Sonntag, 27. März 2016

#110: Glenfarclas 25 Jahre New Label


Der 25 Jahre alte Glenfarclas ist ein wahrer Klassiker. Bis heute unter 100 EUR zu kaufen, quasi immer verfügbar, ungefärbt und ungefiltert... Was will das Genießerherz mehr? Fassstärke vielleicht, aber man kann ja nicht immer alles haben. Ich persönlich hatte mit nahezu allen bisher probierten Glenfarclas Schwierigkeiten. Oft erschienen sie mir zu alkoholisch, der Brennereicharakter war offenbar auch nicht meins. Mit 25 Jahren Reifung kann sich aber vieles ändern....


Farbe
Dunkles Gold

Nase
Aprikosen- und Orangenmarmelade, Trockenfrüchte, dunkles Karamell, Mandeln und zarten Röstaromen von angerösteten Nüssen. Alles wird zusammengehalten von einer spürbar reifen Süße und viel Sherry, der sich aber vornehm zurückhält. Hier wurden, wie bei so langer Reifung sinnvoll, wohl großteils Refill-Fässer eingesetzt. Sehr komplex und reif.

Geschmack
Ölig, geschmeidig und reif auf der Zunge. Orangenschalen, Rosinen, geröstete Nüsse, viele verschiedene Gewürze wie Zimt, Pfeffer und Muskatnuss, sowie eine ölige Eichenfracht, wie sie nur bei lang gereiften Whiskys zu finden ist. Wenn er länger auf der Zunge bleibt finden sich dunkle Schokolade, Kaffee, etwas Tabak und ganz entfernt eine zarte Bitterkeit, die einen schönen Kontrapunkt setzt.

Abgang
Lang und langsam von der Süße zur Trockenheit wechselnd. Wie sich schon im Geschmack andeutend dominiert mehr und mehr die Würze: Milder Pfeffer, Espresso und wieder die ölig wirkende und sehr trockene Eichenfracht aus den Fässern. Ganz zum Ende hin wird er wenig bitter.

Fazit
Ein sehr guter Whisky! Und auch der erste Glenfarclas, der mich wirklich rundum überzeugen kann. Im Alter werden sie einfach immer besser. Hier wurden sehr gute Refill-Fässer ausgewählt und eine große Komplexität und Harmonie erschaffen. Und: Wo sonst bekommt man einen 25 Jahre alten Malt in dieser herausragenden Qualität für unter 100€?

90/100

Mittwoch, 23. März 2016

#109: SPEY - 18 Jahre (Speyside Distillery)





Heute wandert der 18-jährige SPEY aus der Speyside Brennerei in mein Glas. Der Chairman's Choice und Tenné konnten mich noch nicht vollends überzeugen, mal sehen wie es nun mit diesem aussieht. Gut finde ich, dass dieser Malt eine amtliche Altersangabe von 18 Jahren hat, da freue ich mich schon.
Ich danke Caminneci - Wine & Spirit Partner für die Probe und das Foto!


Farbe
Bernstein

Nase
Karamellbonbons, Vanille und weiche, rote Früchte in Honig. Erdbeeren, Äpfel und etwas Zimtzucker. Dahinter liegt eine frische Note von Zitrusfrüchten und bildet mit Orangeat und Zitronat einen erstaunlichen Gegenpol zum klassischen Sherryaroma. Mit der Zeit steigen Aromen von gemahlenen Mandeln und Haselnuss auf. Überhaupt belohnt dieser Whisky Geduld im Glas mit zunehmender Komplexität.

Geschmack
Sehr gefällig und ölig mit auf der Zunge. Aprikosen, Pfirsiche, Bratapfel und Kokosmakronen. Dazu Vanille und Karamell aus den Fässern. Orangenstücke umhüllt von dunkler Schokolade und feiner Süße. Eine zarte Würze aus den Eichenfässern kommt gegen Ende durch.

Abgang
Mittellang und sehr angenehm weich. Schokofrüchte, Karamellpudding und eine wärmende, seidige Schicht von Marzipan auf der Zunge. Eine zartbittere Note beschließt den Abgang.

Fazit
Im aktuellen Lineup der SPEY-Linie definitiv und mit großem Abstand der beste. Dieser Whisky leistet sich keine Schwächen und überzeugt mit gut balancierten Aromen und tollem Mundgefühl. Preislich sieht es anders aus. Knapp 100€ für einen 18-jährigen aus der Speyside Brennerei ist schon eine Ansage.

86/100

Sonntag, 20. März 2016

#108: Glen Garioch 15 Jahre Sherry Cask 53,7%





Farbe
Rostbraun

Nase
Den Anfang machen deutliche Röstaromen: Geröstetes Brot, intensive geröstete Nüsse, Kaffee und angebranntes Karamell. Dahinter schöne Sherryaromen: Rosinen, dunkle Schokolade, dunkler Honig und Muskatnuss. Die Früchte sind spürbar, kommen aber erst nach einigen Minuten im Glas klarer definiert hervor: Getrocknete Datteln, Pflaumen und Aprikosen. Deutliche Noten von Zedernholz, die fast an einen zarten Holzrauch erinnern machen klar: Hier war europäisches Eichenholz am Werke.

Geschmack
Gemessen an der Komplexität der Nase ist das Mundgefühl überraschend dünn, wenngleich aber angenehm. Es erstarken zuerst florale Kräuternoten, Muskatnuss und deutliche Eichenwürze. Kandierte Orangen, Rosinen und Bratapfel. Angeröstetes Toastbrot mit Butter und Nougatcreme. Insgesamt geschmacklich eher auf der trockenen Seite. Der Alkohol ist nicht ganz perfekt eingebunden.

Abgang
Lang und geprägt von würzigem Eichenholz, Röstaromen und trockenem Oloroso Sherry. Schokolade mit sehr hohem Kakaoanteil, dunkles Karamell und immer wieder eine zarte Fruchtigkeit.

Fazit
Ein schöner sherrygereifter Whisky, der trotz des starken Einflusses der Eichenfässer einen eigenständigen Charakter bewahrt hat. Insbesondere die intensive Nussigkeit und die starken Röstaromen finden sich bei nahezu allen Glen Garioch aus dem Sherryfass. Einziger Kritikpunkt ist der nicht perfekt eingebundene Alkohol und eine etwas zu große Trockenheit im Mund. Insgesamt aber sehr empfehlenswert, insbesondere wenn man ihn für ~50 EUR in so manchem Bordershop bekommen kann.

88/100

Sonntag, 13. März 2016

#107: Glenmorangie Milsean - Private Edition 2016


  • Brennerei: Glenmorangie
  • Fasstyp: Ex-Bourbon & Re-Toasted Wine Cask Finish
  • Alter: Keine Angabe (NAS)
  • Alkoholstärke: 46,0% ABV
  • Besonderheiten: Private Edition 2015, Limitiert auf 30.000 Flaschen weltweit
  • Whiskybase: https://www.whiskybase.com/whisky/76521/milsean


Seit 2009 erscheint einmal im Jahr eine limitierte Abfüllung aus der Glenmorangie "Private Edition". Es handelt sich dabei immer um Whiskies ohne Altersangabe, die eine besondere (Nach-)Reifung erhalten haben, oder bei denen im Fall des Tùsail eine besondere Gerste oder andere Zutat verwendet wurde. 
Der Milsean (gälisch für Süßigkeit) reifte zunächst in klassischen Ex-Bourbon Fässern und wurde dann - und das ist meines Wissens bisher einmalig in der Whiskyindustrie - in Weinfässern nachgereift, die vor der Befüllung mit dem Whisky stark ausgebrannt wurden. Auf diese Weise karamellisiert der Holzzucker in den Dauben und interagiert mit den eingetragenen Weinaromen.
Vielen Dank an Global Brand Ambassadorin Karen Fullerton, die mir das Sample und die Erlaubnis zur Bildverwendung auf der Finest Spirits in München gegeben hat.


Farbe
Altes Gold mit leichtem Kupferstich

Nase
Gebrannte Mandeln, Früchtebrot, klassische Vanille- und Karamellaromen und etwas Zuckerwatte. Mehr will sich zu Beginn nicht aus dem Glas erheben, der Whisky ist ziemlich zurückhaltend. Mit Zeit und Handwärme finden sich noch Kokosnuss, Zimt und Fruchtgummi. Im Hintergrund finden sich zarte Kräuter- und Eichentöne, die die Süße etwas im Zaum halten.

Geschmack
Für Glenmorangie typisch weich und sehr rund im Mund. Sehr süß mit gezuckerten Mandeln, Vanillepudding, süßes Buttergebäck (Subway Cookies!), Zuckerwatte und allerhand gemischter Jelly Beans. Der Alkohol ist sehr gut eingebunden.

Abgang
Mittellang und zu Beginn cremig süß mit Sahnekaramell und eingekochten Früchten. Erinnert an samtige Erdbeermarmelade mit zusätzlichem Zuckeranteil. Zum Ende hin findet sich eine zartbittere Note von feinem Espresso und etwas Holz.

Fazit
Nicht überaus komplex aber absolut auf den Punkt, was das Konzept dieser Abfüllung betrifft. Man fühlt sich bei der großen Süße tatsächlich an einen Candyshop erinnert, manchmal erscheint die Süße sogar fast aufgesetzt. Das Toasten der Weinfässer hat die oftmals so spürbaren Tannine extrem gezähmt und eine für mich bisher ungekannte Süße hervorgebracht. Gefällt mir, kann aber nicht ganz an die Qualität und Vielfalt der ersten Abfüllungen aus der Private Edition anknüpfen. Für Liebhaber weicher, süßer und gefälliger Whiskys eine Offenbarung. Wer Kante und schwere Aromen schätzt, ist anderweitig besser beraten. Aber das ist bei Glenmorangie ja ohnehin der Fall. :)

87/100

Mittwoch, 9. März 2016

#106: SPEY - Tenné (Speyside Distillery)




Und weiter geht es mit den neuesten Releases aus der Speyside Distillery. Der "Tenné" ist das günstigste Produkt aus der neuen Standardrange und kommt ebenfalls in einer extrem wertigen Ausführung daher. In der schlanken Flasche kommt die schöne Farbe von Roségold hervorragend zur Geltung. 


Farbe
Roséwein

Nase
Sehr frisch und fruchtig. Erdbeeren, Kirschen, rote Äpfel. Der Portwein hat eine leichte Säure eingetragen, erinnert an Stachelbeeren und Kiwi. Nach eingen Minuten im Glas tritt die Säure zurück und macht Platz für eine intensive Süße, die leicht parfümiert wirkt.

Geschmack
Im Mund offenbart der Tenné sofort zwei Gesichter. Auf der einen Seite sehr weich und süß, auf der anderen Seite intensive, fast bittere Eichentöne und eine etwas jugendlich anmutende Schärfe. Die süße Seite bringt Honig, Gummibärchen, Kirschen und Hagelzucker. Am Ende überwiegt für mich die intensive Würze und ein etwas scharfes Gefühl auf der Zunge, das ich der Jugend des Whiskys zuschreibe.

Abgang
Der Abgang zeigt sich mittellang und geprägt von sehr intensiver Eiche und bitterem Espresso. Dazwischen tauchen Vanille und Karamell und verschiedene Früchte auf.

Fazit
Ein wohl sehr junger Malt, dem durch ein 6-monatiges Finish in Portweinfässern ein intensiv weiniger Stempel aufgedrückt wurde. Sehr schöne Fruchtigkeit und ein toller Roséton sind das Ergebnis. In Geschmack und Abgang allerdings sehr trocken, das muss man mögen. Preislich und von der Aufmachung her sehr attraktiv.

79/100

Sonntag, 6. März 2016

#105: Glen Els - Diamond Batch No. 1 - Distillery Only



Der "Diamond" ist die erste normale Abfüllung (neben so manchem Alrik) aus dem Hause Glen Els, die exklusiv nur in der Brennerei in Zorge im Harz käuflich ist. Liest man sich die Zusammensetzung der Fässer durch, könnte man meinen hier wurden einfach verschiedene "Reste" zusammengeschüttet. Doch bei Glen Els versteht man sein Handwerk kompromisslos, aus der Vielfalt der Fässer ist ein fantastischer Malt entstanden!


Farbe
Bernstein

Nase
Sehr vielschichtig und eng verwoben, das gilt es erstmal in Einzelteile zu zerlegen! Pfirsich- und Erdbeerkonfitüre, Stachelbeeren und Schlehen mit ihrer holzig-herben Fruchtigkeit. Dahinter Marzipan, Malz, karamellisierter Rohrzucker, Kaffee und etwas Hefe. Der Alkohol ist in der Nase nicht spürbar, lediglich eine etwas pfeffrige Schärfe kitzelt in der Nase. Zurückhaltender Holzrauch ist auch da, die schiere Komplexität der verwendeten Fässern drückt ihn aber sehr weit nach hinten.

Geschmack
Wuchtig, intensiv prickelnd auf der Zunge und gleichzeitig scharf und süß tritt der Diamant auf die Zunge. Die Fassstärke steht ihm sehr gut. Große Fruchtigkeit trifft zarten Rauch. Angeröstete Pfirsiche treffen es wohl am ehesten. Dazu Vollmilchschokolade mit Trauben und Nüssen.

Abgang
Lang. Die süßen Früchte weichen nach einigen Momenten und machen Platz für Walnussschalen und die erkaltete Glut eines Lagerfeuers. Immer wieder taucht das Marzipan auf.

Fazit

Ein sehr komplexer Whisky, der aber trotz allem nicht überladen wirkt. Die Fassstärke gibt den Aromen enorm viel Kraft, balanciert aber gleichzeitig mit der richtigen Portion Schärfe den Malt aus und lässt die fruchtigen Noten des Süßweins nicht überhand nehmen. Gefällt mir sehr gut, ich hoffe es erwarten uns noch mehr solch gute Distillery Only Abfüllungen aus dem Hause Glen Els.

89/100

Mittwoch, 2. März 2016

#104: SPEY - Chairman's Choice (Speyside Distillery)


Die Speyside Distillery hat kürzlich unter dem Namen "SPEY" einige neue Abfüllungen herausgebracht. Diese eint die sehr hochwertige Aufmachung und die ungewöhnlich hohe, schlanke Flasche. Der "Chairman's Choice" ist nach der Tradition des Brennereigründers John Harvey benannt worden, der jedes Jahr zu Weihnachten ein besonderes Fass aussuchte, um es mit seiner Familie zu genießen.
Ich danke Caminneci - Wine & Spirit Partner für die Probe und das Foto!


Farbe

Volles Gold

Nase
Leicht, fruchtig, floral und süß. Vanille, Karamell, überreife Orangen und Malzbonbons. Später erscheint eine bunte Blumenwiese und etwas Heu. In weiter Ferne ist etwas Zimt auszumachen.

Geschmack
Im Gegensatz zur Nase hier jetzt deutlich dunkler. Viele gemischte Nüsse, darunter auch die deutliche Bitterkeit von Walnusschalen. Eine erdige-Würze belegt die Zunge. Insgesamt bleibt ein etwas dünnes Mundgefühl, diesem Whisky fehlt es an Kraft. Hier kommt diese weder vom Alkoholgehalt, noch von intensiven Fässern.

Abgang
Cremig und und weich mit Vanillepudding und zarter Fruchtigkeit von reifen Äpfeln, Aprikosen und Eichenwürze. Leider tendiert die Würze nach einigen Momenten deutlich zur Bitterkeit.

Fazit
Ein anständiger Whisky, der aber keine wirkliche Komplexität zu entwickeln vermag. Ihm fehlt es an Nachdruck auf der Zunge und im Abgang. Dennoch insgesamt wohlschmeckend und mit einer Holzkiste wunderschön aufgemacht. Preislich aus meiner Sicht aber dann doch um einiges überzogen.

80/100