Dienstag, 29. September 2015

#050: Port Charlotte 2004 - Oloroso Sherry Cask - The Maltman




Fünfzig. So oft habe ich nun schon in meinem Blog auf "Veröffentlichen" geklickt und meine Tasting Notes mit Euch geteilt. Ich habe viel positives Feedback erreicht und über 2.000 Leute lesen innerhalb von 24 Stunden einen neuen Artikel - Tendenz steigend.
Das möchte ich heute mit einem wunderschönen, unabhängig abgefüllten, Port Charlotte feiern.


Farbe
Dunkles Kupfer

Nase
Angebrannte Schokomuffins, Rosinen, (an)gebrannte Mandeln, alte Holzkiste und etwas Schwefel. Fruchtiger Sherry mit sehr dunklen Beeren, Schokolade und Nüssen.
Mit der Zeit wird der zurückhaltende Rauch etwas phenolisch, hält sich aber weiterhin vergleichsweise zurück.


Geschmack
Zunächst sehr süß mit Milchschokolade, Mandeln, Rosinen und roten Trauben. Dann drängen Rauch und Alkohol mit Macht auf die Zunge und erwecken mit der für mich typischen Pfefferschärfe von Port Charlotte die süßen Sherrynoten richtig zum leben.

Abgang
Rauch, Asche, Tabak, Leder, Nüsse, Holzrauch und etwas salzige Gischt hinterlassen einen mittellangen und wärmenden Abgang im Mund. Eine Idee von schwarzem Kaffee und sehr dunkle Schokolade verbleibt noch länger als der Rauch im Mund.

Fazit
Dieser Whisky wirkt älter als er ist - besonders begeistert mich der für einen Port Charlottet sehr zurückhaltende Rauch, der in weitaus komplexere Aromen aufgegangen ist, die wunderbar mit dem starken Sherryeinfluss spielen.

90/100

Sonntag, 27. September 2015

#049: Edradour 2001 Port Cask Finish - for Whisky Barrel Belgium





Eines Tages entdeckte ich den Whiskyshop "The Whisky Barrel" aus Belgien. Ich erstand dort einige BenRiach Wood Finish Abfüllungen, die in Deutschland schon lange vergriffen waren - zum fast schon legendären Preis! Dieser Edradour fiel mir zusätzlich auf, eine eigene Abfüllung für diesen kleinen Shop, die zudem zu der Zeit die beste Bewertung aller Edradour in der Whiskybase aufweisen konnte. An dieser Stelle auch eine klare Empfehlung für diesen Shop. Faire Preise, günstiger Versand nach Deutschland, perfekte Verpackung. 


Farbe
Mahagoni mit rotem Einschlag

Nase
Fruchtalarm! Erdbeere, Brombeere, roter Apfel, Pfirsich und Stachelbeeren. Dazu die herrliche Süße von Marzipan, aber auch einige kraftvolle Röstaromen: Kaffee mit einem Schuss Milch, geröstete Nüsse und auch würzige Holznoten.
Mit Wasser werden die hellen Früchte stärker und es kommen einige Kräuter hinzu. Insgesamt bleibt er unheimlich fruchtig und süß.


Geschmack
Eine ganze Wagenladung voll roter Früchte. Wieder Erdbeeren, Kirschen, Pfirsiche, Banane... ein ganzer Fruchtcocktail, eingebettet in süßes Marzipan und umhüllt von Zartbitterschokolade.
Hier ist erstmals auch das Fass mit kräftigem Pfeffer und deutlichen Holznoten vertreten.

Abgang
Mittellang klingen die Früchte und vor allem das süße Marzipan im Mund ab. Am Gaumen bildet sich eine zarte Bitterkeit von italienischem Espresso.

Fazit
Wow - mehr Frucht in einem Whisky geht kaum! Das Portweinfass hat hier ganze Arbeit geleistet und ergänzt bzw. erweitert den tropischen Grundcharakter der Bourbonreifung mit voller Breitseite. Der mir z.T. etwas unangenehme Brennereicharakter von Edradour (etwas "seifig") wird dabei komplett überdeckt.
Wer auf fruchtige und süße Whiskys steht: Das ist er.

91/100

Freitag, 25. September 2015

#048: GlenDronach 15 Jahre Revival


  • Brennerei: GlenDronach
  • Fasstyp: Oloroso Sherry Casks
  • Alter: 15 Jahre
  • Alkoholstärke: 46% ABV
  • Whiskybase: https://www.whiskybase.com/whisky/7541/glendronach-15-year-old

Danke an Johannes Rösch Photography für das Foto!

Heute widme ich mich dem GlenDronach 15 Jahre "Revival". Leider ist "Revival" hier nicht mehr der Arbeitstitel, diese Abfüllung wird leider eingestellt und verschwindet derzeit (September 2015) unter steigenden Preisen langsam aber sich aus dem Handel...


Farbe
Kastanie

Nase
Eine ganz Flut an Aromen bricht über die Nase herein. Die gilt es mit etwas Zeit auseinander zu dividieren: Viel Olorso-Sherry, mehr fruchtig als süß. Orangen, Walnüsse, Rosinen und auch etwas Schwefel. Süße Balsamico-Creme, wie man sie z.B. zu Erdbeeren genießt, auch einige erdige Töne aus dem Fass sind dabei. Die europäische Eiche ist schon in der Nase sehr stark und erinnert dabei fast an eine leichte Rauchigkeit.
Alles in allem aber sehr "sauber" und überhaupt nicht muffig, wie es so manchem Sherryfasswhisky nachgesagt wird.


Geschmack
Sehr kraftvoll, die dominante europäische Eiche sorgt zusammen mit dem Alkohol für ein beeindruckend volles und dichtes Mundgefühl. Kaffee, dunkle Herrenschokolade. Hefezopf mit großzügig eingebackenen Rosinen, Orangeat und Zitronat, wie ihn meine Großmutter früher zu Weihnachten gebacken hat. Zimt, Kardamom und ein Hauch Rosenwasser, für Marzipan nicht süß genug. Ein wenig Ingwer am Ende bringt einen Hauch von Schärfe.

Abgang
Sehr lang und fruchtig-trocken. Die Eiche spielt ihre gesamte Stärke im Mundraum aus und lässt den Speichel noch lange nach dem Herunterschlucken des Whiskys fließen.
Wie ein starker Espresso bringt der Revival wundervolle Bitternoten und Röstaromen, die nach sehr lange nachhallen...

Fazit
Ein ausgezeichneter Sherrywhisky und ein Beispiel für die Qualitäten, die GlenDronach auszeichnen: Hervorragende, gut aufeinander abgestimmte Fässer und die richtige Balance zwischen Fass- und Brennereicharakter.
In 2015 soll er einer Pressemitteilung langsam vom Markt verschwinden, ich werde mir dafür definitiv noch einige Flaschen auf Lager legen. Ein perfekter "Every Day Sherry Dram".

87/100

Mittwoch, 23. September 2015

#047: GlenDronach 12 Jahre Original



Danke an Maximilian Glane für das Foto!


Und wieder einmal bin ich bei vermeintlichen "Allerweltsabfüllungen" angekommen. Diese Woche aus dem Hause GlenDronach - den Anfang macht heute der 12-Jährige "Original".
Dieser Whisky war lange Jahre, vor der Einführung des 8-jährigen "The Hielan'" der Einstieg in die sherrylastige Welt von GlenDronach.


Farbe
Heller Bernstein

Nase
Süße Trockenfrüchte, Datteln, Feigen, rote Trauben und süßes Malz. Dann erstarken Orangenmarmelade und feine Röstaromen, wie ein leichter Kaffee mit einem Schuss Milch.
Die Eiche der europäischen Sherryfässer trägt die Aromen zusammen mit der begrüßenswerten Trinkstärke von 43%.


Geschmack
Süß, weich und cremig - der Alkohol ist hervorragend eingebunden und bringt nur etwas Wärme in der Speiseröhre.
Honig, Sherryfrüchte, Milchschokolade, die Orangenmarmelade tendiert jetzt zu Aprikose-Erdbeere.
Auch die Eiche ist da, der Kaffee wird jetzt aus stärkeren Bohnen gemacht und ohne Milch serviert.


Abgang
Überraschend würzig und trocken. Gemischte Nüsse, Espresso und entfernte Rosinen. Dann etwas Pfeffer und Sahnekaramell. Die Süße ringt mit der Würze und kein Eindruck gewinnt dauerhaft die Oberhand.

Fazit
Mir gefällt besonders gut, dass sich der Eindruck von Kaffee vom leichten Milchkaffee bis zum Espresso über das gesamte Trinkerlebnis aufbaut und entwickelt.
Ein sehr schöner Einstieg in die Sherrywelt von GlenDronach und definitiv meilenweit komplexer und intensiver als der Hielan.


85/100

Sonntag, 20. September 2015

#046: Springbank 18 Jahre - Batch 1




Der Springbank 18 Jahre ist per se schon ein guter Whisky, vom allerersten Batch aus dem Jahr 2009 erwarte ich mir aber nochmals mehr.


Farbe
Tiefes Gold

Nase

Der erste Eindruck: SPRINGBANK! Leichter Rauch mischt sich mit dem typischen Brennereicharakter. Ganz leicht metallisch, mineralisch und irgendwie "dreckig". Nach einigen Augenblicken wird es dann richtig schön und sehr süß: Apfelbonbons, Marzipan, Saftorange, Himbeeren, Brombeeren. Milchschokolade. Im Hintergrund bildet eine schöne Würze mit etwas Leder und Bienenwachs die Basis. Überraschend frisch für sein Alter.

Geschmack
Sehr ölig kleidet der Malt sofort den gesamten Mundraum aus. Kraftvoll, fruchtig und honigsüß. Die Früchte sind im Mund dunkler: Reife Kirschen, Äpfel und dunkle Trauben. Der Sherryanteil ist hier deutlicher als im Aroma. Rauch und Eiche halten sich zurück sind aber im Hintergrund immer präsent.

Abgang
Nach dem Schlucken zunächst relativ bitter, das verfliegt aber schnell. Dann weiter Honig und vor allem Äpfel. Die würzige Eiche prickelt auf der Zunge.
Der Abgang ist mit Aroma und Geschmack leider nicht ganz auf einem Niveau, aber durch die Äpfel doch eigenständig und lecker.

Fazit
Wundervoll, vor allem die Nase und der Gaumen haben es mir angetan. Sehr oft habe erlebe ich erst im Finish die wirkliche Fülle an Aromen. Bei diesem Springbank macht das Mundgefühl richtig Spaß und man möchte ihn gar nicht herunterschlucken.
Im Vergleich fallen die jüngeren Batches des 18-Jährigen aus meiner Sicht doch deutlich zurück.

91/100

Donnerstag, 17. September 2015

#045: Benromach 2005 Hermitage Wood Finish



Nachdem ich vom Benromach 10 Jahre 100° Proof sehr begeistert war, konnte ich es kaum erwarten, noch mehr von dieser Brennerei zu probieren.
Heute habe ich einen im Hermitage-Rotweinfass nachgereiften Whisky vor mir und bin gespannt, welchen Einfluss der Rotwein auf den Benromach hatte.


Farbe
Dunkles Gold mit roten Anklängen

Nase
Ganz sanfter Rauch umspielt eine süß-säuerliche Fruchtnote. Sehr komplex und schwierig zu differenzieren. Granny Smith Äpfel, Stachelbeeren, Cranberries und später Ananas und etwas Marzipan. Dazu eine holzige Note von den verwendeten Weinfässern.

Geschmack
Sehr kraftvoll und würzig mit Zedernholz, Zimt, Kardamom und etwas kräftigerem Rauch, der leicht ins Medizinische dreht. Dazu wieder Cranberries, Brombeeren und auch einige süße Himbeeren.
Abgang
Asche, Menthol, und etwas gegrilltes Marzipan. Die Fruchtnoten verblassen und machen Platz für kräftige Würze aus dem Eichenholz.

Fazit
Sehr komplex und vielschichtig aber auch nicht gerade einfach. Wie so oft bei Whiskys aus dem Rotweinfass hat auch dieser Malt eine ganz spezielle Holznote, die nicht jedermanns Sache sein wird.

85/100



Dienstag, 15. September 2015

#044: Highland Park 18 Jahre




Der 18-jährige Highland Park genießt einen fast schon legendären Ruf unter den Standardabfüllungen der Brennerei auf den Orkney Inseln. Viele Genießer attestieren ihm, sogar mit den wesentlich teureren 25, oder gar 30-jährigen Abfüllungen mithalten zu können.
Eine große Bürde... Und eine große Erwartungshaltung meinerseits - ich bin gespannt!


Farbe
Tiefes Kupfer

Nase
Zarter, aromatischer Rauch mit der typischen Highland Park Note vom Heidekraut. Ein Anflug von Salz und Meer ist auch dabei. Süßer Waldhonig und flüssiges Karamell mit Mirabellen, Pflaumen, Brombeeren, roten Äpfeln und deutlicher Zitronensäure. Dann dunkler, der Sherry wird stärker. Die Pflaumen und Apfel jetzt gebacken, dazu gibt es Rosinen, Toffee und Schokolade.

Geschmack
Zart und doch mit Nachdruck tritt der Whisky cremig auf die Zunge. Süßer Honig, gegrillter Pfirsich, Heidekraut und deutlicher als in der Nase aufgeprägter Torfrauch. Trauben und Schokolade. Ritter Sport Traube-Nuss!

Abgang
Zu Beginn sind noch salziges Karamell, Trauben und süßer Sherry in der Führung. Schnell trockener werdend gehen bald Gewürze, Eiche und sehr dunkle Schokolade mit Espresso in die Führung. Am Ende verbleibt eine zart-rauchige Note noch lange im Mund.

Fazit
Der Highland Park 18 ist sehr facettenreich und bietet vom Meer, über wunderbare Früchte, Süße bis hin zu kräftigen Gewürzen und im Geschmack und Abgang angenehmen Rauch eine Reise über die gesamten Orkneyinseln.
Die älteren 25- und 30-jährigen Abfüllungen bieten aus meiner Sicht zwar nochmals deutlich mehr, aus Preis/Leistungssicht gesehen, ist der Achtzehnjährige aber immer einen Kauf wert - auch wenn die Preise zuletzt in Regionen zwischen 80-100 EUR gestiegen sein mögen.

89/100

Sonntag, 13. September 2015

#043: Bowmore 18 Jahre



Das Finale meiner Bowmore-Woche bildet das obere Ende der Standardrange: Der 18-Jährige.


Farbe
Gebranntes Kupfer

Nase
Sehr elegant und voll präsentieren sich eng miteinander verwobene Aromen: Rosinen in Milchschokolade, Sauerkirschen, Sahnekaramell und deutlicher Sherry. Über allem liegt eine blumige Parfümnote, die an ein Lavendelkissen erinnert. Die leichte Rauchigkeit ist hervorragend eingebunden und komplimentiert alle anderen Aromen, ohne sie zu überdecken.

Geschmack
Wundervoll weich und ölig auf der Zunge. Reife Kirschen, cremige dunkle Schokolade, Zedernholz und etwas Tabak. Der Rauch ist hier deutlicher zu spüren und bildet zusammen mit einer maritimen Note den Gegenpol zum Sherry.

Abgang
Zarter Rauch, Zedernholz, etwas Asche bilden einen eher herben Gesamteindruck. Dazu eindeutig salzige Meeresluft. Nach und nach kommt auch Marzipan mit eingekochten Früchten dazu.

Fazit
Dem "Darkest" nicht unähnlich aber wesentlich eleganter, runder, weicher und voller. Ein sehr eleganter Whisky ohne Ecken und Kanten.

88/100

Donnerstag, 10. September 2015

#042: Bowmore Darkest 15 Jahre




Diese Woche ist Bowmore-Woche. Der zweite Streich in der Standardrange, der Bowmore Darkest, wurde früher ohne Altersangabe abgefüllt, kommt aber nun seit einiger Zeit erfreulicherweise mit ordentlichen 15 Jahren Alter daher.


Farbe
Kupfer

Nase
Sehr süßer und dunkelfruchtiger Antritt. Der Rauch ist hier klar an der zweiten Stelle, duftend und präsent begleitet er Noten von Rosinen, Brombeeren mit ordentlich Karamell im Hintergrund.
Mit der Zeit wird der Rauch etwas krautig: Frisch gehackte Petersilie und etwas Salbei erinnen zusammen mit dem leicht medizinischen Rauch ganz entfernt an Hustensaft.


Geschmack
Erneut sehr dunkel und süß mit viel Sherry, Brombeermarmelade und zarter Rauchigkeit. Dazu Bratapfel mit Vanillesauce und etwas Karamell.
Hinten auf der Zunge prickelt deutliche Eichenwürze aus den Sherryfässern und setzt mit einem cremigen Kaffee den Kontrapunkt.


Abgang
Mittellang, von zartem Rauch und deutlicher Eiche dominiert. Zwischen Backpflaumen, Rosinen und Heidelbeeren kommt auch immer wieder etwas Zitrusfrucht und Minze hervor.

Fazit

Darkest - der Name ist Programm. Dieser Whisky weiß mit vielen "dunklen Aromen" zu glänzen und hat dabei trotzdem auch ansprechende Süße und Komplexität zu bieten. Gefällt mir sehr!

87/100

Dienstag, 8. September 2015

#041: Bowmore 12 Jahre



Diese Woche widme ich mich der Standardrange der Brennerei Bowmore. Als Liebhaber von Islaymalts ist es fast schon sträflich, wie lange ich die Malts der ältesten Brennerei der Insel vor mir her geschoben habe.


Farbe
Altes Gold

Nase
Abgestandenes Meerwasser, Mango, Aprikose und Zitronen. Zarter Rauch ist auch dabei. Trocken und leicht medizinisch kommt er daher. Die Früchte vermengen sich damit und erinnern so an einen fruchtigen Hustensaft. Dahinter liegt etwas Vanille und Karamell.

Geschmack
Frisch und jung mit Orangen, Zitronen und jetzt etwas kräftigerem Rauch. Ordentlich Salz und abgestandenes Wasser belegen die Zunge und die Wangen. 

Abgang
Relativ kurz und mit einigen Bitternoten der Eiche klingt der Bowmore ab. Honig, Vanille und Karamell geben sich erneut die Ehre.

Fazit
Ein nicht uninteressanter Einstieg in die Welt von Bowmore. Bleibt der Rauch in der Nase noch sehr zurückhaltend ist im Geschmack und Abgang dann doch eine moderate Rauchigkeit und schöne Fruchtaromen. Für Einsteiger in die rauchige Welt empfehlenswert.

84/100

Sonntag, 6. September 2015

#040: Bruichladdich 1984 Golder Still


  • Brennerei: Bruichladdich
  • Fasstyp: Bourbon Squat Hogsheads
  • Vintage: 1984 (24 Jahre alt)
  • Alkoholstärke: 51,0% ABV
  • Whiskybase: https://www.whiskybase.com/whisky/5600/bruichladdich-1984-golder-still


Der Bruichladdich Golder Still ist etwas ganz Besonderes. Er wurde in sogenannten "Squat" Hogsheads gereift. Diese großen und plump anmutenden Fässer bieten dem Whisky mehr Fläche für den Holzkontakt und werden heute meines Wissens nicht mehr eingesetzt. Hier ist also mit ganz besonders intensiven Aromen zu rechnen.


Farbe
Heller Bernstein

Nase
Buttrig und süß mit viel Vanille, Fudge und amerikanischen Cookies. Dahinter folgen viele reife und auch getrocknete Früchte: Roter Apfel, Pfirsich, Maracuja, Mango und Ananas. Ein Hauch Limettensaft und Zitronengras spielt mit einem Anflug von maritimen Noten - trotz all der Süße ist doch der Charakter Islays nicht zu verbergen.
Alles ist eingebettet in eine malzige und dickflüssig wirkende Süße, die mit zarten Eichentönen in Form von Walnüssen und einem Hauch Kaffee kontrastiert.

Geschmack
Kraftvoll und gleichzeitig mit eleganter Süße tritt der Malt auf die Zunge. Anfangs mit kräftiger Würze und einem Hauch Pfeffer folgen schnell sehr viele getrocknete Früchte: Pfirsich, Nektarine, Ananas- und Apfelringe. Jetzt nicht mehr so frisch und deutlich oxidierter als noch im Aroma. Das ölige Mundgefühl sorgt dafür, dass man dem Whisky gar nicht herunterschlucken möchte.


Abgang
Zuckriges Buttergebäck, Vanille, Karamell, Toffee... Die gesamte Palette rollt immer und immer wieder durch den Mund. Begleitet von inzwischen deutlich spürbarer Eichenwürzigkeit, etwas Pfeffer und mehr als nur einem Hauch von Seeluft und Gischt. Eine wunderbare Melange aus fruchtigem Paradies und rauem Küstencharme.

Fazit
Der fruchtig-florale Spirit von Bruichladdich harmoniert perfekt mit Ex-Bourbon-Fässern. In diesem Fall haben die schon lange aus dem Gebrauch verschwundenen "Squat-Hogsheads" mit ihrer großen Holzoberfläche einen wunderbar komplexen, tropisch-fruchtigen, aber unverkennbaren Bruichladdich geschaffen. Früher war eben doch so manches besser.

93/100

Donnerstag, 3. September 2015

#39: Mackmyra Rotspon Triple Wood



Danke für Probe & Foto an Schlüter's Genießertreff!

Dieser Mackmyra wurde zunächst in amerikanischer Weißweiche gereift, um dann seinen weiteren Ausbau in 30-Liter Gravityfässern aus amerikanischer und schwedischer Eiche zu erhalten. Das Finish erfolgte in einem Rotspon-Barriquefass der Weinkellerei von Have. Der Whisky ist eine Reminiszenz an die Hansezeit.
Das Sample und das Foto wurden mir netterweise von Schlüter's Genießertreff zur Verfügung gestellt - vielen Dank dafür!


Farbe
Gold mit roten Reflexen

Nase

Rote Beeren in Marzipan, viel Vanille und Karamell und eine deutliche Würzigkeit aus den Rotweinfässern, in denen der Malt sein Finish erhielt.
Später Vollmilchschokolade, etwas Heu und einige Kräuter. Der Alkohol ist gut eingebunden und kaum spürbar.


Geschmack
Weiche rote Trauben, Karamellbonbons und Vanillezucker. Gleichzeitig deutlich würzig mit schwarzem Pfeffer und Muskatnuss.
Von Eiche ist hier kaum etwas zu spüren, vielmehr bringt ein milder Pfeifentabak zusätzliche Würze.

Abgang
Im Abgang taucht doch die Eiche auf und prickelt etwas an den Wangen. Der Abgang gestaltet sich mittellang und fruchtig-würzig mit Trauben, Marzipan, Orangenschale und etwas Kaffee.

Fazit
Ein wundervoller Mackmyra! Von Jugend ist hier überhaupt nichts zu spüren, die verwendeten Fässer sind hervorragend aufeinander abgestimmt. Aus meiner Sicht kann diese Abfüllung sich durchaus mit Schwergewichten mit Weinfass-Finish, wie z.B. dem BenRiach 17 Jahre Burgundy Wood Finish, messen.

88/100

Dienstag, 1. September 2015

#038: Mackmyra Sommartid



Die schwedische Brennerei Mackmyra ist mir schon lange mit ihrem interessanten Fasskonzept, es werden viele verschiedene Fässer die u.a. vorher schwedischen Moltebeerenwein beinhaltet haben, verwendet und der modernen Aufmachung ihrer Produkte positiv aufgefallen.
Heute freue ich mich auf den "Sommartid" - dem Namen nach ein guter Tropfen für die heiße Jahreszeit. 
Danke für die Probe und das Foto an Schlüter's Genießertreff!


Farbe
Helles Stroh

Nase
Süß und zitronig-frisch mit hellen gelben Früchten, etwas Vanille, Honig und einer deutlich frischen Minze.
Dahinter gerösteter Buttertoast und beginnende Würzigkeit aus den Fässern. Insgesamt sehr leicht, duftend und sommerlich.


Geschmack
Buttrig und weich im ersten Antritt, doch es folgen sogleich würzige Kräuternoten und Gras - sehr floral.
Honig und Karamell spielen mit einer bitterlich-säuerlichen Komponente, die von den verwendeten Moltebeeren-Wein-Fässern stammen könnte.


Abgang
Kurz und sommerlich leicht mit viel Vanille, gerösteter Eiche und einem Hauch Karamell und einem Hauch tropischer Fruchtigkeit.

Fazit
Dieser Whisky ist sommerlich-leicht und bietet interessante Aromen, ohne dabei zu anspruchsvoll oder Komplex zu werden. Ich kann ihn mir z.B. gut anstelle eines Sommercocktails als Aperitif vorstellen.

83/100