Freitag, 24. Juli 2015

#025: Glengoyne 1998 // Malts of Scotland Warehouse Dram No. 5 // Sherry Hogshead




Heute habe ich eine ganz besondere Kombination aus Dingen, die ich sehr schätze, im Glas. Die Brennerei Glengoyne ist für mich in vielen Belangen Benchmark in Sachen sherrygereiften Whiskies, der unabhängige Abfüller Malts of Scotland aus Paderborn beweist immer wieder ein hervorragendes Händchen bei der Fassauswahl. Und dann auch noch ein "Warehouse Dram", eine spezielle Abfüllung, die nur im Warehouse Shop in Paderborn zu bekommen war. 


Farbe
Dunkles Mahagoni

Nase
Gleich nach dem Eingießen sehr viel Eiche und Zedernholz. Dahinter spürt man eine ganze Armada an Aromen, die von irgendetwas zurückgehalten zu werden scheinen...
Dieser Malt profitiert enorm von Luft und Zeit. Nach 2-3 Stunden(!) im Glas ist meines Erachtens der Höhepunkt der Aromenvielfalt erreicht. Also stellen wir das Glas beseite und kehren nach einiger Zeit wieder zurück:
Jede Menge Trockenfrüchte: Pflaumen, Datteln und Rosinen dominieren hier klar. Alles kräftig oxidiert und in fruchtigen Oloroso-Sherry eingelegt. Der für Glengoyne so typische Apfel ist auch hier zu finden. Inzwischen ist er mit Rosinen gefüllt und mit Zimt gewürzt zum Bratapfel verarbeitet worden. Rohrrohrzucker und Marzipan bilden sich mit zunehmender Zeit heraus.
Orangenschalen und Kardamom runden zusammen mit einem Spritzer Balsamico und einer sehr kräftigen europäischen Eiche die Nase ab. Die ungeschulte Nase würde hier fast an Rauch denken.

Geschmack
Die Eiche und der starke Alkohol treten mit aller Macht auf die Zunge. Der gesamte Mund scheint mit Sherry und Orangen ausgekleidet zu werden. Wundervoll süß und ausgewogen spielt der Whisky mit den Geschmacksknospen. Im Mund unverwechselbar Glengoyne, Äpfel und gekochte rote Früchte sind für mich typisch für einen Vertreter dieser Brennerei aus dem Sherryfass. Etwas weißer Pfeffer bringt einen Anflug von Schärfe ins Spiel.

Abgang
Marzipan, Rohrzucker und Zimt verweilen eine halbe Ewigkeit im Mund. Die sehr kräftige Eiche entschließt sich relativ schnell zu gehen und macht Platz für ein Potpourri an Früchten: Wieder Orangen, Pflaumen und Äpfel. Wie durch ein Wunder sind diese plötzlich gar nicht mehr so überreif sondern stehen in voller Blüte am Beginn ihrer Reifezeit.

Fazit
Wer diesem Whisky die Zeit und Geduld schenkt, die er verlangt, wird umfangreich belohnt.
Kurz nach dem Einschenken ist der Malt sehr eichentönig und das Holz dominiert die wundervollen Aromen, die sich anfangs noch dahinter verstecken. Wer mit viel Zeit und einigen Tropfen Wasser arbeitet, kann nach und nach unendlich viele Facetten entdecken.
In einem Blindtasting hätte ich hier locker auf 25 Jahre Alter getippt. Wahrlich ein gesegnetes Fass!

92/100

#024: BenRiach 17 Jahre Burgundy Wood Finish





Farbe
Terrakotta

Nase
Wow, ein ganzer Wald voll frischer Himbeeren, Brombeeren und überreifen Erdbeeren. Die Beeren werden gepflückt und in ein Bett aus warmem Marzipan gelegt. Zum Schluss wird warme Milchschokolade darüber gegossen.
Sehr süß, saftig und gleichzeitig frisch. Über allem schwebt auch eine leicht bittere europäische Eiche. Diese fängt die süßen Aromen ein und sorgt dafür, dass sie nicht überborden.
Dahinter ist auch das Bourbonfass, in dem dieser Malt den Großteil seiner Reifezeit verbrachte, klar zu erkennen: Vanille, Karamell und einige wenige gelbe Früchte sind da. 
Alkohol in der Nase? Fehlanzeige.

Geschmack
Weich und ausgewogen. Erst nach etwa 20 Sekunden schiebt der Alkohol ordentlich nach und sorgt für einen kraftvollen Antritt.
Das Bourbonfass ist hier etwas deutlicher: Crème Brûlée mit knackiger Oberschicht - obenauf liegen die eingekochten roten Beeren aus dem Aroma. 

Abgang
Der Abgang ist ein Potpourri aus Nase und Geschmack: Milchschkolade, süße Früchte und würzige Eiche verweilen mittellang im Mund. Der Speichelfluss wird angeregt und dies scheint die Aromen noch weiter zu verstärken.
Wenn alle anderen Aromen schon weg sind, bleibt die Crème Brûlée noch einige Minuten im Mund und macht Lust auf einen weiteren Dram...

Fazit
Ein wunderschönes Finish, meiner Meinung nach das beste aus der nicht-rauchigen Woodfinish Serie von BenRiach. Früchte, Süße und Eiche sind hervorragend aufeinander abgestimmt. Keine Komponente überlagert die andere. Sehr schade, dass diese Flasche inzwischen kaum mehr zu bekommen ist.

89/100

Sonntag, 19. Juli 2015

#022/023: Bruichladdich 12 Jahre Darkness! Oloroso & Pedro Ximenez Finish






Der unabhängige Abfüller Master Of Malt führt unter dem Label "Darkness!" spannende Finishes durch. Die Malts werden dabei in eigens angefertigten sehr kleinen, in diesem Fall 50 Liter, Fässern nachgereift. Bei solch kleinen Fässern kommt in kurzer Zeit extremer Holzkontakt zustande und die Malts werden zumeist echte "Sherrybomben". 
Nun hatte ich die Gelegenheit, zwei Bruichladdich aus der Darkness! Reihe probieren zu können. 

Oloroso Finish

Farbe
Dunkles Mahagoni

Nase
Dunkel, schwer und süß. Rosinen, süße, getrocknete Datteln und Feigen mit Marizpan. Haselnüsse bringen eine leichte Würzigkeit.
Dann süßer Pfeifentabak und kräftige geröstete Eiche.
Etwas Wasser macht deutlich, dass hier ein Bruichladdich im Glas ist: Zitrusfrüchte, Bergkräuter und eine Assoziation an salzige Gischt. Dabei weiterhin sehr dunkel, tief und geheimnisvoll.
Der Sherryeinfluss ist sehr massiv, der Malt ist aber weder muffig noch überlagert der Sherry den Charakter vollständig.


Geschmack
Sherry, Sherry, Sherry! Süß und fruchtig mit Marzipan, Honig Rosinen, Feigen und starken Gewürzen aus dem Eichenholz.
Zimt, Kardamom, Nelken... Einmal quer durch das weihnachtliche Gewürzregal.
Der Alkohol prickelt auf der Zunge und an den Wangen, brennt aber keineswegs.


Abgang
Espresso, Walnüsse, Trockenfrüchte und deutliches Eichenholz klingen im Mund ganz langsam ab. Der Speichelfluss wird stark angeregt. Nach und nach weicht die Würze süßem Karamell und Schokopudding.

Fazit

Bruichladdich und Sherryfässer - oft eine schwierige Verbindung. Die Nachreifung in einem speziell angefertigten Sherryfass mit 50 Liter Fassungsvermögen hat hier aber perfekt funktioniert. Trotz des jungen Alters von 12 Jahren ein würdiger "Dark Sherry" Malt mit großer Komplexität und toller Fruchtigkeit. Großes Kino, elegant und mächtig zugleich. Leider mit etwa 120€ für 0,5 Liter nicht gerade preiswert.

90/100


Pedro Ximenez Finish

Farbe
Helles Mahagoni

Nase
Zunächst recht verschlossen. Staubig, holzig und etwas muffig, wie in einer alten Werkstatt oder einem Stall. Mit etwas Zeit öffnet er sich und wird fruchtig/süß: Erdbeeren, Aprikosen und großzügig gezuckerte gebrannte Mandeln. Dazu Vanille- und Karamellpudding, Kuchenteig und brauner Zucker. Der Alkohol erscheint am Anfang ungewöhnlich kräftig für die gegebene Stärke von  55,6%, nach einigen Minuten an der Luft ist er aber so gut wie nicht mehr wahrnehmbar.

Geschmack
Schwarzer Pfeffer, bittersüße europäische Eiche und Ingwer treten zuerst an - überraschend würzig für die so fruchtige Nase.
Dann getrocknete Aprikosen, Feigen und Erdbeermarmelade. Sehr dunkle Schokolade wird dazu gereicht.


Abgang
Espresso, Kardamom und ein Hauch Zimt. Soweit ein typisches Sherrywood-Finish. Dazu Sahnekaramellbonbons, brauner Zucker und deutliche Röstaromen aus dem Fass. Wenn die Süße schon lange verklungen ist bleibt zartbittere Schokolade und würzige Eiche noch lange im Mund und klingt nur ob des immensen Speichelflusses ganz langsam ab.

Fazit
Interessant - bisher hatte ich die Assoziation an einen lang verlassenen Gewölbestall nur bei Port Charlotte. Die Transformation hin zu den typisch rotfruchtigen und süßen PX-Aromen gefällt mir, leider kann der Geschmack mit dem Aroma nicht ganz mithalten. Im direkten Vergleich mit der Darkness! Abfüllung aus dem Oloroso Fass hat der Oloroso die Nase vorne. Dort wird eine bessere Symbiose aus Fass und Brennereicharakter erzielt.

86/100

Donnerstag, 16. Juli 2015

#21: The Quiet Man 8 Jahre // Irish Single Malt Whiskey


Danke an irish-whiskeys.de für das Foto!

Irischer Whiskey erlebt derzeit eine Renaissance - und das nicht zu unrecht wie unter anderem mein Test des Teeling Single Malt zu Tage förderte.
Mit "The Quiet Man" betritt ein neuer Spieler den Markt. Die Firma Niche Drinks Ltd. kauft hier Rohrbrand nicht näher bezeichneter irischer Brennereien ein, reift in eigenem Holz und füllt selbst ab. Soweit ich weiß ist das nur eine Übergangslösung bis die eigene Brennerei fertig ist.
Die Probe wurde mir von www.irish-whiskeys zur Verfügung gestellt, vielen Dank dafür!


Farbe
Helles Stroh

Nase
Elegant, leicht und süß mit Apfel- und Pfirsichringen. Rosinen in Vollmilchschokolade bringen Tiefe. Süßes Malz umspielt einen Anflug von Gewürzen, die nicht stark genug sind, um sie eindeutig identifizieren zu können. 

Geschmack
Cremig, süß und leicht. Zitrusfrüchte, Honigmelone und Malz. Haferbrei mit Milch, großzügig gesüßt mit Rohrzucker. Dann deutliche Eichenwürzigkeit, die in der Nase noch nicht zu vermuten gewesen wäre. Dabei bleibt er stets elegant und schmeichelnd. 

Abgang
Ungesüßte Haferkekse, Eichenholz und Gewürze. Dazwischen blitzt immer wieder cremige Vanille auf. Mittellang.

Fazit
Fruchtig und sommerlich ist dieser Malt ideal als Daily Dram für die warmen Monate und für Einsteiger. Die schon angenehm ausgebaute Würzigkeit bringt für das jugendliche Alter von 8 Jahren schon schöne Komplexität ins Spiel. Auf der Zunge geht ihm etwas die Puste aus - einige Prozente mehr wären sehr vorteilhaft.

85/100

Dienstag, 14. Juli 2015

#020: Highland Park 1999 // Signatory Vintage // For German Single Malt Whisky Fans 2015 #2






Dieser Highland Park wurde vom unabhängigen Abfüller Signatory Vintage exklusiv für Deutschland abgefüllt. Als Teil der "Unchillfiltered Collection" kommt der HP in einer angenehmen Trinkstärke vom 46% ABV und ohne Kühlfiltration. In der Vergangenheit habe ich schon wahre Schätze unter diesen unscheinbar anmutenden und angenehm bepreisten Abfüllungen gefunden - und auch heute sollte ich nicht enttäuscht werden.


Farbe
Gold

Nase
Ganz zarter Rauch, kaum wahrnehmbar. Die typische Highland Park Kräuternote ist im Rauch aber dennoch zu finden. Vanillepudding, Toffee und Bienenwachs treten an, dicht gefolgt von Zitrusfrüchten. Grapefruit, Ananas und Physalis mit einem Löffel Honig. Die Aromen werden von einer malzigen Süße zusammengehalten - die trotz der vielen Zitrusfrüchte keine richtige Frische im Glas aufkommen lässt. Eher ölig, geschmeidig und gesetzt.

Geschmack
Sehr fruchtig mit Ananas, Papaya, Mango und einigen Äpfeln. Nach etwa 10 Sekunden im Mund wird der malt plötzlich richtig frisch und säuerlich - Limettensaft und Minze - wie in einem sommerlichen Cocktail. Dann deutliche Eichenwürzigkeit und wieder etwas Honig. Einige Kräuter und etwas Asche bringen mich zurück auf die Orkneyinseln.

Abgang
Leicht bittere Eichentöne und etwas Pfeffer und Grapefruit leiten den Abgang ein. Ein Hauch Asche macht sich neben dem sanften Rauch breit, der sich im Abgang ebenfalls wiederfindet. Honig, Karamell und Vanille bleiben zurück, wenn die Früchte schon lange gegangen sind.

Fazit
Ein toller Kontrast aus öliger Reife in der Nase und dem säuerlich/fruchtigen Antritt auf der Zunge. Ein gut aufgesuchtes Fass, das die 12-jährige Standardabfülling mit Leichtigkeit ins Abseits stellt. Etwas kräftigerer Rauch hätte gut getan.

88/100

Sonntag, 12. Juli 2015

#019: Ardbeg Perpetuum - Sonderabfüllung 2015: 200 Jahre Ardbeg

  • Brennerei: Ardbeg
  • Fasstyp: Bourbon & Sherry Casks
  • Alter: Unbekannt - NAS
  • Alkoholstärke: 47,4% ABV
  • Whiskybase: https://www.whiskybase.com/whisky/68370/ardbeg-perpetuum



Zum 200sten Jubiläum der Brennerei wurde, rechtzeitig zum Feis Ile Festival 2015, auch eine Sonderabfüllung aufgelegt, um diesen freudigen Anlass zu würdigen.
Perpetuum - der Name suggeriert Unendlichkeit, Alter, Tradition. Ein geschickter Marketingzug, einen vermutlich sehr jungen Whisky so gefühlt etwas aufzupeppen.
Gleichzeitig steht Perpetuum wohl auch für die weiterhin und hoffentlich ewiglich weiterlebende Tradition im Hause Ardbeg.


Farbe

Weißwein

Nase
Im ersten Antritt recht kräftiger Rauch, der aber vergleichsweise schnell zurück tritt und mehr Aromen freigibt: Vanille, gesalzenes Karamell und etwas Räucherspeck.
Weit entfernt eine kühlende Meeresbrise mit einem Hauch frischer Minze. Insgesamt sehr angenehm und ungewöhnlich sanft für einen Ardbeg - aber doch deutlich als solcher zu erkennen.

Geschmack
Und wieder typisch Ardbeg: Kräftiger Rauch und kalte Asche treffen auf die Zunge. Dahinter wieder Vanille, Zitronenschalen und sehr jugendliche, helle Früchte - weiße Weintrauben. Schnell süßer werdend. Dazu im Kontrast die Würze von schwarzem Pfeffer und Ingwer und eine leichte Öligkeit von den sehr sparsam eingemischten Sherryfässern.

Abgang 

Lang, rauchig und maritim. Die Süße verschwindet fast gänzlich und es erstarken Asche, Eichenholz und ein Anflug von medizinischer Rauchigkeit.

Fazit
Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Einerseits finde ich den Perpetuum durchaus gut und typisch Ardbeg, andererseits bekommt man mit dem Uigeadail für weniger Geld erheblich mehr starke Aromen und Komplexität.
Und so ist der Perpetuum für mich genau das, was er wohl auch für seine Macher sein sollte: Ein gut gemachter, junger Ardbeg - lecker aber mit Fokus auf die Sammler.

85/100


Freitag, 10. Juli 2015

#018: Bruichladdich 2002 1st Fill Sherry Hogshead bottled by Master Of Malt




Diese Abfüllung ist aus mehreren Perspektiven ungewöhnlich: Einzelfassabfüllungen des Händlers "Master Of Malt" sind an sich schon sehr selten - und dann auch noch ein Bruichladdich aus dem Sherryfass.
Dazu kommt, dem aufmerksamen Leser wird es schon auf dem Bild aufgefallen sein: Diese Flasche hat keinen klassischen Korken. Es wird ein spezieller Glaskorken genutzt. Absolute Dichtigkeit und nie wieder "korkiger" Whisky. Eine verlockende Vorstellung - auch optisch ein Hingucker.







Farbe
Dunkler Sherry

Nase
Sehr würzig mit Walnüssen, Kardamom, Kümmel und etwas Pfeffer. Dahinter eine leichte Rauchnote, mehr Weihrauch und Tabakdose als Torf- oder Holzrauch. Duftendes Nadelholz, geröstetes Brot, etwas schwarzer Kaffee.
Mit der Zeit wird es dann doch etwas süßer mit verbranntem Zucker und einigen Rosinen.
Mit Wasser: Alle eingangs beschriebenen Aromen treten zurück, bleiben aber unverändert präsent. Davor liegt jetzt süßes Malz, Trauben, holziger Sherry und deutliche Noten von Kräutern.

Geschmack
Schwer und ölig. Bitter-süße Kräuter und deutliche Holzaromen dominieren. Dahinter verbrannte Eiche, etwas Asche und ein Hauch Zitrusfrucht. Weit dahinter ein wenig Karamell, Rosinen und Trockenfrüchte - doch wie auch im Aroma dominiert klar das Holz und die Röstaromen der Eiche.

Abgang
Lang, leicht rauchig und würzig. Zedernholz, angebrannter Zucker und mit Nelken gespickte Orange.
Die Eichenholznote dreht relativ schnell in eine deutliche Bitternote: Gesalzene Walnüsse.

Fazit
Der Farbe nach hätte ich mit einer richtigen Sherrybombe gerechnet, doch hier dominiert ganz klar nur eines: Holz.
Die starke Kräuternote und der Weihrauch in der Nase sind sehr einzigartig, doch hätte ich mir mehr klassische Sherryaromen gewünscht. Ein "schwieriger" Malt mit sehr eigenem Charakter - er polarisiert mit Sicherheit.

86/100

Dienstag, 7. Juli 2015

#017: Islay! World Single Malt // Selected and bottled for ERMURI






Heute verkoste ich eine Abfüllung der ERMURI Genuss Company. Dieser Single Malt einer nicht näher benannten Brennerei auf der Insel Islay ist unbekannten Alters und wird in Fassstärke abgefüllt. 

ERMURI ist sicher den meisten ein Begriff, so sind zahlreiche Tabak- und Feinkostläden an das ERMURI-Netzwerk angeschlossen. 
Die Probe und das Foto der Flasche wurde mir von Schlüters Genießertreff zur Verfügung gestellt. Danke! :)



Farbe
Heller Bernstein

Nase
Starker, phenolischer Rauch, feuchtes Holz, Verbandskasten und Zitrusfrüchte. Deutlich spürbarer Alkohol. Mit etwas Wasser süßer und fruchtiger mit Pflaumen, Zitronen und Vanille aus den Fässern. Maritim mit etwas Salz, modrigen Schiffsplanken und geteertem Seil.

Geschmack
Holzrauch, Asche, würzige Eiche, Vanille und Tabak. Nicht sehr komplex, aber stark und kräftig mit dem unverfälschten Charakter eines jungen Islay-Malts. Eine metallische Note kündet von der Jugend des Malts, in Verbindung mit dem kräftigen Rauch und einem Anflug von Jod ist dies aber kein K.O.-Kriterium.

Abgang

Mittellang, rauchig und wärmend. Bitterschokolade und Eiskaffee mit Vanilleeis.

Fazit

Ein deutlich medizinisch-rauchiger und unverkennbar junger Malt von der Insel Islay. Vermutlich in einem Refill-Fass gelagert hat er mehr Würze und Eiche als Frucht und Süsse aufgenommen, gibt man ihm aber etwas Zeit und Wasser, weiß er doch mit seiner direkten Art zu gefallen.

81/100


Sonntag, 5. Juli 2015

#016: Tomatin 30 Jahre // Bottled 11.02.2014





Tomatin habe ich erst Anfang 2015, auf der Finest Spirits Messe in München, entdeckt. Am Tomatin Stand haben wir einen Großteil der aktuellen Range (viele hervorragende Malts!) probieren können. Am Ende holte Scott von Tomatin grinsend den aktuellen 30-jährigen hervor und erzählte uns, dass diese Abfüllung von 2014 insofern etwas Besonderes sei, als dass z.T. deutlich ältere Fässer mit eingemischt wurden.
Und wir wurden nicht enttäuscht, noch nie habe ich einen so tropisch-fruchtigen Whisky probiert. Wenige Wochen später kaufte ich mir eine eigene Flasche.


Farbe
Kräftiges Gold

Nase
Malzige Süße, Bienenwachs und Gerstenzucker begrüßen mit kühlender Minze in der Nase. Der Malt braucht einige Momente im Glas, dann geht es richtig zur Sache: Unmengen gezuckerte Ananas, Mango, Papaya, Melone, knackige Zitrone. Lebendig, frisch und trotzdem erwachsen und gut gereift paaren sich hier die Gegensätze im Glas.

Geschmack
Unerwartet kräftig mit schwarzem Pfeffer, Ingwer und Muskatnuss. Dann wieder ein tropisches Paradies mit Ananas und Mango. Erst hier werden Fasseinflüsse in Form von Vanille und Karamell spürbar.

Abgang
Haselnüsse, Vanillezucker und natürlich Ananas. Erst hier ist die Eiche spürbar und bringt angenehme Gewürze mit. Milder Pfeffer, Ingwer und etwas Zimt.
Dazu Honig, Melone, frische Johannisbeeren und etwas Ingwer. Insgesamt sehr frisch und enorm tropisch/fruchtig für einen so altgereiften Malt.

FazitDieser Whisky ist wie ein Urlaub im Glas. Ich schwimme in einem Meer aus tropischen Früchten und es regnet Ananassaft. Unglaublich, wie etwas so altes doch so fruchtig, frisch und unglaublich fruchtig sein kann. Für mich DIE Entdeckung des Jahres 2015. Das Preis/Leistungsverhältnis mit um die 200 EUR pro Flasche ist zudem hervorragend.

92/100



Freitag, 3. Juli 2015

#015: Port Charlotte Cask Exploration Valinch // 04 - Sraid A'Chladaich // Cadiz Cask Matured





Bei den ohne bzw. nur mit wenig rauchigem Malz gebrannten Bruichladdich haben die Aalinch-Abfüllungen, die exklusiv im Destillery-Shop auf Islay käuflich sind, schon lange Tradition.
Umso erfreulicher ist es, dass nun auch die stark rauchige Range "Port Charlotte" mit faszinierenden Einzelfässern aufwartet, die unter dem Label "Cask Exploration Valinch" angeboten werden.
Dank der großen Nachfrage - die absolut berechtigt ist, die ersten Fässer waren durchwegs hervorragend - sind wir inzwischen schon beim No. 4 angekommen, einer Vollreifung im Cadiz-Weinfass.


Farbe
Kupfer

Nase
Süßlicher Zederholzrauch, rote Trauben und Äpfel, Pfefferminze, Feigen und etwas über Feuer geröstetes Brot.
Mit der Zeit immer süßer werdend mit Erdbeeren, Orangen, Maracuja und Nektarinen. Wie ein rauchiger Multivitaminsaft.
Die zunächst sehr deutliche europäische Eiche weicht im Aroma schnell dem Einfluss des Sauerstoffs und scheint noch mehr Früchte preiszugeben.
Mit Wasser nussig und noch süßer werdend. Frischer, würziger Tabak und die grasig-heuige Port Charlotte Eigenschaft, die oft mit "Bauernhof" asoziiert wird. Die Würze des Weinfasses erstarkt nach der Zugabe von Wasser und gibt klar den Ton an.

Geschmack
Wow, zu Beginn richtig scharf! Cayennepfeffer, keine alkoholisch-unangenehme Schärfe. Deutliche Tannine aus dem Weinfass kleiden den Mundraum in der für Bruichladdich typischen Öligkeit aus. Dann gegrillte Feigen, Walnüsse und etwas Jod, Salz und die für Bruichladdich so typische ZItrusfrucht ist auch spürbar. Später stark holzig und sehr fasslastig mit einer deutlichen Note von Zedernholz.

Abgang
Die Früchte verblassen schnell, zurück bleibt eine sehr angenehme rauchig-holzige Eichenwürze. Der Cayennepfeffer kitzelt noch unter der Zunge. Immer wieder tauchen einzelne rote Fruchtnoten auf und ein großes Stück Zedernholz wird in die Glut des erlöschenden Feuers geworfen und glimmt, einen aromatischen Rauch verbreitend, vor sich hin.

Fazit
Für mich ist klar: Port Charlotte Spirit in Weinfässern bringt großartige Ergebnisse! Nach den Syrah- und Jurancon-Reifungen des unabhängigen Abfüllers Rest & Be Thankful reiht sich diese Valinch Abfüllung hervorragend ein.
Ich habe nur das Gefühl, dass die deutliche Schärfe und das starke Eichenholz im Geschmack (unabhängig von der eingesetzten Wassermenge) einige potentielle Aromen überdeckt.

90/100