Sonntag, 27. Dezember 2015

#083: Bruichladdich Crew Valinch No. 16 - Jonathan Carmichael - 1990




Es wird mal wieder Zeit, eine der Crew Valinch Abfüllungen aus dem Hause Bruichladdich hier im  Blog zu besprechen. Die Nr. 16 ist dem Bottling Hall Manager Jonathan Carmichael gewidmet. Wie auch schon Valinch #11 wurde auch dieser nach der ersten Reifeperiode in einem Ex-Bourbon Cask in einem Calvados Fass nachgereift. Calvados ist ein Apfelbranntwein aus der Normandie, Whisky findet nur sehr selten seinen Weg in diese Fässer.


Farbe
Gelbes Gold

Nase
Sofort dominieren intensive Fruchtnoten. Ganz vorne, wie sollte es anders sein, kräftiger, frischer Apfel. Das Calvadosfass ist sehr präsent. Dazu kommen Pfirsichringe, Ananas mit milder Säure, Marzipan und sanfte Gewürze. Mit zunehmender Zeit an der Luft verändert sich primär die Apfelnote und wandelt sich vom naturtrüben Saft hin zum Most.

Geschmack
Sofort malzig-süß mit Marzipan und Honig. Auch im Mund finden sich schöne Apfelnoten. Auf der Zunge wird es dann mit Pfeffer und Holznoten schnell würzig. Der Alkohol ist gut eingebunden, allerdings fehlt ihm etwas das sonst für Bruichladdich so typisch ölige und cremige Mundgefühl.

Abgang
Im Abgang offenbart der Whisky eine ganz neue Facette, die hier erstmals zu Tage tritt: Eine deutliche, nicht unangenehme Bitterkeit von Walnüssen, Röstkaffee und Bittermandelöl umspielt die immer noch deutlich vorhandenen Apfel- und Fruchtaromen. Auch hier ist das Marzipan wieder da. Insgesamt gestaltet sich der Abgang mittellang.

Fazit
Ein guter Malt, dem vom Calvados ganz deutlich ein Stempel aufgedrückt worden ist. So kräftige Apfelnoten sind eine erfrischende Abwechslung. Verglichen mit anderen Bruichladdich Crew Valinch Abfüllungen fehlt es aber, auf hohem Niveau, an Komplexität und der typischen Cremigkeit im Mund. Verglichen mit dem Crew Valinch #11, der ebenfalls im Calvados Cask nachgereift wurde, zieht der #16 den Kürzeren.

87/100

Donnerstag, 24. Dezember 2015

#082: GlenDronach 1994 Handfilled (Distillery only) - Sherry Puncheon No. 3200




GlenDronach. Handfilled. 1994. Cask Strength. Sherry Puncheon. Eine Kombination aus Worten, die dem Kenner Gänsehaut bereitet und höchsten Genuss verspricht. Dieser Whisky wurde mir von einem guten Freund aus Schottland mitgebracht (DANKE) und wartete einige Zeit lang auf den richtigen Moment. Dieser Moment kam dann Mitte Dezember 2015 und heute, zum Heiligabend, teile ich meine Eindrücke mit euch.

The Whisky Log wünscht Euch frohe Weihnachten, entspannte Feiertage und einen guten Start in ein erfolgreiches und gesundes 2016! 


Farbe
Alte Eiche

Nase
Zu Beginn präsentiert sich der Whisky zurückhaltend und holzig: Alte Eichenholzmöbel, Holzstaub, Möbelpolitur und auch starke Tannine prägen den ersten Eindruck. Doch schon früh blitzen immer wieder Fruchtaromen und Süße hervor und machen klar: Hier ist Zeit gefragt. Ich gebe dem Whisky 30 Minuten im Glas.
Dann eröffnet sich mir ein Feuerwerk aus Brombeeren, Rosinen, Bratäpfeln, angebranntem Zucker, Lebkuchen, gespickten Orangen und Rohrohrzucker, mit seiner typischen Karamellnote. Das Ganze ist extrem dicht verwoben mit einer Vielzahl an würzigen Komponenten: Zimt, Nelken, Pfeifentabak, Balsamico, Espresso und auch die polierten Eichenholzmöbel sind natürlich noch da.
Die Komplexität und Dichte des Aromas ist kaum in Worte zu fassen, ein wahres Fest!


Geschmack
Mit 58,1% tritt der GlenDronach mit aller Macht auf die Zunge. Dabei ist er aber nicht brutal, sondern vielmehr extrem dicht, verwoben und angenehm. Das Mundgefühl ist sogar ein wenig dickflüssig. Zuerst sehr würzig mit Pfeffer, geröstetem Brot und viel Eichenholz. Die Zunge prickelt. Es folgen Brombeermarmelade, Mandeln, Espresso und eingekochte gemischte Waldfrüchte.

Abgang
Sehr lang und bittersüß klingen die Wogen des Sherrymonsters im Mund noch lange nach. Dunkle Beeren, Rumrosinen, dunkles Karamell, Marzipan, Zimt, Eichenholz und sogar eine Assoziation an feinen Holzrauch kommen auf. Immer wenn man denkt, er sei ganz verklungen, kommt doch wieder ein Schwall süßer Früchte und des typischen Sherryaromas hinterher. 

Fazit
Ein Meisterwerk. Wer diesen Whisky probiert hat, versteht den Hype um GlenDronach, die alten Abfüllungen und insbesondere die Handfilled-Flaschen mit Brenndatum in den 90er Jahren. Für mich der beste im Sherryfass gereifte Whisky, den ich bisher kosten durfte.

93/100

Sonntag, 20. Dezember 2015

#081: Glengoyne 18 Jahre




Die Brennerei Glengoyne ist für mich eine der besten Brennereien Schottlands und ein wahres Juwel der Highlands. Witzigerweise liegt die Brennerei soweit südlich, dass die Lagerhäuser auf der gegenüberliegenden Straßenseite breits zu den Lowlands gehören. Charakteristisch für den Geschmack von Glengoyne ist eine Apfelnote, die sich wunderbar durch die gesamte Standardrange verfolgen lässt und sich mit zunehmendem Alter der Malts verändert.


Farbe
Tiefes Gold

Nase
Sofort springt einen eine intensive Fruchtigkeit an. Deutlicher Sherryeinfluss, der den Whisky aber nicht dominiert. Am deutlichsten ist zunächst der für Glengoyne so typische Apfel. Dazu Bananen, Kirschen, Ananas, Pflaumenmus, Honig und etwas Kokosnuss. Mit zunehmender Zeit im Glas macht der Whisky eine großartige Wandlung durch, die Früchte werden nach und nach von dunklen, würzigen Aromen ergänzt. Zimt, etwas Ingwer, Zedernholz und Pfeifentabak.

Geschmack
Herrlich malzig, süß und mit viel Marzipan und Äpfeln tritt der Malt auf die Zunge. Das Mundgefühl ist sehr ölig und angenehm weich. Geröstete Haselnüsse mit Wildhonig, etwas Leder und ein leichter Kaffee bilden einen angenehm sanft-würzigen Gegenpol.

Abgang
Lang und weiterhin samtweich. Die Süße und Fruchtigkeit machen Platz für die angenehm milde Würze von Walnüssen, dunkler Schokolade, zarten Eichentanninen, Kardamom und etwas scharfem Zimt und Ingwer.

Fazit
Die gut ausgesuchten Sherryfässer spielen mit dem fruchtigen, apfellastigen Brennereicharakter von Glengoyne, verdecken ihn aber niemals. Eine Kunst, die Glengoyne perfektioniert hat.
Ein wunderbarer Whisky mit einem absolut herausragenden Preis/Leistungsverhältnis. Insbesondere die Travel Value Edition mit einem Liter Inhalt ist ein echtes Schnäppchen. Leider weist diese Version auch nur einen Alkoholgehalt von 40% auf, etwas mehr würde nicht schaden. Die reguläre 0,7 Liter Version kommt mit kräftigeren 43% ABV daher.


88/100
 

Mittwoch, 16. Dezember 2015

#080: Highland Park - Dark Origins




Dieser Whisky ist dem Gründer der Brennerei Highland Park, dem Mönch Magnus Eunson, gewidmet. Dieser brannte dem Vernehmen nach, neben seiner Tätigkeit als Geistlicher, in der Dunkelheit der Nacht Whisky... Passend dazu kommt der Malt in einer mattschwarzen, undurchsichtigen Flasche daher. 


Farbe
Tiefes Gold

Nase
Feuchte Erde, etwas Schwefel, Sherry, Orange, geröstete Walnüsse und Pfeffer. Umspielt wird das ganze von etwas Schokolade und dem typischen Highland Park - Rauch: Leicht und mit einer Note von Heidekraut kommt er daher. Der Alkohol beißt etwas in der Nase, was mich auf eine gewisse Jugend schließen lässt.

Geschmack
Unglaublich kraftvoll schiebt er an, als hätte er über 50% und nicht 46,8% Alkohol. Lakritze, Pfeffer, Eichenholz... Und dann eine ganze Flut von getrockneten Aprikosen, Rosinen und Apfelkompott. Der Rauch ist hier kraftvoller als man es vom 12- oder 18-jährigen Highland Park kennt.

Abgang
Nach dem sehr heftigen Antritt ist der Abgang sehr harmonisch mit viel Karamell, Zartbitterschokolade, getrockneten Früchten und gesalzener Lakritze. Der Rauch ist am Ende kaum mehr auszumachen.

Fazit
In der Nase zu schwefellastig und im Geschmack zu ungestüm hätten diesem Highland Park einige Jahre mehr in den Fässern wohl sehr gut getan. Dennoch finde ich an einigen Facetten durchaus Gefallen, was ihn doch noch zu einem vergleichsweise guten Whisky macht. Der Preis allerdings ist für das Gebotene entschieden zu hoch.

84/100

Sonntag, 13. Dezember 2015

#079: Glen Els - Cosy Winter 2015




Schon länger bin ich ein Fan der Malts aus dem Hause Glen Els - Hammerschmiede. Aus meiner Sicht kommt der beste deutsche Whisky aus dieser kleinen Manufaktur im Harz. Diese Abfüllung wurde dem Winter 2015/2016 gewidmet und soll den Genießer mit weihnachtlich-wärmenden Aromen durch die kalte Jahreszeit begleiten.


Farbe
Goldbraun

Nase
Pflaumen, Sultaninen, getrocknete Feigen, Rohrzucker und Zimt bringen gleich zu Beginn eine sehr weihnachtliche Anmutung. Dann wird es süßer mit karamellisierten Mandeln und Marzipanschokolade. Ganz zarter Rauch verbindet sich mit der Würze von schwarzem Pfeffer, Nelken und Zedernholz. Nach einiger Zeit ist der Rauch separiert überhaupt nicht mehr wahrnehmbar. Mit harzigem Nadelwald hat der Whisky noch eine sehr ungewöhnliche Facette zu bieten. Irgendwie frisch und doch "alt" und holzig zugleich habe ich das Gefühl, einen Sack winterlicher Gewürze und Düfte durch den kalten Wald zu tragen.

Geschmack
Das für mich typische cremig-weiche und irgendwie "anders" geartete Mundgefühl von Glen Els kommt sofort auf. Zunächst sehr süß mit gehackten Mandeln, Rosinen, Bratäpfeln und Karamellbonbons. Bald erscheinen Noten von Espresso, Walnüssen, Bittermandel und sehr dunkler Schokolade und verdrängen die Süße nahezu komplett.

Abgang
Der Abgang fällt, gemessen an der Komplexität des Aromas und des Geschmacks überraschend geradlinig und vergleichsweise kurz aus. Wie auch das Mundgefühl sehr cremig, weich und angenehm mit dunkler Schokolade, gemischten Nüssen und der Fruchtigkeit dunkler Beeren.

Fazit
Ein schöner Whisky, der seiner Bestimmung, den Genießer in der kalten Jahreszeit zu erfreuen und zu erwärmen, absolut gerecht wird. Die Nase ist extrem dynamisch und verändert sich an der Luft immer wieder auf interessante Art und Weise. Für einen Spitzenwhisky ist er Geschmack allerdings etwas zu bitter geraten und der Abgang zu kurz.

87/100

Mittwoch, 9. Dezember 2015

#078: Bruichladdich 2003 Sherry Hogshead for Whic.de



Heute findet der letzte aus dem Trio der für Whiskycircle abgefüllten drei Bruichladdich den Weg in mein Glas. Im Gegensatz zu den anderen beiden wurde dieser nicht in Fassstärke abgefüllt. Es wurde die immer noch angenehm krätige Trinkstärke von 46% gewählt. Schon im Samplefläschchen fällt auf: Dieser Whisky hat gewaltig Sedimente aus dem Fass mitgenommen und kommt sehr trüb daher. Ein echtes Naturprodukt, ungefiltert und ungefärbt. Das gefällt.
Auch hier danke ich dem Abfüller Whiskycircle für Probe und Foto.


Farbe
Bernstein

Nase
Gezuckerte Mandeln, saftige Rosinen, eingekochte dunkle Beeren und etwas grüner Tee. Dazu wird Toffee gereicht. Insgesamt sehr süß, das Faß ist ebenfalls mit einer aromatischen Holznote aufzufinden. Dahinter liegt noch deutlich erkennbar der Brennereicharakter von Bruichladdich: Zitrusfrüchte, feines Buttergebäck und ein Hauch von salziger Gischt.

Geschmack
Im Mund wird es nach einer anfänglichen Süße von Rosinen, Karamellbonbons und Sahne sehr schnell sehr maritim. Deutliche Assoziationen an Salz und Seeluft. Wow, in der Nase war diese Komponente nur zu erahnen. Einen so maritimen Bruichladdich hatte ich persönlich noch nicht im Glas. Dazu finden sich Noten von Tabak, feinem Holzrauch und eine zartbittere Nussigkeit von Walnüssen.

Abgang
Die maritimen Aromen gehen gleitend vom Geschmack in den Abgang über. Dort verebben sie dann vergleichsweise schnell und machen Platz für Rosinenbrötchen, Karamellbonbons und herbe Schokolade. Sehr aromatische Holznoten aus dem Fass lassen eine Assoziation an zarten Rauch aufkommen. Insgesamt gestaltet sich der Abgang etwas kurz, aber durchaus befriedigend.

Fazit
An diesem Malt wird mir die groß ausgeprägte Salzigkeit und die Aromen des Meeres im Geschmack am meisten in Erinnerung bleiben. Dahingehend macht er den sherryfassgelagerten Bunnahabhains aus meiner Sicht deutlich Konkurrenz. Viele angenehme Aromen aus dem Sherryfass ergänzen diesen Charakter auf angenehme Art und Weise. 

86/100

Montag, 7. Dezember 2015

#077: Bruichladdich 2006 Bourbon Cask for Whic.de



Heute folgt der nächste Bruichladdich, den Whic.de für sich hat unabhängig abfüllen lassen. Diesmal ohne den Einfluss von Torfrauch, dafür aber auch mit 9 Jahren noch vergleichsweise jung.
Ich danke dem Abfüller Whiskycircle für die Probe und das Foto.


Farbe
Reifer Mais

Nase
Zu Beginn sofort intensive Gebäcknoten: Buttercookies mit Hagelzucker, dazu florale Noten von Heu, Blumenwiese, Vanille und Karamell. Der Brennereicharakter hat hier eine richtig große Bühne. Lässt man den Whisky im Glas atmen wird er richtig fruchtig. Reife, gezuckerte Birnen, Papaya, Zitronen und getrocknete Ananas. In weiter Ferne ist ein Hauch von Seeluft vorhanden. Der Alkohol ist zu keiner Zeit spürbar und bereits nach nur 9 Jahren Reifung perfekt eingebunden.  

Geschmack
Süß, ölig und cremig im fließt der Whisky auf die Zunge. Dunkles Karamell, Birnenkompott und Vanillecreme. Nach einigen Momenten auf der Zunge kommt schwarzer Pfeffer und scharfer Ingwer zum Vorschein. Die Eiche ist hier, ganz im Gegensatz zur Nase, schon recht deutlich vertreten und bringt würzige, zartbittere Kontrapunkte. 

Abgang
Der Abgang gestaltet sich angenehm wärmend und mittellang. Alle für ein gutes Bourbon Fass typischen Aromen treten hier nochmals deutlich hervor: Vanille, Karamell, Herbstliche Früchte und einige getrocknete Südfrüchte. Immer wieder bremst die zartherbe Note aus dem Eichenfass die ansonsten überbordende Süße gekonnt ein. 

Fazit
Ich wiederhole mich gerne: Bruichladdich und hochwertige Ex-Bourbon Fässer ist für mich einfach eine ideale Kombination. Der florale, frische und süße Brennereicharakter passt einfach perfekt zu den Einflüssen dieser Fässer. Diese Abfüllung von Whic ist ein exzellentes Beispiel für diese Qualitäten, sehr schade dass es davon nur 48 Flaschen gibt.

88/100

Sonntag, 6. Dezember 2015

#076: Port Charlotte 2003 Bourbon Hogshead for Whic.de




Der online Whiskyhändler whic.de bringt kurz Anfang Dezember 2015 eine ganze Reihe spannender eigener Abfüllungen auf den Markt. Für mich als großer Fan der Bruichladdich Destillerie besonders toll: Drei der vier neuen Abfüllungen stammen aus eben dieser Brennerei.
Den Anfang macht heute das für mich absolute Highlight des Trios - ein 12 Jahre alter Port Charlotte. 
Ich danke dem Abfüller Whiskycircle für die Probe und das Foto!


Farbe
Fahles Gold

Nase
Kräftiger, aber doch feingliedriger Rauch, Getreide, süßes Malz, Zitronenbonbons und ein deutlicher maritimer Einschlag von Salz und Jod. Wie ich es so an Port Charlotte liebe, überdeckt der Rauch, obwohl er sehr kräftig ausfällt, keine einzige der filigranen und süßen Aromen dahinter. Nach dem Einschenken findet sich eine ebenfalls sehr typische Note eines etwas muffigen, alten Gewölbestalls. Wenn das verflogen ist folgen später geräucherte grüne Äpfel, Mangos, Honigmelone und etwas Asche.

Geschmack
Torfrauch, Räucherschinken, gebratener Speck, grob geschroteter Pfeffer und etwas reifer Parmesan. Auch eine deutliche Idee von Salz und etwas Teer sind da und machen klar - das ist Islay. Dahinter erscheint der Brennereicharakter mit Zitrusfrüchten, floraler Frische und Heu.

Abgang
Lang und rauchig mit etwas Asche ebbt der Malt ganz langsam ab. Die Süße ist fast gänzlich verschwunden und macht Platz für eine Mischung aus holzig-rauchiger Würze, Pfeffer und maritimen Noten. Auch im Abgang bleibt das Mundgefühl cremig und satt, was Vorfreude auf den nächsten Schluck macht.

Fazit
Ein klassisches Beispiel eines gut gereiften Port Charlotte aus dem Ex-Bourbon Fass. Dieser Malt "tickt" alle richtigen Boxen bei mir, er gefällt mir außerordentlich gut. Das Fass ist sehr gut ausgesucht und kann sich ohne Probleme mit, wesentlich teureren, unabhängig abgefüllten Fässern anderer namhafter Anbieter messen. Nicht nur ein sehr guter rauchiger Malt, sondern für ca. 89€ auch ein echter Preistipp. Günstiger wird man an solche Qualität aus dem Hause Port Charlotte bzw Bruichladdich nur schwer kommen.

90/100

Sonntag, 29. November 2015

#075: Lagavulin 16 Jahre


  • Brennerei: Lagavulin
  • Fasstyp: Ex-Bourbon & Sherry Casks
  • Alter: 16 Jahre
  • Alkoholstärke: 43% ABV
  • Whiskybase: https://www.whiskybase.com/whisky/51469/lagavulin-16-year-old

Heute findet mit dem Lagavulin 16 Jahre eine Institution den Weg in mein Glas. Dieser Malt zählt zu den meistverkauften Single Malts Schottlands. Dabei schafft es Lagavulin über Jahre eine konstant hohe Qualität und Verfügbarkeit zu gewährleisten. 


Farbe
Kupfer

Nase
Kräftiger, erdiger Torfrauch, Räucherspeck, Jod, und Assoziationen an den Strand an einem kalten, windigen Tag. Dazu nasses Holz und ein Hauch Verbandskasten. Direkt dahinter liegt eine wunderbare Schicht süßer, gerösteter Früchte: Pflaumen, Beeren und etwas Orange.

Geschmack
Ausgewogen und angenehm ölig legt sich der Malt auf die Zunge. Zuerst dominiert kräftiger Rauch, gesalzener Speck, der schnell von Tabak, bitteren Orangen, schwarzen Oliven und einer dezenten Honignote ergänzt wird.

Abgang
Nur ganz langsam ebbt der Rauch im Mund ab, wie bei einem noch glühenden Lagerfeuer tauchen immer wieder Rauchschwaden auf. Dann gesalzene Nüsse, angebranntes Karamell, wieder Tabak und stark erdige Aromen.

Fazit
Einer der besten, wenn nicht der beste Einstiegsmalt, den die Insel Islay zu bieten hat. Ein Must-Have für jeden, der rauchigen Whisky mag. Über viele Jahre hinweg wird hier eine konstant extrem hohe Qualität geboten, ohne Schnörkel, ohne Marketing und zum fairen Preis. Hier ist die Welt noch in Ordnung.

89/100

Mittwoch, 25. November 2015

#074: Strathmill 1990 - 25 Jahre - C&S Dram Collection


  • Brennerei: Strathmill
  • Fasstyp: Sherry Butt
  • Jahrgang: 1990 (Abgefüllt in 2015 mit 25 Jahren Alter)
  • Abfüller: C&S Dram Collection
  • Alkoholgehalt: 53,6% ABV
  • Whiskybase: https://www.whiskybase.com/whisky/71901/strathmill-1990-cs


In den letzten Wochen habe ich immer wieder die Strategie hinter der C&S Dram Collection gelobt. Hier werden Whiskys zum Trinken und nicht zum Sammeln abgefüllt. Ohne Schnickschnack, Marketinghype - immer zum fairen Preis. Die besonders lang gereiften Malts werden unter dem Label "Dram Senior" angeboten.
Die Brennerei Strathmill gehört zum Diageo-Konzern und produziert vornehmlich für die hauseigenen Blends, vorwiegend J&B. Einen Single Malt bekommt man aus dieser Brennerei nur selten.
Ich danke Caminneci Wine & Spirit Partner für die Probe und das Foto!


Farbe
Kupfer

Nase
Im ersten Eindruck dominieren reife, dunkle Früchte. Pflaumen, Brombeeren und rote Trauben. Der Whisky verändert sich an der Luft sehr dynamisch. Die Früchte werden langsam getrocknet und es treten saftige Rosinen, Trockenpflaumen und klebrige getrocknete Datteln hervor. Dahinter liegen Marzipan, Milchschokolade und Karamell. Über allem schwebt eine Wolke aus Zimt, geriebener Muskatnuss und deutlicher, holziger Würzigkeit, die entfernt an zarten Holzrauch erinnert. Sehr komplex, dieser Whisky braucht viel Zeit im Glas, bis sich die Aromen deutlich separieren lassen.

Geschmack
Sehr angenehm und weich gleitet der Strathmill über die Zunge. Zuerst treten gemischte Nüsse, Mandeln und Rosinen hervor. Studentenfutter. Dann Marzipan, Brombeeren, Orangenmarmelade, dunkles Karamell und Vanillezucker. Kurz bevor der der Geschmack in den Abgang mündet finden sich würzige Kräuter auf der Zunge.

Abgang
Lang und deutlich nussig verblasst der Strathmill nur langsam auf der Zunge. Immer wieder erscheinen Rosinen, Bratapfel, Marzipan und Zimt und spielen mit der immer trockener werdenden Würze des Fasses, das zum Ende hin eine wohlschmeckende Bitterkeit bringt.

Fazit
Ein sehr komplexer und gefälliger Whisky, der nicht von der langen Reifung in einem Sherry Butt dominiert wird, sondern ein komplex Spiel aus vielen verschiedenen Facetten zulässt. Ab 25 Jahren wird's einfach erst richtig schön...

89/100

Dienstag, 24. November 2015

#073: Wild Turkey 12 Jahre - Kentucky Straight Bourbon Whiskey





Farbe
Dunkler Bernstein

Nase
Reife, dunkelrote Kirschen und Himbeeren in Vanillesauce. Flüssiges Karamell, kandierter Apfel und Saftorangen, umrahmt von geröstetem Brot und einem Hauch Kakaopulver. Insgesamt betörend süß und trotz 50,5% Alkoholanteil sehr mild und gefällig.

Geschmack
Seidig weich und kraftvoll zugleich. In Alkohol eingelegte Kirschen, Vanillepudding mit Karamellsauce und Bratapfel. Dazu kommet englische Orangenmarmelade mit einer zarten Bitterkeit.

Abgang
Lang und angenehm mit viel Karamell und Vanille klingt der Malt langsam ab. Gleichzeitig prickelt immer wieder die deutlich ausgebaute amerikanische Weißeiche an den Wangen und lässt den Speichel nahezu unaufhörlich nachfließen. Der Speichel lässt immer wieder angenehme Fruchtnoten aufscheinen... Ein positiver Teufelskreis.

Fazit
Für mich der beste Bourbon, den ich bis jetzt kosten durfte. Hier sind nicht nur die "üblichen Verdächtigen" wie Vanille, Karamell usw vertreten - auch wundervolle Fruchtaromen spielen hier eine große Rolle.

89/100

Sonntag, 22. November 2015

#072: Bowmore The Devil's Casks III




Der Bowmore Devil's Casks III steht unter keinem guten Stern. Während die beiden Vorgänge alle mit einer Altersangabe von 10 Jahren und einem Preis von z.T. unter 100 EUR auf den Markt kamen, hat sich mit der dritten Ausgabe der Ausgabepreis mit knapp 200 EUR mehr als verdoppelt - bei gleichzeitigem Entfall der Altersangabe. Diese Produktpolitik kann und ich will ich nicht gutheißen. Viele Genießer haben ihn auch schon als, im Vergleich zu den Vorgängern, deutlich schlechter beschrieben. Aber ich gehe dennoch unvoreingenommen und objektiv auf den Whisky zu.


Farbe
Alte Eiche

Nase
Ein bombastischer Antritt in der Nase! Süß und fruchtig spielt er die gesamte Palette der verwendeten Oloroso und Pedro Ximénez Fässer aus. Romrosinen, Dörrpflaumen, Kirschkompott und Gerstenzucker. Dazu angenehm würzig mit sehr dunklem Kakao, geröstetem Brot und Walnüssen. Auch Rauch ist da, dieser ist aber derart dicht mit den anderen Aromen verwoben, dass er aus der Gesamtkomposition kaum zu separieren ist. Der Alkohol ist perfekt eingebunden, verleiht Kraft ist aber als solcher nicht wahrnehmbar.

Geschmack
Atemberaubend! Zu Beginn fruchtig, süß und ölig. Nach wenigen Sekunden übernehmen Chili, Cayennepfeffer und und Ingwer die Führung. Richtig scharf, die Zunge brennt wie bei einem scharfen Essen! Diese Schärfe kommt absolut nicht vom Alkohol. Dahinter kommt wieder eine feine Süße und viel dunkle Schokolade mit Nüssen zum Vorschein. Der Torfrauch ist im Geschmack deutlicher zu spüren.

Abgang
Sehr lang und cremig mit dunkler Schokolade, herben Gewürzen und immer noch deutlichem Raucheinfluss. Die Zunge prickelt noch von der Schärfe. Das Eichenholz setzt einen holzigen Kontrapunkt.

Fazit
Ein ganz besonderer und wahrhaft teuflisch guter Whisky. Die enorme Schärfe auf der Zunge, die keineswegs mit alkoholischer Schärfe zu verwechseln ist, sucht ihresgleichen. Dazu wundervolle Sherryaromen und der typisch, aromatische Bowmore-Rauch. Für Liebhaber von scharfem Essen eine ganz besondere Empfehlung, für alle anderen aber grundsätzlich auch. Ein echtes Erlebnis, dessen Preis leider aus meiner Sicht absolut inakzeptabel ist. Der z.T. heftigen Kritik an der Qualität dieses Malts kann ich mich nicht anschließen.

89/100

Mittwoch, 18. November 2015

#071: Auchroisk 2005 C&S Dram Collection


  • Brennerei: Auchroisk
  • Fasstyp: Refill Sherry Butt
  • Jahrgang: 2005 (Abgefüllt in 2015 mit 9 Jahren Alter)
  • Abfüller: C&S Dram Collection (Caminneci Wine & Spirit Partner)
  • Alkoholstärke: 63,1% ABV
  • Whiskybase: https://www.whiskybase.com/whisky/74100/2005-cs


Es ist Mittwoch und wieder steht ein Whisky aus der aktuellen C&S Dram Collection vor mir. Auch diesmal eine Brennerei aus der zweiten Reihe - Auchroisk brennt hauptsächlich für den J&B Blended Scotch Whisky. Genau das finde ich aber so spannend an der C&S Dram Collection - hier bekommt man Erlebnisse weit fernab jeden Mainstreams. 
Mein Dank geht an Caminneci Wine & Spirit Partner für die Probe und das Foto.


Farbe
Weißwein

Nase
Zunächst vornehm zurückhaltend mit Vanillecreme, und sanfter Fruchtigkeit. Mit einiger Zeit im Glas entfalten sich die Früchte und werden definierter. Orangensorbet, Kumquats, Ananas und intensive getrocknete Mangos und Pfirsiche. Über allem thront frische Minze und ein Hauch Nussigkeit. Der Alkohol ist unglaublich gut eingebunden und nicht spürbar.

Geschmack
Wieder erstaunt der perfekt eingebundene Alkohol, da brennt nichts. Der Mund wird von cremigem Honig, Orangen, Kumquats und Haselnüssen regelrecht ausgekleidet. Auch würziger Pfeffer und einige Eichentannine sind mit von der Partie.

Abgang
Lang und schnell überraschend trocken werdend. Bittersüße Orangenschalen, Vanille, angebranntes Karamell und Walnüsse.

Fazit
Dieser Malt braucht Zeit im Glas und belohnt den Geduldigen mit einer sehr schönen Komplexität zwischen jugendlicher, fruchtiger Frische und einer überraschenden Reife für das junge Alter. Bei der Zugabe von Wasser rate ich zur Vorsicht, seine größte Stärke spielt er ob in Perfektion eingebundenem Alkohol in voller Fassstärke aus. Gefällt mir gut!

85/100

Dienstag, 17. November 2015

#070: Hibiki Japanese Harmony


  • Brennerei: Suntory (Japan)
  • Fasstyp: American White Oak, Sherry & Mizunara Casks
  • Alter: Keine Angabe (NAS)
  • Alkoholgehalt: 43% ABV
  • Whiskybase: https://www.whiskybase.com/whisky/66259/hibiki-japanese-harmony


Im Vorfeld bin ich mit nicht sicher, was ich von dieser Flasche halten soll. Ich mag japanischen Whisky. Was ich aber nicht so gerne mag sind Blends (Ausnahmen bestätigen die Regel) und fehlende Altersangaben. Hier sind diese Gegensätze vereint - mal sehen, wie er sich schlägt.


Farbe
Heller Bernstein

Nase
Ganz weich, rund und elegant kommt er daher. Ich stehe in einem japanischen Garten voll mit reifen Früchten. Litschis werden geerntet und sofort ausgepresst. Dazu gibt es überreife Saftorangen, Vanilleschoten, Karamell und Zimt. Neben dem Garten duftet eine große Blumenwiese. In weiter Ferne ist ein Anflug würzigen Holzes zu spüren, es dominiert aber klar eine fast parfümartige Komposition aus Frucht, Blumen und feiner Süße.

Geschmack
Die Textur ist cremig und mundfüllend. Nach einigen Momenten wird es auf der Zunge mit schwarzem Pfeffer und Zimt kurz prickelnd würzig, bevor wieder Süße und Frucht die Oberhand gewinnen. Viel Marzipan, Karamell, gezuckerte Mandeln und Orangen in dunklem Waldhonig. Der Alkohol blitzt am Anfang kurz etwas durch, zieht sich dann aber wieder vornehm zurück.

Abgang
Mittellang, cremig und süß mit Mandelsirup, Orangen, Karamellbonbons und einer ganz fernen Note von Bitterschokolade.
Am Ende klopfen die Fässer nochmal an und bringen etwas süßen Pfeifentabak, milden Pfeffer und zarte Holzigkeit mit sich.

Fazit
Eine sehr schöne Gesamtkomposition. Wie bei einem guten Parfum spürt man die verschiedenen Facetten, die - so scheint es - ganz bewusst genau so komponiert worden sind. Ein ganz anderes Erlebnis, als es einem jeder Scotch zu bieten vermag, mit vielen eigenständigen Aromen und Erfahrungen. Definitiv einen Versuch wert!

86/100

Sonntag, 15. November 2015

#069: Mackmyra Reserve - Private Cask MA-1444 - 2010-2014





Diese Flasche ist für mich, schon rein emotional, etwas ganz Besonderes. Sie war ein Geschenk eines guten Bekannten aus Schweden, mit dem ich oft die ein oder andere Flasche austausche. VIELEN DANK dafür! :)
Es handelt sich um ein Private Cask von Mackmyra. Das Alter von nur vier Jahren mag gering klingen, dieser Whisky wurde aber in einem sehr kleinen 30-Liter "Ambassadör"-Fass gereift. Es handelt sich hier, soweit ich herausfinden konnte, um Ex-Bourbon Holz und Fassdeckel aus neuer, schwedischer Eiche.


Farbe
Tiefes Gold

Nase

Ganz zu Beginn gibt er sich, wie so viele Mackmyra vor ihm, eher verschlossen. Zähflüssiges dunkles Karamell, getrocknete Pfirsichringe und etwas Vanille.
Nach einiger Zeit im Glas öffnet er sich: Sehr viel süßes Malz, Zitronenmelisse, grüner Apfel und tropisch fruchtige Kiwi und Ananas. Noch später kommen süße Gebäcknoten und Kandiszucker hinzu. Der Alkohol ist in Form einer kühlenden Note zu spüren, aber schon recht gut eingebunden.


Geschmack
Gesalzenes Karamell, etwas sanfter Pfeffer und eine beginnende Eichenwürze an den Wangen. Es lohnt sich, den Whisky etwas länger auf der Zunge zu belassen, denn dann kommt nochmal eine richtige Fruchtexplosion mit Aprikosen, Ananas und Honigmelone. Auch hier ist der Alkohol gut eingebunden, der Wunsch nach Wasser kommt nicht auf.

Abgang
Im Abgang kommt die Würze der schwedischen Eiche - die Deckel des verwendeten Ex-Bourbonfasses wurden aus dieser gefertigt - sehr schön zum Tragen. Einige Kräuter spielen mit Vanille und Karamell und münden in einen mittellangen Abgang.

Fazit
Ein sehr schöner Mackmyra, der - dank Reifung in einem kleinen 30-Liter-Fass - bereits nach 4 Jahren eine beeindruckende Komplexität erlangen konnte. Die Nase ist hier das klare Highlight, mit zunehmender Zeit an der Luft verändert sie sich sehr dynamisch. Kaum auszudenken, wie gut dieser Malt z.B. mit einem Finish im Sherryfass noch hätte werden können.

86/100

Donnerstag, 12. November 2015

#068: Edradour 10 Jahre Dark Sherry - Signatory Vintage




Dieser Edradour wurde in der Unchillfiltered Collection von Signatory Vintage abgefüllt. Da die Brennerei Edradour aber Signatory Vintage gehört, handelt es sich dennoch quasi um eine Originalabfüllung. Der Farbe nach - Signatory färbt nicht - war hier ein besonders aktives "Dark Sherry" Fass am Werk.


Farbe
Dunkle Kastanie

Nase

Viel, viel dunkler Sherry. Rosinen, Trockenpflaumen und -feigen und mehr als nur ein Hauch Schwefel, der sich aber nach einigen Momenten im Glas zurückzieht. Mit der Zeit immer süßer werdend mit Marzipan, Datteln und roten Trauben.
Dazu immer präsent ist eine für 10 Jahre Reifung schon sehr intensive Holznote und ein schwer definierbarer Grundcharakter, der sich am ehesten mit Lebkuchengewürz beschreiben lässt.

Geschmack
Zuerst intensive Gewürze: Zimt, Kardamom, Muskat und Sandelholz. Dann Marzipan, überreife Banane, rote Trauben und viele rote Beerenfrüchte. Die Würze geht mit der Zeit in Ingwer über.

Abgang
Herbe Eiche, süße Lakritze und viel Karamell klingen mittellang ab. Am Gaumen bildet sich eine cremige Bitterkeit wie bei einem guten Espresso.

Fazit
Für einen 10-jährigen ist hier unheimlich viel Fasseinfluss gegeben! Erinnert fast an den 15-jährigen GlenDronach Revival - lediglich etwas Komplexität in den Sherrynoten fehlt zur Tipwertung.

86/100

Mittwoch, 11. November 2015

#067: Glenburgie 18 Jahre (Jahrgang 1997) C&S Dram Collection



Whiskys aus der Glenburgie Brennerei sind hauptsächlich in den Blends Teacher's und Ballantine's zu finden. Umso interessanter ist es für mich, heute einen Single Malt von Glenburgie im Glas zu haben.
Vielen Dank an Caminneci - Wine and Spirit Partner für die Probe und das Foto.


Farbe
Weißwein

Nase
Sahnebonbons, Vanille und ein sommerlicher Blumengarten. Dazu Zitronenmelisse, Hefe und eine leichte Pfirsichnote. Mit der Zeit erstarken Kräuternoten, die nach einigen Minuten das Aroma vollständig dominieren. Das Fass ist hier sehr zurückhaltend und überlässt das Spielfeld großteils dem Brennereicharakter.

Geschmack
Kräftig und pfeffrig-süßer Antritt auf der Zunge. Zu Beginn etwas Karamell und deutliche Fruchtigkeit, dann übernimmt schnell eine Kräuternote die Oberhand, die von Würzigkeit zunehmend ins Bittere tendiert.

Abgang
Mittellang und zu Beginn zart fruchtig klingt der Malt ab. Schnell erstarken wieder die Kräuter. Der Gang durch den Kräutergarten führt von Salbei und Bergkräutern bis hin zu kräftig herben Gewächsen. 

Fazit
Selten habe ich so starke Kräuter- und Bitternoten in einem Whisky erlebt. Insgesamt hat dieser Malt für mich wenig Fasseinfluss und wird in Aroma und Geschmack nur vom Brennereicharakter dominiert - was dann im späteren  Verlauf leider durch herbe, fast bittere Noten, abgelöst wird. Für Liebhaber von herbalen, kräuterigen Whiskys und zum Kennenlernen des Charakters von Glenburgie sicher interessant.

77/100

Dienstag, 10. November 2015

#066: Jack Daniel's Old No. 7 - Tennessee Whiskey




Heute begebe ich mich ganz zurück an den Anfang meiner Whisk(e)y Zeit. Vor vielen Jahren, noch unterhalb des legalen Alters für Alkoholkonsum fand dieser Whiskey, zusammen mit Coca Cola, den Weg in mein Glas. Seit dem sind über 12 Jahre vergangen und ich kann mich nicht mehr erinnern, wie der "Jack" geschmeckt hat. Diese Erinnerung frischen wir heute auf.


Farbe
Goldener Mais

Nase
Sehr süß, zugänglich und einfach präsentiert sich der Old No. 7 im Glas. Vanille, Karamell, süßer Mais, Ahornsirup und etwas Kokosnuss. Wenn die Nase ganz tief ins Glas geführt wird, beißt der Alkohol mit einer ganz leichten Klebstoffnote. Mehr kommt auch nach längerer Zeit im Glas definitiv nicht, keine Komplexität.

Geschmack
Sehr süß, fast wie ein Likör! Sehr weich und ein wenig wässrig auf der Zunge. Jellybeans, Vanillecreme mit Bananen und wieder viel süßer Mais. Dazu etwas Ingwer und Muskatnuss.

Abgang
Zunächst ist im Abgang der Alkohol etwas harsch zu spüren. Wenn sich das gelegt hat wird es wieder süß. Allerlei Süßigkeiten, Karamell und tonnenweise Vanilleschoten.

Fazit
Ich muss sagen, ich bin überrascht. Nicht mein "Style" - viel zu süß und zu wenig Komplexität - aber dennoch ist er für ein solches Massenprodukt doch auch pur erstaunlich gut genießbar. Wenn ich also mal wieder auf einer Party bin, wo es nur "Jack Cola" gibt, werde ich ihn ohne Cola verlangen.

72/100

Sonntag, 8. November 2015

#065: Bruichladdich Cuvee 407 - "PX" - La Noche Bocca Arriba




Den Cuvee 407 "PX" habe ich ganz bewusst ans Ende meiner Verkostungsreihe gesetzt. Er hat mich wahrhaft beeindruckt und ist für mich beste unter den drei letzten Cuvee-Abfüllungen. Leider auch inzwischen der, den man nur am schwierigsten auftreiben kann.


Farbe
Kastanie mit deutlichem Rotstich

Nase
Kräftige und fein abgestimmte Sherryaromen steigen sogleich nach dem Einschenken aus dem Glas. Dunkle Kirschen in Schokolade, Rumrosinen, Datteln, Karamellpudding und etwas trockener Holzstaub. Eine delikate Würze von Zimt, Kardamom und einer Assoziation an entfernten Holzrauch umrahmt den Pedro Ximénez Sherry.

Geschmack
Sehr ölig und weich - zugleich aber würzig auf der Zunge. Sehr süß mit Pflaumen, Rosinen, Kirschen, dunkler Schokolade und gerösteten Haselnüssen. Weit entfernt schimmert auch das Bourbonfass mit Karamell, Vanille und einem Hauch Exotik durch. Über allem liegen angenehm kräftige Tannine aus dem Eichenholz, vergleichbar mit einem mittelstarken italienischen Espresso.

Abgang
Der mittellange Abgang ist zunächst geprägt von süßen Trauben, Kirschen und Rohrzucker. Schnell setzen sich aber Bitterschokolade, angebrannter Espresso und etwas Pfeffer durch. Der Abgang wird klar vom europäischen Eichenholz geprägt, dieses wird aber nicht zu aufdringlich oder zu forsch. Gut abgerundet

Fazit
In einem Wort: Wundervoll. Starker Sherryeinfluss spielt mit dem immer noch vorhandenen Brennereicharakter und den Bourbonnoten aus der ersten Reifung. Alle Facetten sind gut aufeinander abgestimmt und harmonieren in Perfektion. Mit klarem Abstand der Beste unter den drei Cuvee's 382, 407 und 640.

91/100

Donnerstag, 5. November 2015

#064: Bruichladdich Cuvee 640 - Eroica - "Oh Mensch! Gieb acht!"



Heute geht es weiter in der Cuvee-Trilogie von Bruichladdich. Der 640 "Eroica" wurde in Fässern nachgereift, in denen zuvor Cognac lagerte. Diese Art der Nachreifung ist sehr selten, ich bin gespannt.


Farbe
Gelbgold

Nase
Sanft und elegant breitet sich der Duft von Ananas, Pfirsich, roten Äpfeln und Orangen aus. Eine wunderbare malzige Süße begleitet die Fruchtaromen. Feines Buttergebäck und ein leichter Milchkaffee mit viel braunem Zucker. Nach einigen Minuten verwandeln sich die frischen Früchte in Trockenobst und werden begleitet von zarten Gewürzen und einer subtilen Eichenholzfracht.

Geschmack
Überraschend kraftvoll nach der sehr weichen Nase tritt der Malt zu Beginn mit kräftiger Würze und deutlichen Tanninen auf die Zunge. Dicht gefolgt von Sahnekaramell, roten Beeren, überreifen Äpfeln und mehr als nur einem Hauch Gartenkräutern. An den Lippen erscheint eine Idee von Salz und bringt die Erinnerung an die Insel Islay.

Abgang
Die Süße zieht sich hinter der kraftvollen Würze des Alters zurück und mündet in einen langen, sanften Abgang. Schwarzer Kaffee, Pfeffer, Ingwer und gesalzenes Karamell begleiten die Eichenholzfracht.

Fazit
Dieser Whisky bietet ein hochinteressantes Spiel von eleganter Zartheit, Süße und Fruchtigkeit bis hin zum würzigen Charakter eines langgereiften Malts. Jede dieser Facetten ist dabei wundervoll abgestimmt und eine Freude für alle Sinne.

89/100

Mittwoch, 4. November 2015

#063: Miltonduff 7 Jahre (Jahrgang 2008) C&S Dram Collection



Die C&S Dram Collection ist mir schon lange sehr sympathisch: Hier werden geradlinige Whiskys ohne viel Tamtam, Marketing, Verpackung unabhängig abgefüllt. Whiskys zum Trinken, nicht zum sammeln. Da mir Caminneci - Wine & Spirit Partner netterweise einige Proben zur Verfügung gestellt hat, gibt es ab sofort immer Mittwochs Notes zu einer C&S Abfüllung.
Wir beginnen mit einem 7 Jahre jungen Miltonduff.


Farbe
Weißwein

Nase
Zuckerwatte, Jellybeans und Cantuccini (ital. Mandelgebäck). Dazu helle Früchte: Mirabelle, weiße Trauben und deutliche Zitronenzeste. Der Alkohol ist bei knapp über 60% deutlich spürbar, vorsichtiges Nosing ist aber ohne störenden Einfluss möglich. Mit Wasser öffnet sich der Malt und gibt Aromen von Vanille, Toffee und weißer Schokolade preis.

Geschmack
Auch auf der Zunge sehr süß mit Mandeln und weißer Schokolade. Nach einigen Sekunden kommt Pfeffer auf. Die Jugendlichkeit verleiht dem Malt eine spritzige, frische Komponente ohne störende metallische Untertöne.

Abgang
Kurz aber befriedigend mit vielen Mandeln und Marzipan, sowie einer sanft herben Note, die zum Ende hin langsam aufkommt.

Fazit
Jung, süß, frisch und lecker. Besonders schön finde ich hier, dass nach nur 7 Jahren in einem nicht hochaktiven Fass - die helle Farbe des Whiskys spricht dafür - keinerlei negative Einflüsse der Jugend mehr zu spüren sind. Ein guter Dram für den Sommer.

82/100

Dienstag, 3. November 2015

#062: Bruichladdich Cuvee 382 - La Berenice MG41 [L'Age d'Or]

  • Brennerei: Bruichladdich
  • Fasstyp: Sauternes / Barsac Wine Casks
  • Alter: 21 Jahre
  • Alkoholstärke: 46% ABV
  • Whiskybase: https://www.whiskybase.com/whisky/38485/bruichladdich-cuve-382



Diese Woche widme ich den drei letzten "Cuvee"-Abfüllungen aus dem Hause Bruichladdich. Alle drei haben eine Nachreifung in unterschiedlichen Premium-Weinfässern genossen.
Den Anfang macht der in Süßweinfässern gefinishte Cuvee 382.


Farbe
Tiefes Gold

Nase
Frisch und fruchtig im ersten Antritt mit grünen Äpfeln, grünen Trauben, Birnen, Honigmelone und viel Honig. Über allem liegt eine erfrischende Note von Limettensaft und etwas Pfefferminz.
Mit zunehmender Zeit an der Luft wird er etwas würziger, bleibt dabei aber weiterhin sehr süß. Gesalzenes Karamell, gebrannte Mandeln mit Zimt und Haselnüssen.

Mund
Süß und wunderbar samtig weich im Mund. Grüner Apfel, Karamell, und erneut viel Honig spielen mit doch erstaunlich kräftiger Würze der europäischen Eiche. Im Hintergrund ist die für Bruichladdich so typische Gebäcknote mit weichen Buttercookies vertreten. Der Malt ist jugendlich frisch, fruchtig und gleichzeitig reif, gesetzt und würzig. Eine wundervolle Komposition.

Abgang
Lang und honigsüß, weiterhin mit Trauben, Äpfeln und viel gezuckerten Nüssen und Karamell. Die Süße will einfach nicht abklingen - auch wenn nach einiger Zeit deutliche Eichentannine hinzutreten.

Fazit
Wundervolle Süße und gleichzeitig eine gute Portion Reife - dieser Malt bietet The Best Of Both Worlds

89/100

Sonntag, 1. November 2015

#061: Kilchoman 2011 Madeira Cask Matured




Dieser Whisky hat viele Vorschusslorbeeren erhalten, fast ist eine Art kleiner "Hype" um diese Abfüllung entstanden. Und das trotz des geringen Alters von nur 4 Jahren und des hohen Preises von zwischen 90 und 130 EUR, bei dem zugegebenermaßen ein paar Zweifel an der Qualität des Malts auftauchen. Doch ich wurde eines Besseren belehrt - und wie.


Farbe
Kastanie

Nase

Zu Beginn sehr zurückhaltend. Kalter Rauch, Hefe, eingeweichtes Getreide und eine verhaltene Süße. Mehr kommt erstmal nicht. Ich bin fast enttäuscht und entschließe mich, den Malt 10 Minuten atmen zu lassen und dabei mit den Händen anzuwärmen. Und dann ist es, als hätte jemand den Malt im Glas vertauscht!
Süßer Getreidezucker, Malz, Honig und eine richtig intensive Note von Bienenwachskerzen. Dann erstarken die Madeiranoten. Sie sind extrem dicht verwoben, intensiv und komplex, kein Vergleich zu den sonst üblichen Finishes.

Geschmack
Samtig weich und ohne den Funken eines Brennens gleitet der Malt geradezu auf der Zunge. Geröstete Nüsse, gezuckerte Mandeln, dunkle Schokolade und viel Madeirafruchtigkeit, die sich am ehesten mit saftigem Orangenkuchen vergleichen lässt. Erst später kommt dann der auch im Geschmack kräftige Rauch wieder zum Vorschein und ergänzt die zunehmende Würzigkeit der europäischen Eiche. Der Alkohol ist hervorragend eingebunden, der Malt wirkt weder wässrig noch zu stark.

Abgang
Lang und zartbitter klingen Rauch und Süße im Mund ab und machen Platz für eine beeindruckende Getreidenote. Wie als würde man die Mashtun in der Brennerei öffnen. Zu erwähnen bleibt auch das Mundgefühl. Der ganze Mund wird belegt, wie wenn man sehr lange auf Erdnüssen kaut.

Fazit
Unglaublich, was hier nach nur vier Jahren Reifung abgefüllt wurde. Sauberes Destillat und die besten Madeirafässer haben hier einen extrem guten Malt hervorgebracht. Teuer? Vielleicht. Doch ich habe schon viele noch teurere und viel ältere Malts genossen, die im Vergleich zu diesem hier klar das Nachsehen gehabt hätten. Ein Must-Have!

90/100

Mittwoch, 28. Oktober 2015

#060: Kavalan Solist Sherry Cask



Danke an Meik Weber für das Foto

Das Finale meiner Kavalan Solist Trilogie bildet der Sherry Cask. Ich bin sehr gespannt, wie er sich mit den Sherrybomben aus Schottland zu messen vermag.


Farbe
Dunkles Mahagoni

Nase
Direkt nach dem Eingießen strömt ein sehr dunkler, schwerer und aromatischer Geruch mit extrem viel Sherry aus dem Glas. Trockener Oloroso Sherry, mehr fruchtig als süß. Viel aromatisches Holz, Pfeifentabak, Brombeeren, Rosinen, Kirschen, dunkle Schokolade. Wie Schwarzwälder Kirschtorte mit einem starken Kaffee. Später kommen weihnachtliche Gewürze dazu: Zimtstangen, Lebkuchengewürz, Orangeat und Nelken.

Geschmack
Extrem viel Sherry auch im Geschmack. Jetzt auch sehr süß, die Trockenheit aus dem Aroma ist nicht mehr zu verspüren. Überreife schwarze Johannisbeeren, Pflaumen, Walnüsse und Kandiszucker. Kräftige Eichentannine sind ebenfalls vorhanden, überlagern den Sherry aber nicht, sie wechseln sich gut mit den Fruchtaromen ab.

Abgang
Viel Holz und Gewürze bleiben lange im Mund. Dazu Espresso dunkle Schokolade, Karamell, Zimt und allerlei rote Früchte, die immer wieder an den Wangen aufblitzen. Starker Speichelfluss.

Fazit
Ein wahres Sherrymonster mit allem, was dazu gehört. Die kurzen Jahre der Reifung in der Hitze Taiwans vollbringen hier wahrhaft Beeindruckendes. Dieser Whisky ist auf Augenhöhe mit den besten schottischen Sherryfasswhiskys, die für diese Qualität aber meist deutlich über 20 Jahre Reifezeit benötigen. Absolute Kaufempfehlung!

90/100