Mittwoch, 27. April 2016

#117: Bowmore 25 Jahre - Small Batch Release



In den nächsten Wochen habe ich das Vergnügen, viele 25-jährige Whiskys vorstellen zu dürfen. In den letzten Jahren habe ich auch viele hervorragende jüngere und sehr junge Malts genossen, die wahre Magie beginnt aber oftmals doch erst ab 20-25 Jahren.
Heute im Glas: Die letzte Inkarnation des Bowmore 25 - Small Batch Release.


Farbe
Goldbraun (Gefärbt)

Nase
Zarter Rauch, der nach einigen Momenten hinter den anderen Aromen zu verschwinden scheint. Kirschen, rote Äpfel und einige Trockenfrüchte. Sehr reif und komplex einerseits, andererseits finden sich aber auch frische Limetten und grasige Noten. Alles wird umrahmt von mineralischen Noten, die an Kreide oder Kalkstein erinnern und einer deutlichen maritimen Seebrise.

Geschmack
Extrem angenehm im Mund. Eine wundervolle Öligkeit breitet sich aus, wie ich sie so nur von alten Whiskys kenne. Ganz zu Beginn. etwas trocken mit Walnüssen und sanftem Rauch. Dann wird es süß, der Sherry bringt getrocknete Pflaumen, Rosinen und viele Nüsse. Zartbitterschokolade und Espresso setzen den Kontrapunkt. Nach 25 Jahren im Eichenholz erwarte ich das auch. Man könnte sagen, ihm fehlt mit 43,0% ABV etwas die Kraft.

Abgang

Mittellang und würzig-trocken klingt der Bowmore ab. Die süßen Früchte und der Sherry bleiben präsent, rücken aber in den Hintergrund. Der Rauch ist hier deutlicher spürbar, bleibt aber elegant und zurückhaltend. Wieder Walnüsse, Leder, Tabak und auch einige Mandeln. 

Fazit
Sehr komplex und vielschichtig, der gefällt mir richtig gut. Ein Highlight ist das ölige und absolut seidige Mundgefühl. Man glaubt nicht, dass man hier eine Spirituose auf der Zunge hat, so reif ist der Malt. Gleichzeitig bietet er eine große Vielfalt schöner Aromen, der trockene Abgang bringt nochmals einen Zugewinn an Komplexität. Von Seife oder Lavendel, wie man es in so manch jüngerer Abfüllung gerne vermutet, finde ich hier nichts. Einfach nur schön - hätte er im Mund etwas mehr Präsenz (höherer Alkoholgehalt!) wäre das ein Traumwhisky.

 

Sonntag, 24. April 2016

#116: BenRiach - Latada - 18 Jahre Peated Madeira Finish





Nach dem Albariza mit Pedro Ximenez Sherry Finish und dem Dunder mit Dark Rum Finish folgt jetzt der letzte im Trio. Schon einige Monate auf dem Markt und inzwischen nicht mehr so einfach zu bekommen, doch findet er erst heute den Weg in mein Glas.

Farbe
Altes Gold

Nase
Sofort ist klar, dass es sich um einen rauchigen BenRiach handelt: Der typische Lagerfeuerrauch steigt in die Nase. Das Finish in Madeirafässern hat viele Früchte eingetragen: Zitrusfrüchte, Pfirsich, Honigmelone und deutliche Säure von grünem Apfel und Limetten. Der Rauch zieht sich mit der Zeit zurück und verbindet sich mit etwas Anis und Menthol. Wirkt sehr erfrischend. Dahinter frisch geschnittene, grüne Zweige aus dem Garten.

Geschmack
Der Rauch wirkt im Mund jetzt kräftiger und weniger holzig, mehr klassisch torfig. Grob gemahlener Pfeffer bringt etwas Schärfe. Dann folgen gemischte getrocknete Früchte und etwas Vanille: Aprikosen, helle Rosinen, Papaya. Bitterer Espresso leitet den Abgang ein.

Abgang
Mittellang und rauchig. Immer trockener werdend mit Kräuternoten, wie sie bei vielen rauchigen BenRiach zufinden sind. Der Fruchtkuchen aus den Madeirafässern ist noch kurz zu spüren, zieht sich dann aber zurück. Es dominieren kalter Rauch, etwas Asche und Kräuter.

Fazit
Ein sehr schöner BenRiach, klar und eindeutig bleibt der dem Hausstil der Brennerei treu. Besonders schön ist der Madeiraeinfluss in der Nase, wo er eine große Komplexität zwischen Rauch und Früchten hervorbringt. Im Geschmack verlieren die Früchte etwas zu schnell gegen Bitterkeit und Kräuter, sonst wäre er perfekt.

Donnerstag, 21. April 2016

#115: Bunnahabhain 2004 - Single Cask Seasons Spring 2016 - Signatory Vintage


  • Brennerei: Bunnahabhain
  • Fasstyp: 1st Fill Serry Butt No. 800195
  • Jahrgang: 04/2004 (Abgefüllt in 03/2016)
  • Abfüller: Signatory Vintage - Selected by Kirsch Import
  • Abfüllung: Single Cask Seaons Spring 2016
  • Alkoholstärke: 49,7% ABV
  • Whiskybase: folgt


Der deutsche Importeur für Signatory Vintage, Dieter Kirsch, wählt seit 2015 vier mal im Jahr, passend zu den Jahreszeiten, ein Fass aus den Beständen des unabhängigen Abfüller Signatory Vintage aus und lässt dieses für den deutschen Markt abfüllen. Schon in 2015 waren da echte Kleinode dabei, dementsprechend bin ich auf die erste Abfüllung für 2016 sehr gespannt.
Der Whisky erscheint im April/Mai 2016 im Handel und ist auf 674 Flaschen limitiert. Ich danke Kirsch Import für die Probe und das Foto.


Farbe
Bernstein

Nase
Marzipan! Und dann nochmal Marzipan. Die angenehme Süße umspinnt Mandelsirup, Rosinen, Karamell und vollreife Früchte. Die Früchte sind für ein 1st Fill Sherry Butt vergleichsweise hell: Erdbeeren, Äpfel und eine ganz dezente Säure. Vielleicht eine Physalis? Dazu gibt er sich mit etwas Seeluft, Gischt und feiner Salzigkeit eindeutig als ein Spross der Bunnahbahain Destillery zu erkennen. Der Alkohol ist sehr gut eingebunden und fällt mit 49,7% erfreulich stark aus.

Geschmack
Mit schierer Gewalt drängt der Whisky auf die Zunge. Da ist kein Platz für subtile feine Aromen, jetzt geht es gewaltig zur Sache. Nach dem ersten Ansturm von Pfeffer, kräftigem (aber nicht brennendem) Alkohol und intensiven Nüssen wird es ruhiger im Mund. Die aus der Nase bekannten Aromen kehren zurück: Weiches, frisches Marzipan, reife Beeren und einige Haselnüsse. Erstmals ist hier auch die Würze aus den Eichenfässern zu spüren, an den Wangen baut sich eine ganz zartbittere Schokoladennote auf.

Abgang
Lang und jetzt wieder sehr angenehm weich und getragen von feiner Süße. Auch hier ist das Marzipan allgegenwärtig. Die Früchte ebben nur langsam ab und machen Platz für ein Stück guter Zartbitterschokolade und etwas Holzigkeit. Ganz zum Ende hin meine ich, wieder die salzige Gischt auf den Lippen zu spüren und denke sehnsüchtig an die Isle of Islay...

Fazit
Wahnsinn, was hier mit nur 12 Jahren Alter in die Flasche gekommen ist. Dieser Whisky baut einen Spannungsbogen auf, der in einem unglaublich intensiven aber gefälligen Mundgefühl kulminiert, um dann am Ende wieder ganz sanft zu werden. Wie eine gute Geschichte oder ein spannender Tag auf Islay, der Höhepunkt ein intensives Warehouse-Tasting ist. Chapeau Kirsch Import & Signatory Vintage. Wer davon eine Flasche ergattern kann, ist gut beraten.

Sonntag, 17. April 2016

#114: Benromach 35 Jahre




Heute ist ein Tag, an dem mir wieder einmal klar wird, warum ich Whisky so liebe. Wie sonst bekommt man die Gelegenheit, etwas zu genießen das älter ist als man selbst? Das flößt mir Ehrfurcht und Vorfreude zugleich ein.
Dieser Benromach wurde in den 1980ern destilliert, lange bevor die heutigen Eigentümer, Gordon & MacPhail, die Brennerei Benromach wieder zum Leben erweckten. 


Farbe
Bernstein

Nase
Kräftige Orangen, sowohl kandiert als auch in einer leicht bitteren englischem Marmelade. Ein Hauch Schießpulver bringt den typischen Charakter von Benromach - und das nach 35 Jahren! Saftige Rosinen, eingekochte Früchte und eine feine Süße zeugen von den verwendeten Sherryfässern. Doch da ist mehr, viel mehr. Schicht um Schicht lässt sich der Whisky erkunden. Da sind staubige Bücher und alte Möbel auf dem Speicher, Bienenwachskerzen und eine Menge Holz, das aber nicht zu stark ist. Auf der anderen Seite finden sich aber auch immer noch Vanillecreme, rote Äpfel und eine Art frische Brise in weiter Ferne

Geschmack
Wow. Extrem ölig, geschmeidig und fast dickflüssig fühlt er sich im Mund an. Jetzt schlägt die Stunde der 35 Jahre in Eichenfässern. Eine wohlige und intensive Holzigkeit kleidet den gesamten Mund aus. Zedernholz, Zigarrentabak, verbrannte Orangen, Zimt und etwas Rauch. Danach gibt es einen etwas zu stark geratenen Espresso. Der zweite Schluck offenbart Walnüsse und bittere Kräuter.

Abgang
Lang und begleitet von würzigen, zartbitteren Holznoten. Als würde man nach einer guten Zigarre ein Stück sehr dunkler Schokolade ganz langsam auf der Zunge zergehen lassen. Dazu gibt es einen schwarzen Tee. Ab und an kommt die dominierende Frucht, die Orangem zusammen mit Zimtnoten durch.

Fazit
Ein Erlebnis! Nicht nur, dass ein so alter Whisky immer eines ist. Dieser Benromach hat einen ganz eigenen Stil von Kräutern und Bitterkeit, die aber extrem positiv auffällt. Serge Valentin hat es als "the most complex form of Jägermeister" bezeichnet, besser könnte man es wohl nicht beschreiben. Einzigartig und anders als jeder andere sehr alte Malt, den ich bisher hatte.

Sonntag, 10. April 2016

#113: Highland Park 21 Jahre






Farbe
Bernstein (ungefärbt)

Nase
Zarter Rauch, verbrennende Kräuter, etwas Salz und eine zarte mineralische Note treten zuerst in die Nase. Sogleich gefolgt von Waldhonig, Limetten, Eukalyptus, Mandeln, Marzipan und etwas Sherry. Hier ist alles geboten, was Highland Park gut und liebenswert macht! Insgesamt für 21 Jahre ziemlich frisch und lebendig.

Geschmack
Jetzt zeigt der Whisky sein Alter und offenbart eine regelrecht zähe Konsistenz im Mund. Wunderbar dick, ölig und süß. Weiße Schokolade, gebrannte Mandeln, Orangenmarmelade und deutliche Kräuternoten und intensive Würze. Das cremige Mundgefühl will garnicht aufhören.

Abgang
Der mittellange Abgang wird getragen von Marzipan, Mandelsirup, weißer Schokolade und dem typischen, leicht krautigen, Rauch von Highland Park. Später erstarken Karamell und Vanille. Auch im Abgang fällt die immer noch vorhandene cremige und weiche Süße auf.

Fazit
Der Highland Park 21 gefällt mir nochmals deutlich besser als der hervorragende 18-Jährige. Das süße, cremige und umheimlich angenehme Mundgefühl ist ein Highlight. Man wünscht sich, das Gefühl würde niemals vergehen. Die Alkoholstärke von 47,5% passt perfekt, die neuere, schwächere Version weiß nicht so recht zu überzeugen. Leider sind inzwischen knapp 200 EUR schon ein heftiger Preis für diesen Whisky...

Donnerstag, 7. April 2016

#112: Johnnie Walker Blue Label 40%




Der Blue Label ist das Flagschiff der "Colours"-Serie von Johnnie Walker. Damit folgt er auf den Red, Black, Double Black, Gold und Platinum Label. Johnnie Walker wirbt damit, dass nur eines aus zehntausend Fässern die Qualität erreicht, die für diesen Blend erwartet wird. Über 100 EUR für einen Blend aus Malt und Grain Whisky ohne Altersangabe und nur 40% Alkohol ist kein Pappenstiel. Ich bin gespannt.


Farbe
Bernstein (Gefärbt)

Nase
Sehr harmonisch und rund. Ganz zarter Rauch umspinnt eine elegante Süße von Malz, Honig, Rosinen und Weingummi. Saftige Orangen, Karamell, etwas Schokolade und milde Nussigkeit. Hier finden sich keine Ecken und Kanten, alles ist extrem weich und verwoben.

Geschmack
Der Eindruck aus der Nase bestätigt sich auch um Mund. Zart, weich und sanft auf der Zunge. Zu Beginn ist der Torfrauch etwas deutlicher spürbar, wird jedoch dicht gefolgt von Nüssen, Milchkaramell und feinem Sherry. Zum Abgang hin wird es nochmal richtig cremig mit viel dunklem Honig.

Abgang
Mittellang und geprägt von Karamell, Rosinen und dunklen Beeren mit etwas Milchschokolade. Ganz zu Beginn des Abgangs ist noch etwas Asche spürbar und man meint auch etwas Eichenwürze zu finden, doch die allgegenwärtige Sanftheit bügelt das leider schnell weg.

Fazit
Einwandfrei gemacht. Die einzelnen Komponenten gefallen mir sehr und sind auch handwerklich in Perfektion miteinander verwoben. Was dem Whisky fehlt ist eindeutig: Kraft. Die geringe Alkoholstärke vermag es nicht, den Aromen Nachdruck zu verleihen. So wirkt er etwas austauschbar, macht aber trotz allem Freude beim genießen. Die wesentlich teurere "Casks Edition" in Fassstärke hat so gesehen das Potenzial zu einer echten Granate...

85/100

Sonntag, 3. April 2016

#111: Còmhlan 2.0 - Glentauchers 7 Jahre Dark Sherry



Dieser Whisky ist etwas Besonderes. Nicht nur, dass er vom Brühler Whiskyhaus speziell für die Facebook-Gruppe "Whisky.de - Der Treffpunkt feiner Geister" abgefüllt wurde. Nein, auch kommt aus dem Verkauf der Flaschen, den Samples und die Versteigerung der Flasche #1 eine stattliche Summe einem guten Zweck zu. Mein großer Respekt an dieser Stelle für alle Beteiligten, allen voran Marco Bonn vom Brühler Whiskyhaus. Danke!
Der Còmhlan 2.0 ist die inzwischen vierte Abfüllung (Hier findet ihr mein Review zur 1. Abfüllung) für die Facebook Gruppe, aber die erste mit Brennereistatement. Ein 7 Jahre junger Glentauchers aus einem sehr aktiven Sherry Butt. 


Farbe
Dunkles Mahagoni

Nase
Richtig, richtig viel Sherry! Dunkle Beeren, Rosinen, getrocknete Aprikosen und der kräftige, aber nicht störende Alkohol dominieren. Dazu ist auch eine weihnachtliche Gewürznote von Zimt, Nelken und geriebenen Orangenschalen da. Ich erinnere mich an den Weihnachtspunsch meiner Großeltern...
So jung und so stark wie er ist, gebe ich ihm 30 Minuten im Glas.Jetzt öffnet er sich, der Alkohol tritt zurück und gibt viele Aromen frei: Schokolade, Orangen, Zimt. Er wird süßer und auch die Früchte treten deutlicher hervor.


Geschmack
Über 64 Volumenprozente Alkohol verleihem dem Malt unbändige Kraft, ohne dabei aber zu barsch zu sein. Sehr dunkle Schokolade, Espresso, Brombeermarmelade und eine kräftige Eichwürze mit Pfeffer und scharfem Zimt. Richtig süß ist er nicht, aber auch nicht bitter oder zu holzig. Einfach schön ausbalanciert und stark.

Abgang
Lang und intensiv klingt der Còmhlan ab. Kräftige Eichenwürze, Bitterschokolade und immer wieder eine beerige Fruchtigkeit. Ab und an habe ich das Gefühl, dass eine zarte Rauchigkeit aufkommt, wie man sie z.B. nach dem Genuss einer Zigarre schmeckt. Das kommt aber wohl aus dem Fass und nicht von über Torf getrocknetem Malz.

Fazit
Ein sehr leckerer junger und intensiv sherrygereifter Whisky! Das sehr aktive Fass lässt den Malt auf der einen Seite deutlich älter wirken als erst, auf der anderen Seite spürt man aber auch immer die Kraft der Jugend und es fehlt die Finesse von älteren Malts. Gefällt mir sehr gut und schlägt die Còmhlan 1 - 1.3 in meinen Augen deutlich!

89/100