask aus der Crew Valinch Serie von Bruichladdich! Für eine so lange Nachreifung im Süßweinfass fallen einige Facetten überraschend trocken aus und die Fruchtigkeit ist nicht so deutlich wie bei anderen Bruichladdich aus Sauternesfässern. Dennoch unverkennbar und für mich als Freund von (Nach-)reifungen in diesen Fässern ein Genuss. Mit einem Schuss Wasser gefällt er mir, ungewöhnlicherweise für mich, am besten.

Mittwoch, 11. Mai 2016

#121: Johnnie Walker Green Label 15 Jahre (2016)



Heute komme ich endlich zur 2016er Neuauflage des Johnnie Walker Green Label 15 Jahre.
Bei diesem Whisky ist so einiges untypisch oder besonders für einen Johnnie Walker. Der wichtigste Punkt ist, dass es sich hierbei um einen Blende Malt Whisky handelt. Das bedeutet es wurden nur Malt Whiskys verschiedener Brennereien verwendet, nicht wie sonst üblich auch Grain Whisky. Auch die Altersangabe mit mind. 15 Jahren ist sehr erfreulich! Als diese neue Iteration des Green Label Anfang 2016 auf dem Markt kam, entbrannte ein regelrechter Run auf die Flaschen. Schließlich ist die Papierform für einen Preis von um 30€ sehr überzeugend.


Farbe
Kupfer

Nase
Etwas kalter Rauch, süßes Malz, Karamell und dezente Fruchtigkeit. Orangen, aufgeriebener roter Apfel und Nelken. Mit der Zeit kommt eine trockene Holzigkeit hervor, wie frisch gesägte Sägespäne. Etwas Pfeffer vom Talisker ist auch da. Die Nase ist nicht überaus komplex, aber sehr gut abgestimmt und angenehm.

Geschmack
Wieder eine große Malzigkeit, Vanille und Karamell umspannen eine feine Süße vom Sherry. Rosinen, rote Äpfel und deutlicher Pfeffer. Recht plötzlich taucht ein etwas zu bitterer Espresso auf.

Finish
Frisch geschnittene Kräuter, der Rauch ist jetzt etwas deutlicher zu spüren. Sahnekaramell und Orangen geben sich die Ehre und begleiten den mittellangen Abgang.

Fazit
... nicht übel! Ich habe nicht viel erwartet und wurde tatsächlich überrascht! Das Fehlen von Grain-Whisky hebt diesen Blend auf ein wirklich gutes Niveau. Sehr ausbalanciert und doch recht komplex mit einem deutlich spürbaren Rauchanteil. Der braucht sich vor vielen Single Malts bis 50 EUR absolut nicht zu verstecken. Würde ich nachkaufen? Ja!

Sonntag, 8. Mai 2016

#120: The Glenlivet XXV 25 Jahre

  • Brennerei: The Glenlivet
  • Fasstyp: 1st Fill Oloroso Sherry Cask Finish
  • Alter: 25 Jahre
  • Alkoholstärke: 43% ABV
  • Whiskybase: https://www.whiskybase.com/whisky/4207/glenlivet-xxv



Und weiter geht es mit einem weiteren 25-jährigen Malt. Heute der The Glenlivet XXV - eine Brennerei die mit ihrem in extrem hoher Stückzahl verkauften 12-Jährigen unter den Genießern einen eher durchschnittlichen Ruf genießt. Während auch ich mich mit dem 12er nur teilweise identifizieren kann, sieht es ab dem 18er ganz ander aus. So bin ich gespannt auf diese 25 Jahre alte Abfüllung, die in einer wunderschönen Holzkiste und in einer extrem wertigen Aufmachung und Flasche daherkommt. Das Auge trinkt eben mit... ;-)


Farbe
Helle Kastanie

Nase
Intensive Saftorangen, für mich eines der Markenzeichen von The Glenlivet, bestimmen den ersten Eindruck. Tiefer, intensiver Sherry mit allen was dazu gehört: Rosinen, dunkle Beeren, Rohrzucker. Dazu Zimt, brauner Tequila, Mandeln und Nüsse in Marzipan. In einiger Entfernung nehme ich eine minzige Frische wahr, wie sie für einen so alten Whisky untypisch ist.

Geschmack
Weiches und ausgewogenes Mundgefühl. Der Alkohol ist nach 25 Jahren und mit seinen 43% so gut eingebunden, dass er quasi nicht mehr zu spüren ist. Milchschokolade, Karamell, Vanille und ein ganzes Potpourri an Früchten, die wieder von einer sehr saftigen Orange angeführt werden. Gegen Ende findet sich eine sanfte Pfeffernote.

Finish
Erst im mittellangen und sehr harmonischen Abgang finden sich erste Anzeichen von Eichenwürze. Der war doch 25 Jahre im Fass, da müsste mehr kommen. Zartbitterschokolade, leichter Espresso, Walnüsse, Pfeffer und wieder Zimt. Die Orange ist auch noch mit von der Partie, jetzt ist aber eher die geriebene Schale spürbar. Die süßen Sherryfrüchte sind weiter hinten auch da, der Gesamteindruck ist aber eher trocken.

Fazit
Hier stimmt alles, eine komplexe Nase, typische Sherryaromen, der Hausstil (Orange) ist gewahrt und auch etwas Eichenfracht kommt zum Schluss. Dennoch "fehlt" ihm etwas, mir ist er zu glatt, zu typisch, es fehlt ein "Wow!". So bleibt er ein super gemachter Whisky, der den meisten Genießern schmecken dürfte. Für das Geld bekommt man aber anderswo aus meiner Sicht definitiv ein "Wow!".

Mittwoch, 4. Mai 2016

#119: Balblair 1996 - Gordon & MacPhail exklusive for Germany


  • Brennerei: Balblair
  • Fasstyp: Refill Bourbon Barrel
  • Jahrgang: 1996 (Abgefüllt in 2016 mit 19 Jahren Alter)
  • Abfüller: Gordon & MacPhail - exklusiv für Deutschland
  • Alkoholstärke: 45,4% ABV
  • Whiskybase: https://www.whiskybase.com/whisky/79448/1996-gm


Heute steht eine interessante Verkostung an. Einerseits ist mir Balblair in den letzten Jahren immer wieder durch hohe Qualität und einen sehr eigenständigen Brennereicharakter bzw -stil positiv aufgefallen. Andererseits haben Gordon & MacPhail und deren Vertriebspartner Kirsch Import bei der Auswahl der Exclusive Abfüllungen für Deutschland schon in der Vergangenheit in gutes Händchen bewiesen.


Farbe
Fahles Gold

Nase
Eine frische, duftende Blumenwiese im Sommer. Der Brennereicharakter hat leichtes Spiel mit den zurückhaltende Aromen des Refill-Ex-Bourbon Fasses. Trauben, Aprikosen, Limetten und etwas Ananas. Über allem liegt ein floraler Grundcharakter, der mich an die beschriebene Blumenwiese erinnert.

Geschmack
Süß und leicht mit Honig, Vanille und ganz entferntem Karamell. Es überwiegen die Zitrusfrüchte auf der Zunge: Ananassaft, Limettenschale und ein Spritzer Zitrone. Das Fass bringt schwarzen Pfeffer und etwas Zimtzucker zum Ende hin.

Finish
Mittellang und cremig mit Vanillezucker und Karamellpudding. Die süßen Zitrusfrüchte verklingen langsam und es bleibt die Süße aus dem Ex-Bourbon-Fass zusammen mit einer zarten Gewürznote auf der Zunge.

Fazit
Ein sehr runder, gefälliger und angenehmer Whisky. Er leistet sich keinerlei Schwächen und weiß insbesondere mit der für Balblair typischen Blumenwiese und den schön definierten Zitrusfrüchten zu gefallen.

Montag, 2. Mai 2016

#118: Highland Park 30 Jahre 45,7% ABV





Es gibt Tage, die schreien nach einem besonderen Tropfen. Meine Hochzeit am 30.04.2016 war ein solcher. Schon Monate im Vorfeld habe ich überlegt, welcher Whisky diesem Anlass würdig sein könnte. Es ergab sich dann die Chance, eine Flasche des Highland Park 30 Jahre zu erwerben. Dieser Whisky wird von nun an zu jedem Hochzeitstag genossen und wird mich so viele Jahre, also bis er leer ist, an diesen wundervollen Tag erinnern.
Die gekaufte Flasche ist die noch intensivere, früher abgefüllte, Version mit 48,1% ABV. Die heutigen Notes beziehen sich aber auf ein Sample der 45,7% Version.


Farbe
Tiefes Kupfer

Nase
Unglaublich intensiv, komplex und dicht verwoben. Wow. Noch bevor das Gehirn in der Lage ist, einzelne Facetten klar zu benennen ist bereits klar: Das ist ein Spitzenwhisky. Am deutlichsten ist eine intensive Orange. Nicht die herbe Schale, sondern saftige, reichhaltige Saftorange. Dazu gebrannte Mandeln, Marzipan, Milchschokolade. Mit zunehmender Zeit im Glas wird er immer süßer mit deinen Sherrynoten, Zuckerwatte und immer intensiveren Mandeln. In weiter ferne meine ich, einen letzten Rest von Rauch ausmachen zu können. In die Glut des Torfes wurden Bergkräuter, Fenchel und Heu geworfen.

Geschmack
Wenn die Nase komplex war, dann ist der Geschmack nicht von dieser Welt. In langsamen Wogen schiebt sich ein Aromenkomplex nach dem anderem durch den Mund, während der Whisky samtig und ölig auf der Zunge liegt. Wunderbare frische und saftige Orangen, Erdbeeren und Maracuja eröffnen, dicht gefolgt von dunkler Schokolade, Mandelsirup, süßer Balsamicocreme und braunem Zucker. Der Rauch ist im Mund deutlicher und äußert sich in angenehmen Röstaromen. Geröstete Orangenschale, schokolierte Kaffeebohnen, Espresso. Natürlich hat bei einem Whisky diesen Alters auch das Eichenholz seinen Platz. Ich schreibe der langen Lagerzeit die schwere Öligkeit zu, die dem Malt gegeben ist. Dazu eine Assoziation an Pfeffer und Zedernholz.

Abgang
Lang und sehr sehr angenehm. Die zahlreichen Aspekte aus Aroma und Geschmack tauchen immer wieder auf. Auch hier dominiert die Saftorangen mit Mandeln, Marzipan und einigen Nüssen. Die fantastische Länge im Abgang wird getragen von zarter Bitterkeit, jetzt merkt man die lange Lagerung richtig! Starker Espresso, Lakritz und schwarzer Tee.

Fazit
Für mich der beste Whisky meines bisherigen Lebens. Große Komplexität trifft auf schmeichelnde Weiche und dennoch hat er Kraft! Die noch dezent vorhandene Rauchigkeit mit ihren Kräuternoten drückt ihm unverwechselbar den Stempel von Highland Park auf. Damit werde ich jeden kommenden Hochzeitstag gebührend feiern - und so wird mich ein unvergesslicher Whisky an einen unvergesslichen Tag erinnern. Bis dass der Bottle-Kill uns scheidet...