Sonntag, 31. Juli 2016

#152: Bruichladdich 2003 - The Valentine's Kiss - Malts Of Scotland





Dieser ganz besondere Bruichladdich stand pünktlich zum Valentinstag 2015 im Warehouseshop von Malts Of Scotland in Paderborn in den Regalen. Ein süßes Herzchen auf dem Etikett und die leicht rötliche Farbe ergeben einen lieblichen Touch. Der Name "Valentine's Kiss" passt zum einen dazu - zum anderen referenziert er, so hörte ich, auf Tasting Notes von Robin Laing.


Farbe
Roséwein mit etwas Mahagoni

Nase
Zuerst zur Farbe: Für die gibt es in der Whiskybase Skala keine passende Auswahl. Ich würde sagen Roséwein trifft es am besten. Auch im Aroma findet sich heftiger Portwein-Einfluss: Intensive Süße, Erdbeeren, Weingummi und Rohrzucker treffen auf weinige Säurenoten und ganz entfernten Hauch von Rauch. Hinter der Süße und der roten Fruchtigkeit blitzt schon eine intensive Fasswürze aus dem Portwein Hogshead auf. Typisch für Bruichladdich ist der Alkohol hervorragend eingebunden.

Geschmack
Ein Intermezzo in drei Akten: Der erste Antritt ist weich, buttrig, süß und dabei doch intensiv. Dann folgen viele reife rote Früchte, die mit karamellisiertem Zucker übergossen werden. Und dann schlagen Fass und Alkohol unvermittelt zu. Pfeffer, Wein, Chiliöl und richtig intensive Gewürze. Dabei wird die fruchtige und süße Seite deutlich übertönt.

Finish
Lang und trocken. Mit Fruchtmus gefüllte Bitterschokolade, englische Orangenmarmelade, Assoziationen an warmen Holzrauch. Man merkt dass die Fruchtigkeit und der Portwein da sind, das Holz ist aber ein wenig zu stark und lässt sie nicht richtig nach vorn.

Fazit
Erinnert mich vom Charakter an den Bruichladdich 2002 Warehouse Diamond aus dem Chateau D'Yquem Sauternesfass, ebenfalls von MoS. Wunderbare Aromen vom Wein, unverwechselbare Süße - aber auch ein wenig zu viel Holzeinfluss. Insgesamt gefällt er mir gut, ein wenig bessere Balance wär für eine Topwertung in meinem Buch aber notwendig. Doch das ist, bei aller Fairness, "Meckern" auf höchstem Niveau. :)

Donnerstag, 28. Juli 2016

#151: West Cork 12 Jahre PX Sherry Cask Finish





Das Finale meiner West Cork Entdeckungsreise bildet der 12 Jahre alte Whiskey mit Finish in süßen Pedro Ximénez Sherry Fässern. Dieser Sherry ist bekannt für seine süßen Aromen und weniger für seine große Fruchtigkeit. Das sollte mit dem frischen Zitruscharakter der anderen West Cork Abfüllungen gut harmonieren... In der Theorie jedenfalls.
Danke an Kirsch Whisky Import für die Probe und das Foto.


Farbe
Gelbgold

Nase
Im ersten Antritt wieder die für West Cork recht typischen Zitrusfrüchte. Frisch, dezente Säure - sehr angenehm. Der Einfluss des Sherry-Finishs kommt kurz danach, subtil aber doch mit Nachdruck daher. Von Minute zu Minute erscheint der Whiskey "dunkler" zu werden. Rosinen, Schokoladensüße, reife Pfirsiche und ein paar dunkle Beeren. Interessantes Detail, je näher man die Nase zum Whiskey führt, erstarkt auch die frische Zitrusfruchtigkeit wieder.

Geschmack
Süß und angenehm weich, aber eine Spur intensiver und kräftiger als seine West Cork Kollegen. Kakaopulver, intensive Schokolade mit Haselnüssen und Rosinen. Vor dem Übergang in das Finish eine minimale Bitterkeit, die sich gut mit der Süße ergänzt.

Finish
Kurz, zart würzig und weiterhin begleitet von einer schönen Süße, Kakaopulver und getrockneten Früchten. Der Eindruck vom Gaumen setzt sich fort, bis er ganz verblasst.

Fazit
Gefällt mir sehr! Wie schon andere West Cork ist er leicht, süß und zugänglich - kann dabei aber mit ordentlicher Komplexität aufwarten. Das PX Sherry Finish hat dem Whiskey sehr gut getan. Und der Preis... Ja der ist heiß :)

Dienstag, 26. Juli 2016

#150: West Cork 12 Jahre Rum Cask Finish




Whisk(e)y mit Reifung oder Finish in Rumfässern ist aus meiner Sicht keine richtige Seltenheit, dennoch ist dieser Fasstyp nicht allzu häufig anzutreffen. Rum wird aus Melasse des Zuckerrohrs gewonnen und ist somit ein völlig anderes Kaliber aus ein Malt Whisk(e)y. Ich bin gespannt, welche Aromen der karibische Rum in den West Cork eingetragen hat.
Danke an Kirsch Whisky Import für die Probe und das Foto.


Farbe
Blasses Gold

Nase
Der Rum ist erfreulicherweise sehr deutlich spürbar. Frisch aufgeschnittene Limette, die Anschnittstelle mit braunem Zucker bestreut. Mit der Zeit steigt Vanille auf und bringt auch grünen Apfel und Zitronenmelisse mit. Nicht besonders komplex, aber wundervoll süß und lecker.

Geschmack
Leicht und trotzdem mundfüllend mit cremiger Vanillesauce und wieder deutlichem Rumeinfluss. Sehr süß. Karamell und weit entfernter Bratapfel. Nach einigen Sekunden im Mund wird er würziger mit Pfeffer und auch etwas Eiche.

Finish
Weiterhin sehr cremig und süß - und jetzt endlich kommen mehr Früchte auf. Aprikosen und Honigmelonen. Dann wird er etwas trockener, die Eichenfässer bringen etwas beginnende Bitterschokolade am Ende.

Fazit
Sehr lecker! Der Rum passt super zum Charakter des Malts und ist erfreulich intensiv spürbar, ohne den Malt aber komplett zu dominieren. Nicht überaus komplex, aber sehr wohlriechend und -schmeckend. Und für das Geld muss da definitiv eine Flasche her.   

Sonntag, 24. Juli 2016

#149: West Cork 12 Jahre Port Cask Finish



Nach den neuen NAS von der irischen West Cork Distillers Company kommen jetzt die Nachgereiften mit Altersangabe dran! Auch hier stammt der Whiskey aus einer nicht näher genannten anderen irischen Brennerei. 
Vielen Dank an Kirsch Whisky Import für die Probe und das Foto.


Farbe
Blasses Gold

Nase
Der Einfluss des Portweins ist subtil, aber sofort spürbar. Süßer Honig, Malz und eine zarte Weinigkeit. Mit der Zeit wird er immer frischer, eine zarte und angenehm zurückhaltende Säure vom Port kommt auf. Erinnert an zerstoßene Minzblätter mit braunem Zucker... Mojito Irish Whiskey Style?!

Geschmack
Elegant und weich auf der Zunge, jedoch durch seine 43% spürbar intensiver als seine 40 prozentigen Brüder. Steht ihm gut! 
Süß-sauer, wobei die Süße klar überwiegt. Schokolade, Himbeeren, Rohrzucker und einige Getreidenoten.
Finish
Im relativ kurzen Abgang kommt eine beginnende Würze aus den Fässern auf und bringt milden Pfeffer, Zartbitterschokolade und einige helle Früchte. Er lädt immer wieder zu einem weiteren Schluck ein.
Fazit
Ein schöner Whiskey mit einer spürbaren, aber nicht dominierenden Portwein-Facette. Der höhere Alkoholgehalt von 43% gibt ihm die nötige Kraft auf der Zunge. Der Abgang könnte komplexer und fruchtiger sein, dazu hätte es ein paar Jahre mehr im Portwein-Fass gebraucht. Klasse PLV und guter, süffiger Single Malt Whiskey aus Irland.
 

Mittwoch, 20. Juli 2016

#148: Craigellachie 2006 C&S Dram Collection


 


Heute wieder ein Kandidat für den "Sommer-Whisky 2016". Doch was ist das? 65,4% Alkoholstärke nach 9 Jahren Reifezeit? Wow, da ist definitiv mehr Wasser als Alkohol aus dem Fass verdunstet. :-)
Wie sich zeigt, ist der Einsatz von Wasser hier absolut empfehlenswert - bekommt der sehr gute Malt ein noch besseres Preis-Leistungs-Verhältnis. Da ist locker 1 Liter in Trinkstärke drin.
Vielen Dank an Caminneci Wine & Spirit Partner für die Probe und das Foto.


Farbe
Blasses Gold

Nase
Die 65% Alkohol spürt man sehr deutlich, das ist unheimlich intensiver, kraftvoller Stoff. Bei vorsichtigem Nosing finden sich aber schon unverdünnt viel Vanille und zahlreiche helle Früchte. Unreife Banane, ein Alkohol eingelegte Dosenfrüchte. Mit einem ordentlichen Schuss Wasser wird es erheblich angenehmer. Weiterhin viel Vanille, etwas Karamell, Ananas, Kiwi und Litschisaft. 

Geschmack
Zuerst süß mit Malz, Hagelzucker und wieder gemischten Dosenfrüchten. Dann wird der ganze Mund richtig heiß, es wird pfeffrig scharf und sehr intensiv. Die Zunge wird von der geballten Macht des Alkohols attackiert. Mit Wasser bleibt die Schärfe, er wird aber insgesamt einfacher zu genießen. Vanillezucker trifft auf Fruchtsalat und auch das Fass ist mit einer zarten Eichenwürze am Rande spürbar.

Finish
Recht kurz aber sehr angenehm und ob der großen Kraft wird die ganze Speiseröhre so richtig warm. Vanillecreme und Karamellbonbons und auch die eingekochten Früchte lassen sich erahnen. Nach wenigen Augenblicken ist nur noch an den Wangen ein wenig von den Aromen zu finden. Das macht Lust auf den nächsten Schluck.

Fazit
Während so mancher Vertreter anderer Brennereien in dieser Stärke bereits ganz gut genießbar ist, muss hier aus meiner Sicht definitiv Wasser ran. Man bekommt hier richtig viel Whisky für's Geld, mit entsprechender Verdünnung ist da locker ein Liter sommerlicher, fruchtiger und schnörkelloser Craigellachie aus dem Ex-Bourbon Fass drin. Passt gut für den Sommer, der kurze Abgang und die angenehmen Aromen machen ihn direkt gefährlich. ;-)
 

Sonntag, 17. Juli 2016

#147: BenRiach 17 Jahre Solstice - Heavily Peated Port Wood Finish





BenRiach. 17 Jahre. Port Wood. Heavily Peated.
Das klingt nach einer Rezeptur ganz nach meinem Geschmack! Als Nachfolger des 15-jährigen Solstice, der ebenfalls stark rauchig und mit Portwein-Finish daherkam läuft nun leider auch der 17er schon wieder aus und wird langsam aber sicher teurer und seltener...


Farbe
Helle Kastanie

Nase
Trockener Holzrauch, dunkle Süße und schwere Portweinnoten sind sofort da und eng miteinander verwoben. Der Rauch ist holzig und auch einige Kräuter werden in die Glut gelegt, für mich unverwechselbar BenRiach. Nach und nach wird der Rauch phenolischer und gibt gleichzeitig die dahinter liegenden Aromen frei. Himbeeren, schwarze Johannisbeeren, Pfirsiche - natürlich alle geröstet. Gesalzene Erdnüsse und eine gewisse Erdigkeit. Der Alkohol ist perfekt eingebunden.

Geschmack
Heftiger Antritt, im positiven Sinne ungehobelt. Gegrillter Speck, viel Rauch und wieder die eher säuerlichen Beeren. Für mich gibt die Himbeere auch im Geschmack den Ton an. Auch ein wenig Orangenschale ist dabei. Dann wird herbal und zartbitter, die für mich so typischen BenRiach Kräuterbonbons sind da. Auch ein wenig Eichentannine prickeln auf der Zunge, ist aber nicht wirklich intensiv. Die Port-Fässer sind vermutlich schonmal zuvor mit Whisky befüllt gewesen.

Finish
 Lang, warm und intensiv. Holzrauch, Aschenbecher, Zigarre und schwarzer Pfeffer. Gleichzeitig findet aber auch die Süße und die weinigen, säuerlichen Beerennoten einen Weg durch den Rauch und grüßen ein letztes Mal...

Fazit
Sehr komplex, vielseitig und eng verwoben - der BenRiach Solstice 17 Jahre macht richtig Spaß. Die Alkoholstärke von 50% ABV gibt ihm sehr viel Kraft, ohne ihn aber zu heftig werden zu lassen. Wäre der Rauch nicht so holzig-kräuterig (<3 BenRiach!) würde er glatt nach Islay passen.

Sonntag, 10. Juli 2016

#146: Bruichladdich PHD_135 - Feis Ile 2016





Eine der drei Sonderabfüllungen von Bruichladdich zum Islay Festival "Feis Ile" in 2016. Die Flasche steht für den Anspruch, den man sich bei Bruichladdich selbst auferlegt hat: Progressive Hybridean Distillers (PHD). Die Brennerei wurde in 1881 gegründet - in 2016 ist sie also 135 Jahre alt. Soviel zu Erklärung des Namens und der Zahlen auf der Flasche. Mit dieser Abfüllung will Head Distiller Adam Hannett also zeigen, wofür man steht und wie Markenclaims erfüllen. 
Eine Besonderheit ist auch, dass das Vatting aus den verschiedenen Fässern ganz zum Schluss noch einige Zeit in Virgin Oak nachgereift wurde, also jungfräulichen Eichenholzfässern, in denen zuvor noch keine Spirituose lagerte.


Farbe
Goldbraun

Nase
Direkt nach dem Einschenken dominiert das Virgin Oak: Intensive, sirupartige Süße, Zimt, Holzigkeit und eine nicht störende Klebstoffnote.
Von Minute zu Minute an der Luft kommen mehr und komplexere Aromen hervor. Erst ein ganz zarter Anflug von Rauch, dann rote Äpfel und Trauben, Rosinen, Milchschokolade und Vanillezucker. Dahinter spürt man auch die Weinfässer mit leicht säuerlicher Fruchtigkeit von Stachelbeeren und einer trockenen Holznote.


Geschmack
Schwer, süß, cremig und intensiv auf der Zunge. Sofort kleidet eine angenehme und warme Holzigkeit den Mundraum aus. Der leichte Rauch ist wieder da. Haselnuss, Espresso (stark, nicht bitter!), Herrenschokolade. Und die immer trockener werdende Holzigkeit der Fässer.

Finish
Lang und weich mit verbranntem Karamell, Rosinen, verschiedenen dunklen Gewürzen und einer trockenen Holzigkeit, die gar nicht verblassen möchte. Eine zarte Bitterkeit kommt zum Ende hin auf.

Fazit
Mir imponiert besonders, wie klar die verwendeten Ex-Bourbon-, Wein-, Sherry- und Virgin Oak Fässer klar zu erkennen sind. Keine Facette überlagert die andere, ein Gesamtkunstwerk, das es mit viel Zeit zu erkunden gilt. Aus meiner Sicht erreicht diese Abfüllung absolut ihr gestecktes Ziel: Die Kunst des Umgangs mit Fässern in Form eines innovativen Whiskys zu demonstrieren.
Am ehsten vergleichbar mit einem Black Art.
 

Donnerstag, 7. Juli 2016

#145: Nikka - From The Barrel




Die Nikka Whisky Distilling Co. Ltd. besitzt mit Yoichi und Miyagikyo zwei Brennereien in Japan und zudem die Ben Nevis Brennerei in Schottland. Der Nikka "From The Barrel" ist ein fassstarker Blend, der aus Malt- und Grainwhiskies aus den beiden japanischen Brennereien erschaffen wird.
Mit um die 30 EUR für einem halben Liter ist dieser Whisky - für japanischen Whisky sehr unüblich - preiswert zu haben.


Farbe
Rostbraun

Nase
Sehr intensiv, voll und wunderbar süß. Schweres, dunkles Karamell und viel Bergamotteöl. Reife Saftorangen, Birne und grüner Tee. Gleichzeitig ist auch das Eichenholz intensiv und bringt neben warmer Holzigkeit von frisch gesägtem Holz auch etwas Zimt und Pfeffer. Der Alkohol ist durchaus spürbar, nähert man sich etwas zu forsch.

Geschmack
Der Alkohol schiebt richtig an, brennt aber keineswegs im Mund. Intensive Orange mit einem leichten Hang zur Bitterorange. Birnen- und Apfelspalten in karamellisiertem Zucker. Creme Brûlée und dazu ein schwarzer Kaffee.

Finish
Mittellang und langsam immer trockener werdend. Von Marzipan und Fruchtsalat, über geröstete Mandeln bis hin zum Espresso und deutlichen Tanninen aus den Eichenfässern ist alles dabei. Während die Früchte langsam verblassen, bleibt die Bitterkeit noch lange zurück und spielt mit einer fernen Assoziation an Rauch.

Fazit
Ein absolut gelungener japanischer Whisky für einen genialen Preis! Komplex, intensiv und fruchtig und definitiv als Japaner zu erkennen. Diese parfumartige Komposition mit sauberer Trennung zwischen Frucht, Holz und Würze ist bezeichnend. Mit Wasser wird er noch zugänglicher, ohne aber an Komplexität einzubüßen. Ein Muss für jeden, der noch keinen Japaner im Glas hatte und definitiv sowohl für Einsteiger (mit Wasser), als auch für fortgeschrittene Genießer ein wahrer Genuss.

Dienstag, 5. Juli 2016

#144: West Cork: 10 Jahre, Cask Strength & Black Cask




In Zusammenarbeit mit der Firma Kirsch Whisky Import habe ich heute die Möglichkeit, neue Abfüllungen aus der West Cork Brennerei vorzustellen. 
Details zur Brennerei kommen im nächsten Artikel, wenn es um die Wood Finishes geht.
Heute dreht sich alles um die Core Range, die in Ex-Bourbon Fässern reifte.
Die ebenfalls neuen Wood Finishes folgen in einem der nächsten Artikel.


West Cork - 10 Jahre
Ex-Bourbon Casks, 40% ABV
https://www.whiskybase.com/whisky/81749/west-cork-10-year-old

Farbe
Altes Gold

Nase
Sehr frisch mit viel Zitronen und Limetten. Dazu ein bunter Mix aus frisch geschnittenen Fruchtstücken. Äpfel, Trauben, Ananas und auch hier wieder viel Zitrusfrucht. Auch einiges an Vanille und Süße aus dem First Fill Bourbon Fass. Insgesamt typisch Irish Whiskey: Mild, angenehm fruchtig. Besonders macht ihn an der Stelle eine Assoziation an Reifengummi, die gut eingebunden aber doch spürbar ist.

Geschmack
Sehr leicht und fruchtig, der Alkohol ist nicht spürbar. Leichte und vielseitige Fruchtnoten von Aprikose und Honigmelone. Die Zitrusfrüchte aus der Nase sind hier nicht vertreten. Nicht komplex, aber angenehm.

Finish
Mittellang verblassen die Fruchtnoten, besonders lange hält sich die Honigmelone mit ihrem etwas mehligen und pelzigen Anflug auf der Zunge. Vanille und Karamell finden sich ebenfalls. Nach hinten raus zeigt sich auch ein Anflug von Würze.


West Cork - Cask Strength
Ex-Bourbon Casks, 62,0% ABV

Farbe
Altes Gold

Nase
Zunächst starker Alkohol. Außer etwas Vanille, Menthol und einer leichten Süße kommt erstmal nicht viel. Etwas Zeit und Handwärme bringen rote Äpfel, Dosenpfirsiche und Puderzucker hervor. Dem 10-jährigen in Trinkstärke nicht unähnlich, aber viel intensiver und auch etwas pfeffrig. Der intensive Alkohol hält die Früchte etwas zurück. Mit Wasser runder, mehr Karamell und auch die Früchte gewinnen an Stärke.

Geschmack
Erstaunlich mild für 62%. Nach etwa 5-10 Sekunden prickelt es zwar intensiv und pfeffrig-scharf auf der Zunge, die dreifache Destillation hat aber wirklich positiv gewirkt! Wieder dominiert die Vanille. Malzbonbons und eine leicht säuerliche Zitrusfruchtnote.
Mit Wasser süßer aber auch noch pfeffriger. Jetzt spürt man auch einige Tannine aus den Fässern und eine leichte Bitterkeit vom Grain-Whiskey.

Finish
Gemessen an der intensiven Nase und dem starken Alkohol ist das Finish kurz und unspektakulär. Die Bourbon-Fässer bringen Vanille und Karamell, die Pfeffernote verfliegt schnell und bringt einige Pfirsiche und Äpfel, die aber schnell verfliegen.


West Cork - Black Cask
Double Charred Ex-Bourbon Casks (Char Level 5), 40% ABV

Farbe
Dunkles Gold

Nase
Das Finish in doppelt ausgebrannten Ex-Bourbon Fässern ist definitiv zu spüren. Zum einen sind da viel Vanille, dunkles Karamell und etwas dunklere Früchte: Aprikose, Birne. Zarte Röstaromen von geröstetem Malz. Auch etwas Kaffee und Pfeffer aus den Fässern kündigt sich an. Insgesamt aber auch hier sehr weich, süß, gefällig.

Geschmack
Sehr sehr leicht im Mund. Jetzt merkt man die stark karamellisierten Holzzucker richtig: Sehr viel Vanille und Karamellsüße. Malzig. Früchte finde ich so gut wie keine, aber die Röstaromen aus den Fässern sind da und bringen tatsächlich nach dem etwas laschen Mundgefühl einen intensiven Übergang hin zum Finish.

Finish
Cremig, süß und gleichzeitig immer würziger und trockener werdend. Die stark ausgekohlten Fässer bringen etwas Zimt, Pfeffer und mittleren Espresso an den Gaumen. Vanille, Karamell und Birnenkompott tauchen immer wieder auf.

Sonntag, 3. Juli 2016

#143: Ardbeg Ardbog


  • Brennerei: Ardbeg
  • Fasstyp: Ex-Bourbon Barrels & Manzanilla Sherry Butts
  • Alter: Keine Angabe (NAS)
  • Alkoholstärke: 52,1% ABV
  • Whiskybase: https://www.whiskybase.com/whisky/41713/ardbeg-ardbog 


Ardbog - ein Wortspiel aus Ardbeg und Bog (Sumpf). Der Name suggeriert schon eine tiefe Erdigkeit und Torfrauch. Der Whisky reifte in Ex-Bourbon und Manzanilla Sherry Fässern. Nicht genau bekannt ist, ob es sich dabei um ein Vatting aus beiden Fasstypen (eher unwahrscheinlich) oder ein Finish (eher wahrscheinlich) handelt. Manzanilla ist ein knochentrockener Sherry.


Farbe
Kupfer

Nase
Ausgeprägte Salzigkeit und eine kühlende Kräuternote, wie ein süßer Hustensaft. Der Rauch ist da, aber nicht so dominant wie erwartet. Leder, Tabak und auch Jod. Die Manzanillafässer bringen eine sehr trockene Holzigkeit, die an Walnüsse erinnert, aber auch Brombeermarmelade, Orangenschalen und Nelken mit.

Geschmack
Ein echter Holz-Hammer - hier geben die Fässer den Ton an. Sehr würzig und trocken mit Ingwer, Pfeffer und ungesüßter Lakritze. Dazu jetzt intensiverer Rauch, Asche, Tabak und starker Espresso. Der Alkohol schiebt an, ist aber ingesamt angenehm, geht gut ohne Wasser.

Finish
Recht lang und definitiv weiterhin von den Fässern getrieben. Das ganze Gewürzregal wird ins Feuer geworfen, die Gewürze und das Holz verkohlen langsam und stark rauchend zu Asche. Speck mit Salz- und Pfefferrand, schokolierte Espressobohnen.

Fazit
Ein sehr spannender Whisky! Wohl einer der fasslastigsten Ardbegs, die ich kenne. Hier ist kein Platz für halbe Sachen, zarte Früchte oder so - es geht richtig zur Sache. Gefällt mir gut, jedoch ist das auch nichts für alle Tage. Am meisten glänzt das Destillat von Ardbeg aus meiner Sicht, wenn der Brennereicharakter noch etwas Raum hat. Davon abgesehen mit Sicherheit eine der besten Sonderabfüllungen der letzten Jahre.

Donnerstag, 30. Juni 2016

#142: Blair Athol 2010 C&S Dram Collection





Von Blair Athol gibt es nur eine 12-jährige Standardabfüllung, jedoch viele unabhängige Abfüllungen. Eine mit 5 Jahren sehr junge Variante von Andrea Caminnecis C&S Dram Collection steht heute zur Verkostung an. Der Charakter von Blair Athol ist aus meiner Sicht sehr intensiv und süß - so jugendlich hatte ich noch keinen Blair Athol im Glas.
Vielen Dank an Caminneci Wine & Spirit Partner für die Probe und das Foto.


Farbe
Zuerst richtig viel Alkohol, erinnert ein wenig an Nagellackentferner mit Mandelaroma. Natürlich ohne Aceton - hehe! Dahinter spürt man, wie die schönen Aromen aus dem Sherry Butt hervorkommen wollen: Roter Apfel, Rosinen, viel Karamell. Der Alkohol hält sie zurück, also gebe ich etwas Wasser hinzu. Der Alkohol tritt zurück und gibt Mandelöl, Apfel, Nektarine und eine feine Süße frei. Nichts desto trotz kommt er auch jetzt noch alkoholisch, jung und ungestüm daher.

Geschmack
Unerwartet sehr süß, cremig und butterweich auf der Zunge. Honig, Malzbonbons und viele helle Früchte. Mirabellen, Äpfel, Trauben. Unmittelbar beim Herunterschlucken kommt dann die mit einem metallischen Eindruck am Gaumen und herben Kräuternoten auf der Zunge die Jugend nun doch zurück.

Finish
Auf der einen Seite weiterhin cremig, süß und sehr angenehm mit Karamell, Honig und zarten Fruchtnoten, bestreut mit etwas Kaffeepulver. Die Bitterkeit und Jugend bleiben noch ein Weilchen da und ziehen sich zum Ende des mittellangen Finish zurück.

Fazit
Hmm... Etwas schwierig. Auf der einen Seite hochinteressant, vom Brennereicharakter getrieben und im Geschmack überraschend ausgereift. Auf der anderen Seite für mich dann zu viel Jugend und zu aggressiver Eindruck von Rohrbrand. Dieser Whisky vermittelt einen tollen Eindruck, wie sich der Rohbrand mit zunehmender Reifung verändert und bietet die seltene Möglichkeit, einen so jungen Malt in voller Stärke zu erfahren, den Charakter und den Einfluss der Fassreifung in frühem Stadium zu erkunden.

Dienstag, 28. Juni 2016

#141: Caol Ila 2005 Gordon & MacPhail Exclusive for Germany





Den Abschluss meiner Trilogie zu den neuen Abfüllungen von G&M für Deutschland bildet ein fassstarker Caol Ila, der nach 11 Jahren in einem First Fill Bourbon Barrel ordentlich Rauch und starke Frucht- und Süße bieten sollte. Ich bin sehr gespannt!
Vielen Dank an Kirsch Whisky Import für Probe und Foto.


Farbe
Blasses Gold

Nase
Kräftiger, warmer und süßlicher Rauch. Verbrannter Speck, glühende Holzkohle, altes Leder. Der Rauch ist mehr aschig, als phenolisch oder holzig. Hinter dem Rauch erstarken von Minute zu Minute reife Früchte und süßes Malz. Reife Äpfel, Bananen und auch einige Zitrusfrüchte, die eine angenehme Frische einbringen. Der Alkohol ist gut eingebunden, hält man die Nase nicht allzu forsch ins Glas, ist er hinter Rauch und Früchten kaum auszumachen.

Geschmack
Der Rauch hält sich zunächst sehr zurück und offenbart süße Malzigkeit und helle Fruchtnoten. Wieder dominieren die Zitrusfrüchte mit einer erfrischenden Säure. Dazu rauchiges Karamell und etwas Schokolade. Erst beim Herunterschlucken ist man plötzlich wieder auf Islay, der Rauch schlägt wieder voll zu. Würziger, erdiger Rauch und pfeffrige Schärfe vor Beginn des Abgangs.

Finish
Lang und intensiv rauchig mit Holzkohle, Asche und verbranntem Holz. Die Früchte machen dem Rauch Platz, nur mehr das süße Malz und eine immer wieder aufglimmende Zitrusnote erinnern an die Süße im Aroma und im Geschmack. Mit Pfeffer, Bitterschokolade und etwas Leder wird er immer trockener und bleibt noch richtig lang im Mund.

Fazit
Ein geradliniger, schöner Caol Ila am Anfang seiner besten Jahre. Der Rauch ist, vor allem im Abgang, noch richtig intensiv und kraftvoll – jedoch setzen sich die süßen, fruchtigen Noten aus dem 1st Fill Ex-Bourbon Fass schön durch und erzeugen eine schöne Gesamtkomposition. Gefällt mir gut und ist definitiv eine Alternative z.B. zum Ardbeg Ten, da hier mehr „Wumms“ aufgrund höheren Alkoholgehalts geboten wird.

Sonntag, 26. Juni 2016

#140: Hotel Essener Hof Nr. 9 Irish Single Malt Whiskey, 14 Jahre Port Pipe



Irischer Whiskey erlebt seit Monaten einen nicht enden wollenden Höhenflug. Weit über 10 neue Brennereien befinden sich dort im Bau bzw. in der Gründung, viele neue Abfüllungen kommen auf den Markt. So auch die für das Hotel Essener Hof abgefüllten Single Malt Whiskeys aus dem Lager von Jack Teeling. Die Nummer 9 von 10 wandert heute in mein Glas und reifte 14 Jahre in einem Ex Portwein Pipe. 
Vielen Dank an das Brühler Whiskyhaus für die Probe und das Foto.


Farbe
Rotbraun

Nase
Direkt nach dem Einschenken tut sich nicht viel. Kräftiger Alkohol, Nussigkeit und Eichenwürze. Der Whiskey gibt sich etwas zickig. Nach etwa einer halben Stunde an der Luft öffnet er sich. Eine intensive, trockene Portweinnote führt an, gefolgt von gemahlenen Haselnüssen und Mandeln, dunkler Schokolade. In diese Schokolade werden dunke Früchte getaucht. Da sind Brombeeren, Himbeeren und dunkler Pfirsich. Eine intensive Eichenfracht verheißt mit frisch gesägtem Holz ein intensives Mundgefühl. Mit Wasser kommt auch etwas Vanille und Karamell auf. Die auch nach längerer Zeit an der Luft immer noch vorhandene Kraft des Alkohols lässt sich damit auch zähmen, ohne die Aromen groß zu verändern.

Geschmack
Der ganze Mund wird mit intensiven Weinnoten ausgekleidet. Eichenholz, florale Kräuternoten und richtig viel Kraft auf der Zunge. Der Portweineinfluss legt sich wie eine Schicht um den ganzen Mund und gibt dann nach und nach verschiedene Schokofrüchte frei. Intensive, dunkle, hochwertige Bitterschokolade umhüllt die süßen Beeren.

Finish
Mittellang und trocken klingt der Whiskey ab. Die schon vom ersten Augenblick an vorhandene Dominanz des Port-Pipes wird jetzt klar. Schwarzer Pfeffer, starker Kaffee, Kräuterbonbons und intensive Holzigkeit am Gaumen. Auch die Weinnoten, die diesen Malt tragen, sind immer wieder da. Das Finish verleitet zum Nachschenken.

Fazit
Irischer Whiskey ist weich, sanft und "easy"? Hier nicht! Das ist ein gänzlich neues Erlebnis, wenn man bisher nur Bushmills und Co aus Irland im Glas hatte. Intensiv, dominiert vom Fass, starker Alkohol und starke Aromen. Mit Wasser lässt er sich wunderbar auf die jeweilige Tagesform modulieren, bleibt dabei aber immer klar fasslastig und süffig.



Donnerstag, 23. Juni 2016

#139: Aultmore 2005 - 2016 Refill Bourbon Barrel - Gordon & MacPhail Exklusive for Germany

  • Brennerei: Aultmore
  • Fasstyp: Refill Bourbon Barrel
  • Jahrgang: 2005 (Abgefüllt in 2016 mit 10 Jahren Alter)
  • Abfüller: Gordon & MacPhail, exklusiv für Deutschland
  • Alkoholstärke: 58,5% ABV
  • Whiskybase: https://www.whiskybase.com/whisky/83651/2005-gm




Aultmore produziert als nahezu ausschließlich für die Blend Industrie und findet sich im Dewar's und im Old Perth Blended Malt. Standardabfüllungen gibt es so gut wie keine und die Brennerei hat auch kein Visitor Center und ist nicht für Besucher geöffnet. Hier geht es also eher industriell zu, was der Qualität des Malts aber ja keinen Abbruch tun muss.
Dieser Aultmore stammt aus einem Refill Bourbon Fass und wurde von Gordon & MacPhail speziell für den deutschen Markt abgefüllt.
Ich danke Kirsch Whisky Import für die Probe und das Foto.


Farbe
Blasses Gold

Nase

Der erste Eindruck ist zurückhaltend. Außer Vanille, etwas Pfeffer und gemischten Kräuterbonbons kommt erstmal nicht viel. Ganz langsam kommt nach und nach die Fruchtigkeit auf. Unreife Banane, getrocknete Aprikose. Der Alkohol weht mit viel Minze recht kräftig aus dem Glas.
Mit etwas Wasser werden die Früchte stärker und das Fass wird mit gerösteten Nüssen spürbarer. 


Geschmack
Sehr kräftig und überraschenderweise getragen von intensiver Eichenwürze und mehr als nur ein wenig Bitterkeit aus dem Fass. Gleichzeitig ist er süß mit sanften Äpfeln, Bananen und einem Hauch entfernter Schokolade. Auch die Kräuter sind wieder mit von der Partie. Der Alkohol gibt ordentlich Kraft, brennt aber zu keiner Zeit.


Finish

Ab dem Übergang vom Geschmack zum warmen, mittellangen Finish gibt das Fass so richtig Gas. Es herrschen jetzt klar grasige Kräuternoten vor, die von einer recht starken Bitterkeit umgegeben sind. Walnussschalen kommen in den Sinn… Etwas Minze kommt hervor, von den Früchten ist leider nicht mehr viel geblieben.

Fazit

Dieser Aultmore weiß mich nicht zu begeistern. In der Nase zu zurückhaltend, im Geschmack etwas eindimensional und im Finish zu stark auf der bitteren Seite. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier ein etwas müdes Fass zur Abfüllung gekommen ist. Von den kräftigen, intensiven Frucht-, Vanille- und Karamellnoten der ersten Befüllungen ist nur mehr ein Schatten geblieben und es herrschen die Tannine vor. Für Fans von intensiven Kräutern und bitterem Kaffee aber ggfs. ein Tipp.  

Dienstag, 21. Juni 2016

138: Glenrothes 2000 - 2016 1st Fill Bourbon, Gordon & MacPhail Exklusive for Germany

  • Brennerei: Glenrothes
  • Fasstyp: 1st Fill Bourbon Barrel
  • Jahrgang: 2000 (Abgefüllt in 2016 mit 15 Jahren Alter)
  • Abfüller: Gordon & MacPhail, exklusiv für Deutschland
  • Alkoholstärke: 40% ABV
  • Whiskybase: https://www.whiskybase.com/whisky/83630/2000-gm





Im Juni bringt Gordon & MacPhail wieder drei Abfüllungen speziell für den deutschen Markt. Die Einzelfassabfüllungen kommen ungefiltert und ohne Farbstoff daher. Heute ist ein Glenrothes aus dem 1st Fill Bourbon Barrel mein erster Kandidat. Ein Aultmore und ein Caol Ila folgen in den nächsten Tagen.
Ich danke Kirsch Whisky Import für die Probe und das Foto.


Farbe
Fahles Gold


Nase
Sofort springen einen die sommerlichen Früchte an. Zuerst etwas säuerlich mit grünem Apfel, Ananas und Zitrone. Wenig später roter Apfel und Pfirsich. Sehr süß und gefällig. Zuckerwatte, Mandeln und Sirup umrahmen die Früchte. Insgesamt frisch, fruchtig, spritzig – sehr sommerlich! Der Alkohol ist nicht spürbar, was aber auch den niedrig angesetzten 40 Volumenprozenten liegen dürfte.

Geschmack

Leicht und mit zarter Süße tritt der Glenrothes auf die Zunge. Mandelsirup, Marzipan, Pfirsichcreme. Die Früchte sind jetzt nicht mehr so definiert wie im Aroma. Vielmehr ein leichter Fruchtsalat mit Fokus auf hellen, süßen Südfrüchten. Auch das Fass spürt man jetzt mit ganz entfernter Würzigkeit und einem minimalen Hauch von Bitterkeit an den Wangen. 

Finish

Mittellang und langsam trockener werdend. Die Früchte sind jetzt komplett getrocknet. Man stelle sich eine Tüte mit gemischten Trockenfrüchten vor: Pfirsiche, Aprikosen, Ananas, …
Wenn die Frucht verklungen ist, bleibt milder weißer Pfeffer und dunkles Kakaopulver auf der Zunge zurück.


Fazit

Ein sehr fruchtiger und süßer Whisky für einen lauen Sommerabend auf der Terrasse oder dem Balkon. Während die Nase noch spritzig und frisch erscheint, bauen sich über den Geschmack bis zum Finish immer mehr oxidierte Fruchtnoten auf und bilden so einen guten Spannungsbogen. Das Mundgefühl ist mit den nur 40% Alkohol zu schwach geraten, ich würde mir mehr Druck wünschen. So aber vielleicht auch für Neueinsteiger interessant, die statt einem Cocktail am Abend mal einen guten Whisky trinken möchten.

Sonntag, 19. Juni 2016

#137: Bruichladdich 1991 "Laggan Point" - Château Latour Finish







Heute greife ich tief in mein Archiv an Tasting Notes. Ein Spitzenmalt, der vom unabhängigen Abfüller Murray McDavid, damals noch in Hand von Jim McEwan und Co, für die Vinothek Massen in Luxemburg ausgesucht wurde. Immer noch sehr gefragt, aber leider kaum mehr zu bekommen, bewegt er nach wie vor die Bruichladdich Freunde. Warum poste ich das gerade jetzt? Die letzten Reste meiner Flasche begleiteten mich auf meine Hochzeitsreise Anfang Mai und so wurde mir wieder bewusst, wie genial dieser Whisky tatsächlich ist. Genießt ihn noch einmal mit mir!


Farbe
Mahagoni

Nase
Süße Vollmilch Pralinen, Erdbeeren, Trauben - dahinter steigt Würze vom europäischen Eichenfass auf, in dem der Chateau Latour lag. Je länger der Malt atmet, desto mehr weichen die Schokofrüchte dem Einfluss des Weins. Es bleibt süß, aber wird fruchtiger. Mit Wasser: Noch süßer. Geht das überhaupt? Honig. Aufgeschnittene Erdbeeren mit Puderzucker, roter Früchtetee. Dahinter ein winziger Hauch kühlende Minze. Nach einiger Zeit kommt eine erdige Note durch, wie ich sie von Weinfinishes kenne. Reminiszenzen an einen muffigen Fasskeller mit Lehmboden. Schön. 

Geschmack

Kräftig, stürmisch, es prickelt kurz auf der Zunge. Erdbeeren und Trauben sind wieder da, begleitet von etwas Marzipan. Eine holzige Note begleitet die Süße. Erinnert mich an Zedernholz. Vom Brennereicharakter spüre ich nur mit viel Phantasie etwas - es muss sich hier um ein aktives Spitzen-Weinfass gehandelt haben. Die langsame und sorgfältige Destillation von Bruichladdich zeigt auch hier: Mit seinen 51,7% Alkohol ist auch dieser Malt angenehm unverdünnt zu genießen.
Mit Wasser: Zugänglich. Die Schärfe weicht, alle Eingangs beschriebenen Noten erstarken. Das Wasser bringt hier meiner Meinung nach keine neuen Aromen, macht den Malt aber runder und er öffnet sich leichter.


Finish
Wärmend zieht der Malt den Rachen hinab, es bleibt eine deutliche Bitterkeit zurück. Das Weinfass aus europäischer Eiche hat hier deutliche Spuren hinterlassen. Wie lange wohl das Finish war? Die Eiche ist noch nicht überbordend stark. Zwischenzeitlich tauchen immer wieder die roten Früchte und Marzipan auf und relativeren den zunächst bitteren Eindruck ins Positive. Insgesamt ist das Finish sehr lang und angenehm, nach einigen Minuten ist nur noch Süße übrig, die aber partout nicht gehen will....

Fazit
Rotwein-Finishes überzeugen mich oftmals nicht - die Eiche und Würze sind mir hier bisweilen einfach zu stark. Hier stimmt aber die Balance! Sehr süß und gefällig und doch mit der richtigen Portion "Wumms" - ein Inselwhisky bleibt er doch, auch ohne Rauch.

Donnerstag, 16. Juni 2016

#136: Teerenpeli Kaski - Single Malt from Finland


Heute bin ich beim letzten der drei Teerenpeli aus Finnland angekommen. Anders als die anderen beiden reifte der "Kaski" ausschließlich in Sherryfässern. Die Farbe ist hier schon richtig vielversprechend. Während die Karhi und Rasi schon sehr gut, aber insgesamt etwas zu leicht ausfallen, verspreche ich mir hier durch das intensive Sherryfass auf jeden Fall mehr!

Vielen Dank an Kirsch Whisky Import für die Probe und das Foto.


Farbe
Dunkles Goldbraun

Nase
Viel Sherryeinfluss, aber auch irgendwie anders. Zuerst sind da Geröstete Nüsse, dunkle Beeren, Kirschen, Zedernholz und dunkle Schokolade. Dahinter finde ich Bananen, Malzbier und leider auch eine jugendliche Anmutung des Alkohols. Der Whisky kaschiert seine Jugend gut mit dem Sherryfass, sie vermag sich aber nicht zu verstecken.

Geschmack
Leicht und angenehm, fast ein wenig wässrig auf der Zunge. Dunkles Karamell, Haselnusscreme, Milchkaffee und viel Sherry und Süße auf der Zunge. Pflaumenmus und dunkle Schokolade runden den Geschmack ab. Dahinter Räucherwurst und Sägespäne. Der Alkohol erscheint auch hier etwas jugendlich, aber nicht übermäßig störend.

Finish
Mittellang und getragen vom Sherryfass. Geröstete Nüsse und Karamell verklingeln schnell und machen Platz für trockene Holznoten, etwas Holzrauch, milde Lakritze und ein angenehm wärmendes Gefühl.

Fazit

Sehr gelungen. Noch passt die Balance aus sanftem Mundgefühl und dennoch vorhandener alkohlischer Jugend nicht ganz, die guten Sherryfässer gleichen dies aber ein Stück weit aus. Wenn hier eine noch längere Reifung erfolgt und das Gleichgewicht kommt, können wir hier mit einem Spitzenmalt auf dem Niveau eines Glen Els aus Deutschland, zudem ich einige Parallelen schmecke, erwarten. Schon jetzt ein guter Dram.

Dienstag, 14. Juni 2016

#135: Teerenpeli Karhi - Single Malt from Finland







Heute wandert der zweite von drei Finnen in mein Glas! Diesmal der "Karhi" (Finnisch für "Egge", ein Ackergerät), der in einer für mich sehr vielversprechenden Fasskombination gereift wurde. Nach der ersten Reifung in amerikanischen Ex-Bourbon Fässern erfolgte ein Finish in Madeira-Süßweinfässern. Diese bringen meist wundervolle Frucht- und Kuchennoten, weshalb diese Reifungen zu meinen liebsten zählen. Mal schauen wie sich der Finne so mit diesen Fässern verträgt.
Ich bedanke mich bei Kirsch Whisky Import für die Probe und das Foto!


Farbe
Maisgelb

Nase
Sehr leicht und angenehm in der Nase. Das Madeirafinish ist sofort klar zu erkennen. Ich entdecke die typischen Noten von Fruchtkuchen und Parfum. Aprikosen, Pfirsiche, Saft von weißen Trauben. Dazu ordentlich Vanille, dunkles Karamell, helle Schokolade und eine sehr zurückhaltende Würzigkeit.

Geschmack
Sehr weich und seidig auf der Zunge, perfekt eingebundener Alkohol trifft auf getrocknete Feigen, Aprikosen und Apfelringe. Auch die Schokolade findet sich wieder, jetzt ist sie ein wenig kräftiger und zeigt zusammen mit kurz aufflackerender Holzigkeit und etwas Pfeffer und gemischten Nüssen den Fasseinfluss.  

Finish
Karamell und Früchte bleiben nur kurz, eine zartherbe Schokolade und etwas Kaffee bleiben mittellang. 

Fazit
Gefällt mir gut! Der Madeiraeinfluss ist sehr deutlich, ich liebe im Allgemeinen die tollen Fruchtnoten, die diese Süßweinfässer in den Whisky eintragen. Wie auch die anderen Teerenpeli Malts etwas zurückhaltend und sehr elegant. Preislich mit ca. 70€ für das Gebotene für mich etwas zu teuer, aber ein guter Malt!

Sonntag, 12. Juni 2016

#134: Port Charlotte Cask Exploration Valinch #08: Buain-Mhona








Wie habe ich mich auf diesen Whisky gefreut...! Ein 11 Jahre alter Port Charlotte, der seine gesamte Reifung in einem Rioja Rotweinfass verbrachte. Ein Rioja war auch mein Hochzeitswein. Dazu ziert mit Duncan McGillivray beim Torfstechen ein absolutes Laddie-Urgestein das Label.  


Farbe
Rostbraun mit rotem Einschlag

Nase
Süßer, sauberer, kräftiger - aber unaufdringlicher - Rauch. Wie man es an Port Charlotte kennt und schätzt. Kräftige Getreidenoten, geröstete Nüsse. Frisches Bauernbrot, wie es mein Großvater noch selbst im Holzofen gebacken hat. Die Kruste ist etwas angebrannt. Das Aroma hat darüber hinaus zwei Stadien: Zu Beginn findet sich der klassische "Port Charlotte Bauernhof" mit Stallgeruch, alten Kalksteinwänden, der Nadelwald neben dem Bauernhaus duftet ... Später dann tauchen auch süße, dunkle Fruchtnoten aus dem Weinfass auf. Da sind vollreife Äpfel, Brombeeren und Honig.

Geschmack
Ungeheuer kraftvoll und gleichzeitg samtig, warm und angenehm. Knapp unter 60% Alkoholgehalt sind hier so perfekt eingebunden, die Menschen bei Bruichladdich sind Meister ihres Handwerks! Dunkle Schokolade ohne Bitterkeit, eingeweichte Haferflocken, gemahlene Mandeln und Walnüsse. Es finden sich kaum bis garkeine Fruchtnoten. Der wundervolle warm-würzige Geschmack kommt dafür ohne auch nur einen Anflug jeglicher Fehlnoten daher. Perfektion.

Finish
Ein sehr trockenes Mundgefühl stellt sich ein, der Mund scheint wie von aromatischem Zedernholzstaub ausgekleidet. Geröstete Nüsse und Holzrauch mischen sich darunter. In weiter Ferne finden sich gegrillte, rote Früchte und ganz wenig Karamell. Es dominiert die Kraft des Eichenfasses, das in 10 Jahren milden Pfeffer, Espresso und viel Holzigkeit eingetragen hat, ohne jedoch Bitterkeit zu bringen. Der perfekt eingebundene doch sehr präsente Rauch sorgt für einen schier endlosen Abgang

Fazit
Ein Erlebnis! Der süße, typische Port Charlotte Rauch ist so perfekt verwoben, dass man gar nicht das Gefühl hat, hier einen stark rauchigen Whisky im Glas zu haben. Das Weinfass ist ein Stück weit atypisch, es fehlen Säure und die typische Bitterkeit aus den europäischen Weinfässern, was diesem Malt aber sehr zum Vorteil gereicht. Ein Gedicht, so angenehme Holznoten findet man nur selten. Wie als säße man im Winter in einer gut beheizten Bauernstube...