Sonntag, 31. Juli 2016

#152: Bruichladdich 2003 - The Valentine's Kiss - Malts Of Scotland





Dieser ganz besondere Bruichladdich stand pünktlich zum Valentinstag 2015 im Warehouseshop von Malts Of Scotland in Paderborn in den Regalen. Ein süßes Herzchen auf dem Etikett und die leicht rötliche Farbe ergeben einen lieblichen Touch. Der Name "Valentine's Kiss" passt zum einen dazu - zum anderen referenziert er, so hörte ich, auf Tasting Notes von Robin Laing.


Farbe
Roséwein mit etwas Mahagoni

Nase
Zuerst zur Farbe: Für die gibt es in der Whiskybase Skala keine passende Auswahl. Ich würde sagen Roséwein trifft es am besten. Auch im Aroma findet sich heftiger Portwein-Einfluss: Intensive Süße, Erdbeeren, Weingummi und Rohrzucker treffen auf weinige Säurenoten und ganz entfernten Hauch von Rauch. Hinter der Süße und der roten Fruchtigkeit blitzt schon eine intensive Fasswürze aus dem Portwein Hogshead auf. Typisch für Bruichladdich ist der Alkohol hervorragend eingebunden.

Geschmack
Ein Intermezzo in drei Akten: Der erste Antritt ist weich, buttrig, süß und dabei doch intensiv. Dann folgen viele reife rote Früchte, die mit karamellisiertem Zucker übergossen werden. Und dann schlagen Fass und Alkohol unvermittelt zu. Pfeffer, Wein, Chiliöl und richtig intensive Gewürze. Dabei wird die fruchtige und süße Seite deutlich übertönt.

Finish
Lang und trocken. Mit Fruchtmus gefüllte Bitterschokolade, englische Orangenmarmelade, Assoziationen an warmen Holzrauch. Man merkt dass die Fruchtigkeit und der Portwein da sind, das Holz ist aber ein wenig zu stark und lässt sie nicht richtig nach vorn.

Fazit
Erinnert mich vom Charakter an den Bruichladdich 2002 Warehouse Diamond aus dem Chateau D'Yquem Sauternesfass, ebenfalls von MoS. Wunderbare Aromen vom Wein, unverwechselbare Süße - aber auch ein wenig zu viel Holzeinfluss. Insgesamt gefällt er mir gut, ein wenig bessere Balance wär für eine Topwertung in meinem Buch aber notwendig. Doch das ist, bei aller Fairness, "Meckern" auf höchstem Niveau. :)

Donnerstag, 28. Juli 2016

#151: West Cork 12 Jahre PX Sherry Cask Finish





Das Finale meiner West Cork Entdeckungsreise bildet der 12 Jahre alte Whiskey mit Finish in süßen Pedro Ximénez Sherry Fässern. Dieser Sherry ist bekannt für seine süßen Aromen und weniger für seine große Fruchtigkeit. Das sollte mit dem frischen Zitruscharakter der anderen West Cork Abfüllungen gut harmonieren... In der Theorie jedenfalls.
Danke an Kirsch Whisky Import für die Probe und das Foto.


Farbe
Gelbgold

Nase
Im ersten Antritt wieder die für West Cork recht typischen Zitrusfrüchte. Frisch, dezente Säure - sehr angenehm. Der Einfluss des Sherry-Finishs kommt kurz danach, subtil aber doch mit Nachdruck daher. Von Minute zu Minute erscheint der Whiskey "dunkler" zu werden. Rosinen, Schokoladensüße, reife Pfirsiche und ein paar dunkle Beeren. Interessantes Detail, je näher man die Nase zum Whiskey führt, erstarkt auch die frische Zitrusfruchtigkeit wieder.

Geschmack
Süß und angenehm weich, aber eine Spur intensiver und kräftiger als seine West Cork Kollegen. Kakaopulver, intensive Schokolade mit Haselnüssen und Rosinen. Vor dem Übergang in das Finish eine minimale Bitterkeit, die sich gut mit der Süße ergänzt.

Finish
Kurz, zart würzig und weiterhin begleitet von einer schönen Süße, Kakaopulver und getrockneten Früchten. Der Eindruck vom Gaumen setzt sich fort, bis er ganz verblasst.

Fazit
Gefällt mir sehr! Wie schon andere West Cork ist er leicht, süß und zugänglich - kann dabei aber mit ordentlicher Komplexität aufwarten. Das PX Sherry Finish hat dem Whiskey sehr gut getan. Und der Preis... Ja der ist heiß :)

Dienstag, 26. Juli 2016

#150: West Cork 12 Jahre Rum Cask Finish




Whisk(e)y mit Reifung oder Finish in Rumfässern ist aus meiner Sicht keine richtige Seltenheit, dennoch ist dieser Fasstyp nicht allzu häufig anzutreffen. Rum wird aus Melasse des Zuckerrohrs gewonnen und ist somit ein völlig anderes Kaliber aus ein Malt Whisk(e)y. Ich bin gespannt, welche Aromen der karibische Rum in den West Cork eingetragen hat.
Danke an Kirsch Whisky Import für die Probe und das Foto.


Farbe
Blasses Gold

Nase
Der Rum ist erfreulicherweise sehr deutlich spürbar. Frisch aufgeschnittene Limette, die Anschnittstelle mit braunem Zucker bestreut. Mit der Zeit steigt Vanille auf und bringt auch grünen Apfel und Zitronenmelisse mit. Nicht besonders komplex, aber wundervoll süß und lecker.

Geschmack
Leicht und trotzdem mundfüllend mit cremiger Vanillesauce und wieder deutlichem Rumeinfluss. Sehr süß. Karamell und weit entfernter Bratapfel. Nach einigen Sekunden im Mund wird er würziger mit Pfeffer und auch etwas Eiche.

Finish
Weiterhin sehr cremig und süß - und jetzt endlich kommen mehr Früchte auf. Aprikosen und Honigmelonen. Dann wird er etwas trockener, die Eichenfässer bringen etwas beginnende Bitterschokolade am Ende.

Fazit
Sehr lecker! Der Rum passt super zum Charakter des Malts und ist erfreulich intensiv spürbar, ohne den Malt aber komplett zu dominieren. Nicht überaus komplex, aber sehr wohlriechend und -schmeckend. Und für das Geld muss da definitiv eine Flasche her.   

Sonntag, 24. Juli 2016

#149: West Cork 12 Jahre Port Cask Finish



Nach den neuen NAS von der irischen West Cork Distillers Company kommen jetzt die Nachgereiften mit Altersangabe dran! Auch hier stammt der Whiskey aus einer nicht näher genannten anderen irischen Brennerei. 
Vielen Dank an Kirsch Whisky Import für die Probe und das Foto.


Farbe
Blasses Gold

Nase
Der Einfluss des Portweins ist subtil, aber sofort spürbar. Süßer Honig, Malz und eine zarte Weinigkeit. Mit der Zeit wird er immer frischer, eine zarte und angenehm zurückhaltende Säure vom Port kommt auf. Erinnert an zerstoßene Minzblätter mit braunem Zucker... Mojito Irish Whiskey Style?!

Geschmack
Elegant und weich auf der Zunge, jedoch durch seine 43% spürbar intensiver als seine 40 prozentigen Brüder. Steht ihm gut! 
Süß-sauer, wobei die Süße klar überwiegt. Schokolade, Himbeeren, Rohrzucker und einige Getreidenoten.
Finish
Im relativ kurzen Abgang kommt eine beginnende Würze aus den Fässern auf und bringt milden Pfeffer, Zartbitterschokolade und einige helle Früchte. Er lädt immer wieder zu einem weiteren Schluck ein.
Fazit
Ein schöner Whiskey mit einer spürbaren, aber nicht dominierenden Portwein-Facette. Der höhere Alkoholgehalt von 43% gibt ihm die nötige Kraft auf der Zunge. Der Abgang könnte komplexer und fruchtiger sein, dazu hätte es ein paar Jahre mehr im Portwein-Fass gebraucht. Klasse PLV und guter, süffiger Single Malt Whiskey aus Irland.
 

Mittwoch, 20. Juli 2016

#148: Craigellachie 2006 C&S Dram Collection


 


Heute wieder ein Kandidat für den "Sommer-Whisky 2016". Doch was ist das? 65,4% Alkoholstärke nach 9 Jahren Reifezeit? Wow, da ist definitiv mehr Wasser als Alkohol aus dem Fass verdunstet. :-)
Wie sich zeigt, ist der Einsatz von Wasser hier absolut empfehlenswert - bekommt der sehr gute Malt ein noch besseres Preis-Leistungs-Verhältnis. Da ist locker 1 Liter in Trinkstärke drin.
Vielen Dank an Caminneci Wine & Spirit Partner für die Probe und das Foto.


Farbe
Blasses Gold

Nase
Die 65% Alkohol spürt man sehr deutlich, das ist unheimlich intensiver, kraftvoller Stoff. Bei vorsichtigem Nosing finden sich aber schon unverdünnt viel Vanille und zahlreiche helle Früchte. Unreife Banane, ein Alkohol eingelegte Dosenfrüchte. Mit einem ordentlichen Schuss Wasser wird es erheblich angenehmer. Weiterhin viel Vanille, etwas Karamell, Ananas, Kiwi und Litschisaft. 

Geschmack
Zuerst süß mit Malz, Hagelzucker und wieder gemischten Dosenfrüchten. Dann wird der ganze Mund richtig heiß, es wird pfeffrig scharf und sehr intensiv. Die Zunge wird von der geballten Macht des Alkohols attackiert. Mit Wasser bleibt die Schärfe, er wird aber insgesamt einfacher zu genießen. Vanillezucker trifft auf Fruchtsalat und auch das Fass ist mit einer zarten Eichenwürze am Rande spürbar.

Finish
Recht kurz aber sehr angenehm und ob der großen Kraft wird die ganze Speiseröhre so richtig warm. Vanillecreme und Karamellbonbons und auch die eingekochten Früchte lassen sich erahnen. Nach wenigen Augenblicken ist nur noch an den Wangen ein wenig von den Aromen zu finden. Das macht Lust auf den nächsten Schluck.

Fazit
Während so mancher Vertreter anderer Brennereien in dieser Stärke bereits ganz gut genießbar ist, muss hier aus meiner Sicht definitiv Wasser ran. Man bekommt hier richtig viel Whisky für's Geld, mit entsprechender Verdünnung ist da locker ein Liter sommerlicher, fruchtiger und schnörkelloser Craigellachie aus dem Ex-Bourbon Fass drin. Passt gut für den Sommer, der kurze Abgang und die angenehmen Aromen machen ihn direkt gefährlich. ;-)
 

Sonntag, 17. Juli 2016

#147: BenRiach 17 Jahre Solstice - Heavily Peated Port Wood Finish





BenRiach. 17 Jahre. Port Wood. Heavily Peated.
Das klingt nach einer Rezeptur ganz nach meinem Geschmack! Als Nachfolger des 15-jährigen Solstice, der ebenfalls stark rauchig und mit Portwein-Finish daherkam läuft nun leider auch der 17er schon wieder aus und wird langsam aber sicher teurer und seltener...


Farbe
Helle Kastanie

Nase
Trockener Holzrauch, dunkle Süße und schwere Portweinnoten sind sofort da und eng miteinander verwoben. Der Rauch ist holzig und auch einige Kräuter werden in die Glut gelegt, für mich unverwechselbar BenRiach. Nach und nach wird der Rauch phenolischer und gibt gleichzeitig die dahinter liegenden Aromen frei. Himbeeren, schwarze Johannisbeeren, Pfirsiche - natürlich alle geröstet. Gesalzene Erdnüsse und eine gewisse Erdigkeit. Der Alkohol ist perfekt eingebunden.

Geschmack
Heftiger Antritt, im positiven Sinne ungehobelt. Gegrillter Speck, viel Rauch und wieder die eher säuerlichen Beeren. Für mich gibt die Himbeere auch im Geschmack den Ton an. Auch ein wenig Orangenschale ist dabei. Dann wird herbal und zartbitter, die für mich so typischen BenRiach Kräuterbonbons sind da. Auch ein wenig Eichentannine prickeln auf der Zunge, ist aber nicht wirklich intensiv. Die Port-Fässer sind vermutlich schonmal zuvor mit Whisky befüllt gewesen.

Finish
 Lang, warm und intensiv. Holzrauch, Aschenbecher, Zigarre und schwarzer Pfeffer. Gleichzeitig findet aber auch die Süße und die weinigen, säuerlichen Beerennoten einen Weg durch den Rauch und grüßen ein letztes Mal...

Fazit
Sehr komplex, vielseitig und eng verwoben - der BenRiach Solstice 17 Jahre macht richtig Spaß. Die Alkoholstärke von 50% ABV gibt ihm sehr viel Kraft, ohne ihn aber zu heftig werden zu lassen. Wäre der Rauch nicht so holzig-kräuterig (<3 BenRiach!) würde er glatt nach Islay passen.

Sonntag, 10. Juli 2016

#146: Bruichladdich PHD_135 - Feis Ile 2016





Eine der drei Sonderabfüllungen von Bruichladdich zum Islay Festival "Feis Ile" in 2016. Die Flasche steht für den Anspruch, den man sich bei Bruichladdich selbst auferlegt hat: Progressive Hybridean Distillers (PHD). Die Brennerei wurde in 1881 gegründet - in 2016 ist sie also 135 Jahre alt. Soviel zu Erklärung des Namens und der Zahlen auf der Flasche. Mit dieser Abfüllung will Head Distiller Adam Hannett also zeigen, wofür man steht und wie Markenclaims erfüllen. 
Eine Besonderheit ist auch, dass das Vatting aus den verschiedenen Fässern ganz zum Schluss noch einige Zeit in Virgin Oak nachgereift wurde, also jungfräulichen Eichenholzfässern, in denen zuvor noch keine Spirituose lagerte.


Farbe
Goldbraun

Nase
Direkt nach dem Einschenken dominiert das Virgin Oak: Intensive, sirupartige Süße, Zimt, Holzigkeit und eine nicht störende Klebstoffnote.
Von Minute zu Minute an der Luft kommen mehr und komplexere Aromen hervor. Erst ein ganz zarter Anflug von Rauch, dann rote Äpfel und Trauben, Rosinen, Milchschokolade und Vanillezucker. Dahinter spürt man auch die Weinfässer mit leicht säuerlicher Fruchtigkeit von Stachelbeeren und einer trockenen Holznote.


Geschmack
Schwer, süß, cremig und intensiv auf der Zunge. Sofort kleidet eine angenehme und warme Holzigkeit den Mundraum aus. Der leichte Rauch ist wieder da. Haselnuss, Espresso (stark, nicht bitter!), Herrenschokolade. Und die immer trockener werdende Holzigkeit der Fässer.

Finish
Lang und weich mit verbranntem Karamell, Rosinen, verschiedenen dunklen Gewürzen und einer trockenen Holzigkeit, die gar nicht verblassen möchte. Eine zarte Bitterkeit kommt zum Ende hin auf.

Fazit
Mir imponiert besonders, wie klar die verwendeten Ex-Bourbon-, Wein-, Sherry- und Virgin Oak Fässer klar zu erkennen sind. Keine Facette überlagert die andere, ein Gesamtkunstwerk, das es mit viel Zeit zu erkunden gilt. Aus meiner Sicht erreicht diese Abfüllung absolut ihr gestecktes Ziel: Die Kunst des Umgangs mit Fässern in Form eines innovativen Whiskys zu demonstrieren.
Am ehsten vergleichbar mit einem Black Art.