Sonntag, 31. Januar 2016

#094: Glengoyne 21 Jahre




Auf das heutige Tasting habe ich mich schon lange gefreut, schließlich bringt es mich mit einem meiner Alltime-Favourite Drams zusammen. Der Glengoyne 21 ist aus meiner Sicht einer der absolut besten, immer verfügbaren, Standardmalts aus Sherryfässern. Er kommt in einer wunderschönen, großen und wertigen Box daher und ist auch preislich mit 80-90 EUR (Im Travel Value deutlich günstiger, watch out!) attraktiv.


Farbe
Tiefes Kupfer

Nase
Apfelstrudel mit Vanillesauce, Zimt, Rosinen und Karamellstücken. Bestreut mit Lebkuchengewürzen und Puderzucker. Dazu gemischte Nüsse und etwas salziges Popcorn. Später erstarken Noten von eingekochten Aprikosen, Sauerkirschen und Cranberries.

Geschmack
Weich, süß, cremig und sehr gefällig im Mund. Viel süßer Sherry mit roten Früchten, gebrannte Mandeln in Zuckerkruste, rote Äpfel, dunkler Honig und Waffelteig. Dazu kommt kräftige, aber gut abgestimmte Eichenfracht, die die feingliedrigen Aromen mit etwas Holz, Pfeffer und schwarzem Kaffee ergänzt.

Abgang
Land und mit guter Balance zwischen der Fruchtigkeit von Äpfeln, dunklen Beeren, der Süße von Karamell und Vanille und gut ausgeprägter Würze aus den Fässern. Gegen Ende, wenn die Süße und Frucht schon am verklingen ist, bleibt ein eleganter Pfeffer und dunkler Espresso noch lange im Mund.

Fazit
Ein hervorragender Malt, den eine verblüffende Tiefe, Komplexität und sehr sensible Abstimmung der einzelnen Komponenten auszeichnet. Trotz des sehr reifen Alters ist der Brennereicharakter nicht von den Fässern zugedeckt. Mit zwischen 70 und 90 EUR (Absolute Empfehlung im Travel Value mit z.T. 70 EUR!) auch preislich sehr attraktiv. Ein Must Have.

90/100

Donnerstag, 28. Januar 2016

#093: Puni Alba - 3 Jahre - Batch 02/2015




Puni, Italiens einzige Whisky Brennerei Italiens, hat kürzlich seine ersten drei Jahre gereiften Produkte auf den internationalen Markt gebracht. Während der Nova ganz klassisch in Ex-Bourbon-Fässern reifte, ist heute mit dem Alba ein anderes Kaliber in mein Glas geflossen. Der Alba Batch 2 reifte in Marsala-Fässern und erhielt ein Finish in Fässern von der Insel Islay, die zuvor rauchigen Whisky enthielten. Das wird spannend...
Ich danke dem deutschen Importeur Caminneci - Wine & Spirit Partner für Probe und Foto.


Farbe
Golden

Nase
Überraschend dunkelfruchtig und schwer im ersten Antritt. Mit Zucker eingekochte Himbeeren, reife dunkle Äpfel und dunkler Waldhonig. Die Marsalafässer bringen weinige Süße und Würzigkeit ins Spiel. Doch da ist mehr: Eine zarte, erdige Rauchigkeit ist von Anfang an mit von der Partie. Der Grundcharakter von Puni mit seiner malzigen Süße und den Getreidenoten ist weiterhin spürbar. Toll! Der Malt braucht einige Minuten im Glas, um eine etwas jugendliche Alkoholnote zu überwinden.

Geschmack
Wie auch beim Nova Batch 2 fällt das Mundgefühl angenehm weich aus. Doch schon nach wenigen Augenblicken wird klar: Die Marsala und Ex-Islay Fässer haben hier einen ganz anderen Malt ins Glas gebracht. Deutliche Rauchigkeit, feuchte Erde, maritime Salzigkeit, schwarzer Pfeffer und kräftige Eichentannine geben den Takt an. Brombeeren und dunkler Honig sind da, verlieren aber gegen die kräftigen und etwas groben Aromen.

Abgang
Mittellang und zu beginn deutlich von sanftem Rauch und Meeresaromen geprägt. Überraschenderweise weicht dieser Eindruck schnell süßen Beerenfrüchten, Malzbonbons und Vanille.

Fazit
Auch hier kann ich kann ich nur feststellen: Puni hat großes Potential. Der Brennereicharakter interagiert sehr schön mit den Fassaromen. Dieser Malt hätte Potential zu einem echten Hit, allerdings sind gerade im Mund die einzelnen Facetten noch etwas ungehobelt, doch nicht unangenehm. Die nächsten Jahre können hier Großes hervorbringen.

81/100

Dienstag, 26. Januar 2016

#092: Puni Nova Batch 2 - 2015




Im wunderschönen Obervinschgau, genauer gesagt in Glurns, produziert die Brennerei Puni Italiens einzigen Single Malt Whisky auf original schottischen Brennblasen. Schon das Brennereigebäude ist ein architektonisches Highlight, jedem der in der Nähe von Bozen unterwegs ist, sei der Besuch der Brennerei empfohlen. Ende 2015 erschienen die ersten 3-jährigen Destillate von Puni auf dem Markt, der erste "richtige" Whisky. Man darf gespannt sein. Den Anfang macht heute der Nova, der in Ex-Bourbon-Fässern reifte. 
Ich danke dem deutschen Importeur Caminneci - Wine & Spirit Partner für die Probe und das Foto.


Farbe
Weißwein

Nase
Frisch und süß mit eingeweichtem Getreide, frischem Holz und großer Fruchtigkeit. Es finden sich grüne Äpfel, Pfirsiche und unreife Pflaumen. Zeitweise erinnert der Malt an einen Obstbrand, eine gut ausgeprägte Malzigkeit, Vanille und beginnende Würze von Zimt und Eichenholz balancieren dies jedoch recht gut aus. Der Alkohol ist für das jugendliche Alter recht gut eingebunden, vermag sich aber nicht gänzlich zu verstecken.

Geschmack
Sehr gefällig, leicht, süß und fruchtig auf der Zunge. Die anfangs malzige Süße verwandelt sich in sahnige Karamellbonbons. Auch hier dominieren helle Zitrusfrüchte. Pfirsich, eingelegte Aprikose und weiße Weintrauben. Der Abrieb einer Zitronenschale bringt leicht bittere Noten, die gegen Ende mit dem sehr spät spürbaren Alkoholeinfluss den Abgang einleiten.

Abgang
Vanille, Karamell, Honig und dezente Wärme - im Abgang gibt sich der Puni konsequent einfach und zugänglich. Gegen Ende des etwas kurzen Abgangs kommt nochmal schöne Würze von Ingwer, Eichenholz und Zimt auf. Gleichzeitig gibt er sich aber auch nicht die Blöße einer Fehlnote.

Fazit
Eines ist klar: Puni hat großes Potential. Schon nach drei Jahren weiß dieser junge Whisky mit vielen positiven Facetten zu gefallen und zeigt: In der Brennerei wird mit Sachverstand und guten Fässern gearbeitet. Ich freue mich darauf, das Altern dieses Malts zu erleben.

80/100

Sonntag, 24. Januar 2016

#091: Bruichladdich 2003 Malts of Scotland - Robin Laing Inspiration II




Diese Abfüllung widmete der unabhängige Abfüller Malts of Scotland aus Paderborn dem schottischen Singer-Songwriter Robin Laing. Dieser gilt gemeinhin als "The Whisky Bard" und besingt in seinen Songs oftmals das Wasser des Lebens. Insbesondere mit der Bruichladdich Brennerei eint Robin Laing eine große Leidenschaft. So singt er zum Beispiel in seinem Song "The Boys at Bruichladdich": "Bruichladdich simply the best, Bruichladdich impressed all the rest. We're blest in the west so let us ingest a dram of Bruichladdich".


Farbe
Kastanienbraun

Nase
Intensive Noten von Himbeeren, bestreut mit Zucker, treten zuerst in die Nase. Dazu kommen Sauerkirschen und Aprikosen. Frische Bienenwachskerzen und ein deutlicher Einfluss von Rauch machen diesen Malt einzigartig unter den von Malts of Scotland bisher abgefüllten Bruichladdich. Der Rauch ist mehr phenolisch bzw. "torfig" als weniger richtig "rauchig. Nach längerem Nosing offenbaren sich Buttergebäck, Vanillekipferl und noch später auch leicht säuerliche Noten von unreifen Beeren. Der Alkohol ist trotz 58,4% in der Nase nicht zu spüren.

Geschmack
Auf der Zunge macht zuerst der Alkohol seine Macht klar. Nicht unangenehm brennend, aber ungemein kraftvoll. Erneut recht starker Torfrauch, sehr ungewöhnlich für einen Bruichladdich. Das würde so eher in die Port Charlotte Reihe passen. Brombeeren, Kirschen und Grapefruit bringen intensive Fruchtigkeit, bevor eine dominante Note von trockenem Holz den Ton angibt. Das Mundgefühl wechselt von beginnender Öligkeit hin zu immer trockener werdendem Holz.

Abgang
Holzig und zartbitter mit Anflügen von Leder, Zigarrenkiste, Kardamom und sehr dunkler Schokolade. Der Abgang ist lang und wärmend, immer wieder hat man den Eindruck, dass die Holzigkeit einer leichten Rauchigkeit weicht.

Fazit
Ein sehr ungewöhnlicher Bruichladdich, den ich gefühlt eher in Richtung Port Charlotte gelegt hätte. Klar, bis dahin fehlt noch einiges an Raucheinfluss, aber tendenziell. Der Raucheinfluss im Malz ist zudem sehr speziell und mehr im Geschmack und Abgang wahrnehmbar, während sich in der Nase eher eine vergleichsweise wenig rauchige, aber phenolische Komponente zeigt. Die intensive Holzigkeit weiß zu gefallen, bereits nach nur 12 Jahren Reifezeit ist dieser Whisky ein Fest für Fans intensiv holziger Sherryfassreifungen.

89/100

Mittwoch, 20. Januar 2016

#090: Glen Els Noir - Casino Edition 2015



Nach der Verkostung des "Rouge" vor einigen Tagen findet nun auch die Schwesterflasche aus der Casino Edition 2015 aus dem Hause Glen Els / Hammerschmieden den Weg in mein Glas.
Die Sonderabfüllungen von Glen Els für die Saison 2015/2016 stehen unter dem Motto "Casino". Die Ende 2015 erschienen "Noir" und "Rouge" beziehen sich auf das Roulette-Spiel. Die Rückseite der Flaschen ziert ein Kunstwerk, das eine Situation im Casino darstellt.


Farbe
Mahagoni

Nase
Ähnlich wie der Rouge präsentiert sich auch der Noir zu Beginn etwas verschlossen und leicht alkoholisch. Mit etwas Zeit öffnet er sich und die Alkoholnote verschwindet.
Der Malt präsentiert sich dann sehr würzig und auch der Rauch ist deutlicher ausgeprägt als beim Rouge. Rosinen in Zartbitterschokolade, gerösteter Kaffee, Räucherschinken und Muskatnuss. Dahinter liegen Kräuternoten und deutliche Eichenfracht, sowie dezenter Schwefel aus den Sherryfässern.
Auch mit viel Zeit will sich keine richtige Harmonie im Glas einstellen. Die Aromen sind, isoliert betrachtet, schön ausgebaut - ergeben aber kein "Großes Ganzes".


Geschmack
Angenehm cremig und weich - das typische Glen Els Mundgefühl. Zu Beginn Haselnüsse, dunkle Beeren, Karamell und auch etwas Rauch. Dann wird es würziger mit Pfeffer, Ingwer und wieder Muskatnuss. Ein sehr starker Espresso beschließt den Eindruck im Mund.

Abgang
Der mittellange Abgang beginnt feinherb mit dunkler Schokolade, Espresso Macchiato und Bitterorangen. Schnell übernimmt eine nussige Süße die Führung und präsentiert angenehme Sherryaromen von Rosinen, dunklen Beeren, Karamell feinen Gewürzen.

Fazit
Dieser Whisky hat seine Stärken klar im Geschmack und im Abgang, im Aroma ist er nicht ganz so abgerundet. Ich meine hier ein wenig die Jugend zu spüren, die sich aber ansonsten nicht durch irgendwelche Fehlnoten bemerkbar macht. Vielmehr ist die Harmonisierung der einzelnen Komponenten, wie sie normalerweise im Reifeprozess immer weiter voranschreitet, für meinen persönlichen Geschmack noch nicht weit genug fortgeschritten.

83/100


Sonntag, 17. Januar 2016

#089: Lagavulin - Distiller's Edition 1999 - 2015 - Batch lgv. 4/504




Zu den "Classic Malts Selection" aus dem Diageo Konzern gehören die 13 Brennereien. Jedes Jahr erscheint von einem Großteil dieser Malts eine "Distiller's Edition", die sich durch ein zusätzliches Finish in ausgewählten Fässern auszeichnen. 
Heute findet der Ende 2015 erschienene Lagavulin 1999 den Weg in mein Glas, der in süßen Pedro Ximénez Sherryfässern nachgereift wurde.


Farbe
Tiefes Kupfer

Nase
Kräftiger und zugleich süßer Rauch macht sofort klar: Hier ist ein Lagavulin im Glas. Unverkennbar. Der Rauch fällt erdig, schwer und sehr aromatisch aus. Leicht medizinische Noten und etwas Kalkstein, Jod und Seetang sind mit von der Partie. Noch während ich den rauchigen Grundcharakter beschreibe wird mir klar, welch enormen Einfluss die PX Fässer hier genommen haben: Wunderbare Süße von Rosinen, Erdbeermarmelade, Toffee, Vanilleschoten und Apfelkuchen verbindet sich mit dem rauchig-maritimen Grundcharakter.

Geschmack
Noch vor dem Rauch nimmt eine große Süße von Karamellpudding mit Rosinen, Malz und roten Früchten den Mundraum ein. Der intensive, trockene Torfrauch folgt mit etwas Asche und holziger Würze dicht dahinter, vermag aber die übermächtige Süße zu verdrängen. Es entsteht ein Eindruck von süßem Fruchtkuchen, der in einem BBQ-Smoker gebacken wurde.

Abgang
Sehr lang und wärmend klingt der Lagavulin ab. Jetzt lässt der Torfrauch seine Muskeln spielen. Rauch, Asche, Seetang, dunkle Schokolade, sehr starker Kaffee, geröstete Orangenschalen und angebrannter Zucker füllen den Mund noch lange nach dem letzten Schluck.

Fazit
Wow, was für ein Whisky! Der ohnehin schon fabelhafte Charakter der 16-jährigen Abfüllung verbindet sich mit fruchtigen, süßen Sherrytönen. Keine der Facetten überdeckt die andere, es entsteht ein rauchig-süßes Gesamtkunstwerk. Horst Lüning bezeichnete das mal als "Die süße Medizin des Meeres" - das trifft es meines Erachtens recht gut. Davon will und werde ich immer eine Flasche in meiner Bar haben - für die dunklen Stunden spät in der Nacht, in der ich alleine meine Gedanken in die Ferne schweifen lasse.

91/100
 


Donnerstag, 14. Januar 2016

#088: Glen Els - Rouge - Casino Edition




Die Sonderabfüllungen von Glen Els für die Saison 2015/2016 stehen unter dem Motto "Casino". Die Ende 2015 erschienen "Noir" und "Rouge" beziehen sich auf das Roulette-Spiel. Die Rückseite der Flaschen ziert ein Kunstwerk, das eine Situation im Casino darstellt. 
Heute beginne ich mit dem "Rouge", der - passend zum Namen - auch einen Teil in Rotweinfässern gereiften Malt enthält.


Farbe
Kupfer mit deutlichem Rotstich

Nase
Ganz zu Beginn wirkt er etwas zurückhaltend, gleichzeitig sticht der Alkohol ein wenig in der Nase. Zum Glück verfliegt das sehr schön, einige Momente Geduld sind hier gut investiert. Dann Erdbeeren, rote Äpfel, Marzipan, Mandellikör und Karamellbonbons. Dahinter liegt eine ganz dezente Rauchigkeit, die sich fast in der Würze des Holzes der verwendeten europäischen Weinfässer verliert.

Geschmack
Sehr fruchtig gleitet der Glen Els auf die Zunge. Zu Beginn dominieren die aus der Nase bekannten Erdbeeren, Mandeln und dazu etwas weiße Schokolade. Im Geschmack wird die Rauchigkeit dann deutlicher und erinnert an einen milden Räucherschinken. Dazu gibt es zartbitteren Espresso. Auch hier fällt ein nicht ganz optimal eingebundener Alkohol auf.

Abgang
Der mittellange Abgang ist geprägt von würzigem Holz und deutlichen Bitternoten. Dazwischen tauchen immer wieder weiches Karamell, geröstete Beeren und etwas Vanille auf.

Fazit
Die Interaktion der Amarone- und Marsalafässer gibt diesem Malt einen ganz eigenständigen und hochinteressanten Charakter. Wie so oft bei Weinfass-Reifungen dominiert auch hier das europäische Eichenholz und bringt deutliche Bitternoten, die dem Malt aber gut stehen. Lediglich der Alkohol könnte etwas besser eingebunden sein, man spürt doch ein wenig die Jugend. Insgesamt ein guter Malt, ich bin gespannt, was die Casino-Reihe noch an Überraschungen bereit hält.

85/100

Dienstag, 12. Januar 2016

#087: Speyside Distillery - Beinn Dubh - The Black




It's all about the... Colour! Die Farbe hat größeren Einfluss darauf, wie wir einen Whisky empfinden. Der Genießer tendiert dazu, dunkle Whiskys als positiv(er) wahrzunehmen. Bei dieser neuen Abfüllung aus der Speyside Distillery wird diese Karte ganz groß gespielt. Für die fast schwarze Farbe des Whiskys zeichnen sich stark ausgebrannte Portweinfässer verantwortlich. Schaut man genauer auf das Etikett, wurde allerdings auch mit Zuckercouleur in Sachen Farbe nachgeholfen.
Ich bedanke mich beim deutschen Distributor Caminneci - Wine & Spirit Partner für die Probe.


Farbe
Cola mit Rotstich

Nase
Der erste Eindruck: Sehr viel Wein. Ist das noch Whisky? Es ist kaum auszumachen, ob es sich dabei um Port- oder um andersartigen roten Wein handelt. Mit etwas Zeit kommen mehr Aromen hervor: In Rum eingelegte Kirschen, Rosinen, Karamell und zu lang gebackene Brownies. Dahinter liegen verschiedene weihnachtliche Gewürze, erinnert mich an den alljährlichen Weihnachtspunsch meiner Großeltern. Der Alkohol ist jederzeit spürbar, aber nicht sehr unangenehm.

Geschmack
Weinig und leicht säuerlich im ersten Antritt. Dann überraschend cremig und süß mit viel Karamell, dunkler Schokolade, Brombeeren, Stachelbeeren und Waldhonig. Erste kräftige Bitternoten von Espresso bahnen sich an, diese werden wir im Abgang gleich stark wieder finden. Der Alkohol nimmt sich hier erfreulicherweise zurück, was bleibt ist eine etwas pfeffrige Schärfe.

Abgang
Im Abgang übernehmen die stark ausgebrannten Fässer die Führung. Kakao, Walnüsse, Espresso... Sehr dunkle und gleichzeitig herbe Aromen wechseln sich mit abklingender Fruchtigkeit dunkler Beeren und den letzten Weinnoten ab, die gegen die herbe Würze nur wenig Chancen haben.

Fazit
Während die Nase mir Anlass zu Zweifeln gab, konnten mich Geschmack und Abgang versöhnen. Ein sehr ungewöhnlicher Whisky, der mit starken Aromen vom Wein und Bitterkeit einhergeht und mich mental unweigerlich an den Weihnachtstisch meiner Großeltern versetzt. Ich kann ihm durchaus Positives abgewinnen, die für meine Belange ausbaufähige Nase kostet aber deutlich Punkte. Schade, dass die dunkle Farbe mit Zuckercouleur erzeugt wird, die natürliche Farbgebung wäre mir lieber. Wie viel Farbstoff nun tatsächlich zugesetzt wurde, wird uns Konsumenten verborgen bleiben. Insgesamt verbleibt aber der schale Beigeschmack eines Marketing-Gags.

82/100

Sonntag, 10. Januar 2016

#086: Port Charlotte Valinch 2005 - Cask Exploration 06 - Cuan-Àrd




Whisky, der in Weißweinfässern gereift wurde ist selten. Noch schwieriger wird es, dann noch einen rauchigen Vertreter dieser Zunft zu finden. Zumeist werden, wenn, Sauternes-Fässer verwendet. Der Port Charlotte Cask Exploration Valinch Nr. 6 reifte in einem Grenache Blanc Fass und ist damit eine absolute Seltenheit.


Farbe
Kupfer

Nase
Zitronenbonbons, Ananas, Physalis und Waldhonig steigen noch vor der perfekt integrierten Rauchigkeit in die Nase. Der Rauch erinnert an brennende Tannenzweige, ist gleichzeitig aber süßlich und maritim und hat die typische Note von altem Gewölbekeller und Kalksteinen, die Port Charlotte so unverwechselbar macht. Mit der Zeit immer süßer werdend mit viel Malz, warmem Kuchenteig und großzügig gezuckertem Haferbrei. Eine feine Fruchtsäure aus dem Weißweinfass umspielt den gesamten Aromenkomplex. Bis auf ein kühlendes Gefühl, das an eine frische Meeresbrise erinnert, ist keinerlei Alkoholeinfluss spürbar.

Geschmack
Unheimlich kräftig, mundfüllend, intensiv und gleichzeitig überraschend sanft. Die sonst von Octomore bekannte eiserne Faust im Samthandschuh. Der Rauch ist hier deutlich stärker und füllt den Mundraum aus. Süßer Weißwein mit zarter Säure bringt die Fruchtigkeit reifer Orangen, Zitronen und grüner Äpfel. Später kommt leicht angebrannter Marmorkuchen hinzu.

Abgang
Sehr lang und von süßem Rauch getragen klingt der Malt wärmend ab. Jetzt hat die Stunde des Weinfasses geschlagen. Warme Eichengewürze, angenehme Holzigkeit, Tannine und immer wieder aufkeimende Süße von Butterkeksen mit Honig. Ganz zum Ende erstarken Walnüsse und herbe Kräuter und lassen den Mund langsam trockener werden.

Fazit
Dieser Whisky ist ein Meisterwerk und aus meiner Sicht ein Meilenstein unter den, allesamt sehr guten, 10-jährigen Port Charlotte Abfüllungen. Das Weißwein-Fass hat die perfekte Menge an hellen und zitruslastigen Früchten gebracht, ohne dabei zu viel Säure oder Fehlnoten einzutragen. Einfach super lecker, ein Malt an den ich noch lange denken werde. (Minimal) besser ist da nur mehr der Port Charlotte Cask Exploration Valinch 01 - Seòlaid.

93/100

Donnerstag, 7. Januar 2016

#086: Bruichladdich 2003 - 7 Jahre Port Cask Matured





Heute findet eine schon lange vom Markt verschwundene Abfüllung von Bruichladdich den Weg in mein Glas. Flasche und Tube wurden, noch vor Einführung des heutigen modernen Designs, im Jahre 2010 auf den Markt gebracht. Dieser mit 7 Jahren vergleichsweise junge Laddie verbrachte seine gesamte Reifezeit in Fässern, in denen zuvor Portwein lagerte.


Farbe
Rostbraun

Nase
Brombeeren, dunkle Trauben, getrocknete Aprikosen und rote Äpfel. Alles großzügig überzogen von Vollmilchschokolade. Dazu eine ordentliche Prise Salz und Meer, gefolgt von einigen weihnachtlichen Gewürzen. Der Alkohol ist, trotz nur 46% ABV, relativ deutlich spürbar.

Geschmack
Viel Schokolade, dunkle Früchte, Zimtsterne und deutliche Eichenfracht mit einigen Bitternoten. Der Brennereicharakter mit Buttergebäck und einigen herbalen Kräuternoten ist noch deutlich vorhanden und gut integriert.

Abgang
Leider merkt man im Abgang etwas die Jugend, es wird zu Beginn leicht bitter. Wenn das abgeklungen ist wird es süß und cremig mit Karamellbonbons, Cranberries und Backpflaumen.

Fazit
Sehr harmonisch und rund, der typische Brennereicharakter von Bruichladdich bleibt neben den fruchtigen Portweinaromen sehr gut erhalten. Im Abgang etwas zu bitter und mit seinen 7 Jahren noch nicht wirklich komplex.

84/100

Dienstag, 5. Januar 2016

#085: Bunnahabhain // 9 Jahre (2005) // 1st Fill Sherry Butt // Signatory Vintage // For German Whisky Fans #1






Ein junger, gar nicht mehr so wilder, Bunnahabhain aus einem sehr aktiven 1st Fill Sherry Butt. Rechtzeitig abgefüllt, sodass neben schweren Sherry Aromen auch der salzig-martime Charakter der Brennerei erhalten geblieben ist.



Farbe
Goldbraun
Nase
Viel fruchtiger und trockener Oloroso Sherry. Kirschen, Sultaninen, Rosenwasser und Nüsse. Später keimen süße Pflaumen, Rohrzucker und etwa Schokolade auf, insgesamt aber eher trocken. Über allem schwebt ganz wenig aromatischer Rauch von Zedernholz.
Geschmack
Auch im Mund trocken und dominiert von roten Früchten. Äpfel, Kirschen, Dörrpflaumen und Karamell. Dazu eine ordentliche Prise Meersalz, dunkle Schokolade und milde Würze vom Eichenholz. Auf der Zungenspitze prickelt ein wenig schwarzer Pfeffer.
Abgang
Mittellang, weiterhin von trockener Fruchtigkeit geprägt. Die Früchte verschwinden und zurück bleiben Lebkuchengewürz, Zimt, Ingwer und Zedernholz. Die leichte Rauchigkeit aus dem Aroma ist ebenfalls wieder zu finden.
Fazit
Ein sehr schöner Whisky aus dem Sherryfass, viel Frucht und wenig Süße bieten viel Komplexität. Der salzig-maritime Charakter von Bunnahabhain ist hinter dem Fasseinfluss noch deutlich zu spüren. Hier ist das junge Alter definitiv mehr ein Vorteil, denn ein Malus.
87/100

Freitag, 1. Januar 2016

#084: Glengoyne 25 Jahre




Dieser Whisky hat mir den Heiligabend und die Silvesternacht 2015 mehr als nur versüßt. Grund genug, ihm den ersten Beitrag im Blog in diesem Jahr zu widmen. Der 25 Jahre alte Glengoyne ist das absolute Flagschiff unter den, allesamt sehr gut gelungenen, Standardabfüllungen.
Bereits vorab kann ich sagen: Eine absolute Empfehlung, und jeden der ca. 250 Euros wert, die für ihn fällig sind.



Farbe
Mahagoni

Nase
Richtig viel altmodischer Sherry. Eine zarte Assoziation an Rauch, wie bei abgebrannten Streichhölzern, etwas Schwefel und etwas Tabak vorneweg. Dahinter Rosinen, getrocknete Aprikosen und Feigen, Karamellpudding und eine mit Nelken gespickte Orange. Und dann ist er plötzlich da: Der für Glengoyne so typische Apfel. Zuerst reif, saftig und süß verändert er sich, während der Malt im Glas atmet, hin bis zum gefüllten Bratapfel. Von Alkohol oder Holzigkeit ist nichts zu spüren. Sehr intensiv, dicht und faszinierend - großartig.

Geschmack

Kraftvoll und wunderbar ölig auf der Zunge. Man spürt die Reife und die Eleganz dieses Malts, wenngleich er durchaus mit Ecken und Kanten aufwartet und dabei nicht zu abgerundet wirkt. Dunkle Milchschokolade, Rosinen, Marzipan und dunkle Kirschen. Dahinter spürt man deutliche Würze aus den Fässern: Kardamom, Zimt, Ingwer und Zedernholz.

Abgang
Sehr lang und mit viel Sherry und Schokolade. Orangenmarmelade, Trockenfrüchte und eine zarte Bitterkeit, wie von einem guten Espresso.

Fazit
Unglaublich lecker! Eine solche Qualität und Reife bekommt man heute nur mehr selten und von vielen großen Brennereien überhaupt nicht mehr. Mit ca. 250 EUR (Ende 2015) zwar nicht ganz günstig, aber aus meiner Sicht fair bepreist und sein Geld wert.

91/100